Das flämische Parlament hat einem Vorschlag zur Einsetzung einer außerordentlichen Kommission zum Thema sexueller Missbrauch in der Kirche zugestimmt. Die oppositionellen Grünen (Groen) hatten zwar ursprünglich einen Untersuchungsausschuss gefordert, doch einen solchen wird im belgischen Bundesparlament eingerichtet.
Sexueller Missbrauch in der Kirche: Flanderns Landesparlament richtet Sonderausschuss ein
Seit der Ausstrahlung der dokumentarischen Sendereihe „Godvergeten“ („Gottvergessen“) des flämischen Rundfunks VRT (unser Haus) vor einige Wochen, schlägt das Thema sexueller Missbrauch in der Kirche weiterhin hohe Wellen. In der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments steht die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses kurz bevor.
Die flämischen Grünen hatten eigentlich die Einrichtung eines regulären U-Ausschusses auch auf Landesebene gefordert, denn laut dem Groen-Co-Vorsitzenden Jeremie Vaneeckhout haben sich viele der Vorfälle „in Schulen, Internaten und Pflegeeinrichtungen abgespielt, die unter flämische Zuständigkeit fallen.“
Zwei Ausschüsse
Ein U-Ausschuss hat auf Bundes- oder Landesebene in Belgien quasi alle rechtlichen Möglichkeiten, die auch ein Untersuchungsrichter hat, wie das anordnen von Hausdurchsuchungen oder das Vorladen von Zeugen, die unter Eid aussagen müssen.
Doch statt eines solchen Ausschusses wird sich in Flandern eine außerordentliche Kommission mit dem Thema befassen, wie es sie in der jüngeren Vergangenheit zum Thema Klimaschutz und grenzüberschreitendes Verhalten im Sport schon gab. Letztendlich zeigt sich auch Initiator Vaneeckhout zufrieden mit der Entscheidung des parlamentarischen Büros. Er ist der Ansicht, dass dieser Ausschuss „eine interessante Ergänzung zum geplanten Ausschuss auf föderaler Ebene sein kann.“
Zweigeteilter Auftrag
Der außergewöhnliche Ausschuss soll einen zweigeteilten Auftrag bekommen, so Vaneeckhout. Er soll auf der einen Seite einen Fokus auf alle Schulen, Internate und Pflegeeinrichtungen legen, in denen sexueller Missbrauch durch Geistliche möglich war (und ist). Daneben soll er die bekannten Fälle der Vergangenheit bewerten: „Früher stießen die Opfer immer auf Hindernisse, wenn sie über den Missbrauch reden wollten, den sie erlebten. Dieser Ausschuss muss untersuchen, ob solche Opfer heute noch gegen Mauern laufen, damit wir Hilfe zielgerichteter leisten können.“
Der Ausschuss in Flandern wird aber auch die Arbeit, die Ergebnisse und die Resultate eines früheren Ausschusses durchleuchten und auch die in diesem Zusammenhang „Operation Kelch“ genannten Ermittlungen der Justiz aus der Zeit nach dem Vorgang um den Brügger Bischof Roger Vangheluwe 2010. Hier behaupten Anwälte, das Akten „verschwunden sind“. Beide Ausschüsse werden komplementär arbeiten. Die Opferverbände sind zufrieden damit, dass jetzt endlich adäquat untersucht wird.




