Der Justizausschuss der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament wird sich in der kommenden Woche mit der Frage beschäftigen, ob ein Untersuchungsausschuss zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Flandern eingesetzt werden soll. Nach der vierteiligen VRT-Doku-Reihe zu diesem Thema haben sich alle im Parlament vertretenen Parteien für einen solchen Ausschuss ausgesprochen.
Parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll sich mit dem Missbrauch in der katholischen Kirche befassen
Auf Anregung der in der Kammer vertretenen Parteien wird die Vorsitzende des Justizausschusses, die flämische Nationaldemokratin Kristien Van Vaerenbergh (N-VA), diesen Punkt auf die Tagesordnung der für den kommenden Mittwoch angesetzten Sitzung setzen.
Nach der Ausstrahlung der Reihe, die im zweiten VRT-Fernsehprogramm Canvas unter dem Titel „Godvergeten“ („Gottvergessen“) gelaufen ist und die für einen enormen Wirbel sorgte, haben die flämischen Parteien Vooruit (Sozialisten), Groen (Grüne), Open VLD (Liberale) und CD&V (Christdemokraten) einen solchen Untersuchungsausschuss gefordert.
In dieser Reihe schilderten Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche den Umgang mit ihnen von Seiten der Kirche und auch der Justiz. Die meisten der Betroffenen waren zur Zeit der Übergriffe minderjährig.
Appell an Erzbischof Bonny
Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) will erreichen, dass Geistliche, sie sich sexuellem Missbrauch schuldig machen oder machten, nicht mehr mit Syeuergeldern bezahlt werden. Der Minister appellierte in diesem Zusammenhang an den Erzbischof Johan Bonny, überführte Straftäter aus der Kirche, nicht mehr mit staatlichen Geldern zu entlohnen.
In Belgien gibt es keine Kirchensteuer. Deshalb werden die Dienste der Religionen per Gesetz (aus dem 19. Jahrhundert) aus staatlichen Steuermitteln finanziert. Van Quickenborne sagte, wenn der Bischof seine Kritik an den Vorgängen in seiner Kirche ernst nehme, solle er in dieser Frage seine Verantwortung übernehmen.

