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Inland
Justiz

Eine VRT-Doku-Reihe zu sexuellem Missbrauch in der Kirche sorgt vor allem in Flandern für Wirbel

Am Dienstagabend lief im zweiten TV-Programm unseres Hauses, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, die Reihe „Godvergeten“ („Gottvergessen“). Hier ging es in einer vierteiligen Sendereihe um sexuellen Missbrauch durch Kirchenvertreter. Diese Reihe, in der viele Opfer ihre teils schockierende Geschichte erzählten, sorgte vor allem in Flandern für gesellschaftlichen und politischen Wirbel. Besonders kritisch wird über den Umgang mit Tätern und Opfern gesprochen, auch auf juristischer Ebene. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die flämischen Parteien Vooruit (Sozialisten), Groen (Grüne) und Open VLD (Liberale) fordern nach der TV-Doku-Reihe „Godvergeten“ bei Canvas (das zweite VRT-TV-Programm) die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der die Vorgänge unter die Lupe nehmen soll. Die Politiker sind z.B. beunruhigt über die Tatsache, dass offenbar Beweismaterial zu sexuellem Fehlverhalten von Geistlichen an die Kirche zurückgegeben worden sein soll.

Conner Rousseau, der Vorsitzende von Vooruit, zeigte sich gegenüber VRT NWS erschüttert: „Wir wollen sehr genau untersuchen, warum Beweise verschoben wurden und warum die echte Anerkennung für die Opfer unterblieben ist. Zweitens wollen wir auch Empfehlungen aussprechen, wie die Kirchen in unserem Land noch finanziert werden sollen. Wir können es doch nicht mehr verantworten, dass wir einer Organisation Millionen überweisen, die sexuellen Missbrauch unter den Teppich kehrt.“ 

Es gab bereits einen Untersuchungsausschuss

In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass es vor einigen Jahren einen solchen Untersuchungsausschuss bereits gegeben hat. 2011 hat sich ein solcher Ausschuss mit den kirchlichen und juristischen Folgen nach dem Fall Vangheluwe befasst. Der damalige Bischoff von Brügge, Roger Vangheluwe, hatte jahrelang zwei minderjährige Neffen sexuell missbraucht, von denen einer den Fall publik machte. In dieser Hinsicht bestätigte der damalige Untersuchungsausschuss, dass vor allem die Kirche sehr schlecht mit den Opfern von Missbrauch durch Geistliche umgehen würde. Damals wurden auch Empfehlungen ausgesprochen.

In Folge dessen wurden Schadensersatzzahlungen durch die Kirche an die entsprechenden Opfer ermöglicht und die Verjährung solcher Straftaten wurde deutlich verlängert. Doch jetzt will die Politik noch viel weiter gehen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss macht möglich, dass Zeugen, wie von einem Ermittlungsrichter in der Justiz, unter Eid befragt werden können. Auf diese Art und Weise kann überprüft werden, ob auch auf gerichtlichem Wege Ermittlungen korrekt verlaufen (sind).  

Gerichtsverhandlungen müssen noch beginnen

2016 wurden die Ermittlungen rund um den Fall Vangheluwe und andere Fälle, die damals publik wurden, abgeschlossen. Doch diese Verfahren müssen noch vor Gericht verhandelt werden. Angesichts der Tatsache, dass sich die meisten Straftaten vor mehr als 30 Jahren ereigneten und dass einige der damaligen Täter heute nicht mehr leben, fordert die Bundesstaatsanwaltschaft von Ratskammer, diese nicht mehr zu verfolgen.

Dass diese Vorgänge so lange dauern, stößt vielen, nicht nur den Opfern, inzwischen übel auf. Inzwischen haben sich seit der Ausstrahlung der ersten Teile der Doku-Reihe „Godvergeten“ 15 neue Opfer von sexuellen Verfehlungen durch Geistliche und durch Vertreter der Katholischen Kirche in Belgien bei der Justiz gemeldet und Anklage erhoben. Entsprechende Ermittlungen laufen bereits. 

Was sagt Bischof Bonny zu "Godvergeten"

Johan Bonny, der Bischoff von Antwerpen, sagte in einer Sonderausgabe der VRT-Magazinsendung „De afsprak“ („Die Verabredung“) nach „Godvergeten“, dass er und die belgische Bischofskonferenz Roger Vangheluwe erneut darum gebeten haben, seine Ämter niederzulegen. Dieser lebt inzwischen in einem Kloster in einer Art „Verbannung“.

Bonny wirft in diesem Zusammenhang auch dem früheren Erzbischof, Kardinal Godfried Danneels vor, in diesem Zusammenhang kaum adäquat reagiert zu haben und unterstellt ihm, eine schlechte Führung der Kirche während dessen Amtszeit. Und er kritisiert auch den Vatikan in diesem Zusammenhang: „Wir haben beim Vatikan bereits mehrmals angefragt, dass man die Weihe Vangheluwes zum Bischof ungetan macht, doch wir bekommen keine Reaktion.“  

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