Die Nico-Gunzburg-Stiftung, eine jüdische Organisation, hat die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB und den belgischen Staat in Brüssel verklagt. Dies berichten die flämischen Tageszeitungen Het Laatste Nieuws und De Morgen am Mittwoch. Die Organisation fordert eine Entschädigung und ein Schuldeingeständnis für die Deportationen während des Zweiten Weltkriegs. Inzwischen bezieht die belgische Bahn Stellung zu dem Vorgang.
Jüdische Stiftung verklagt die belgische Bahn und den belgischen Staat wegen Deportationen im Zweiten Weltkrieg
Konkret geht es um die 28 Transporte, die zwischen August 1942 und Juli 1944 vom Sammellager in der Dossin-Kaserne in Mechelen (Provinz Antwerpen) abfuhren. Fast alle diese Züge fuhren direkt in das Vernichtungslager Auschwitz in Polen. An Bord befanden sich hauptsächlich Juden, etwa 25.000, sowie einige Hundert Roma und Sinti. Nach dem Krieg kehrten nur etwas mehr als tausend Menschen lebend zurück.
Die NMBS erhielt damals Zahlungen für die Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern, wie die Forschungen des Historikers Nico Wouters vom Studienzentrum CegeSoma bereits gezeigt haben. Da der belgische Staat Anteilseigner der NMBS ist, ist auch die Regierung in den Prozess involviert.
Laut den beiden Zeitungen fanden bereits Gespräche zwischen der NMBS und der Regierung statt, die bisher jedoch ergebnislos verliefen. Sobald der belgische Staat und die Bahn bereit sind, sich erneut an den Verhandlungstisch zu setzen, um über Entschädigungen zu verhandeln, kann der juristische Vorgang beendet werden.
„Wir warten auf eine Entschuldigung der belgischen Regierung“: Stellungnahme der NMBS
Die NMBS teilte VRT NWS mit, dass sie die Absicht der Stiftung, rechtliche Schritte einzuleiten, zur Kenntnis genommen habe. Das Unternehmen möchte alle daran erinnern, dass es „stets uneingeschränkt mit der wissenschaftlichen Forschung kooperiert hat, die die Rolle der belgischen Eisenbahn während des Zweiten Weltkriegs aufklären soll.“
Laut NMBS ist das Ausbleiben einer offiziellen Entschuldigung nicht die Schuld des Eisenbahnunternehmens, sondern der belgischen Regierung, die sich bisher nicht zu dem Sachverhalt geäußert hat. In der Zwischenzeit habe das Eisenbahnunternehmen „proaktiv zahlreiche Maßnahmen ergriffen“, darunter eine überarbeitete Darstellung der Materie und eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit CegeSoma in der TrainWorld, sprich im belgischen Eisenbahnmuseum in Schaarbeek.



