Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg hielt die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB im Interesse des Landes den Zugverkehr aufrecht und beteiligte sich, trotz innerbetrieblichem Widerstand, auch an den Deportationen von Zwangsarbeitern nach Deutschland und von Juden und anderen bei den Nazis in Ungnade gefallenen Menschen in die Lager. Dies sorgte für ein tiefgreifendes moralisches Dilemma der belgischen Eisenbahner irgendwo „zwischen Kollaboration und Widerstand.“ Auch damit beschäftigt sich eine Ausstellung im belgischen Eisenbahnmuseum Train World im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek.
Ausstellung in der Train World: Belgiens Eisenbahnen in der Besatzungszeit
Auch während der deutschen Besatzung fuhren in Belgien die Züge weiter. Die NMBS/SNCB gewährleistete die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen und der Bürger des Landes mit Lebensmitteln und hielt damit das Schicksal der Bevölkerung und der Industrie in ihren Händen.
Um diese Aufgabe wahrzunehmen, hatte die Bahn keine andere Wahl, als die Kriegsaktivitäten des Deutschen Reiches mit ihren Dienstleistungen zu unterstützen. Zwischen 1941 und 1944 waren die belgischen Eisenbahnen an der Deportation von Zwangsarbeitern, politischen Gefangenen, Juden und Roma nach Deutschland und in die osteuropäischen Lager beteiligt. Trotz des starken Widerstands innerhalb des Unternehmens fuhren die Züge bis zum letzten Kriegstag weiter.
Besondere Pflicht
Da die belgische Bahn der Pflicht zur Erinnerung auch und gerade zu dieser dunklen Zeit besondere Bedeutung beimisst und diese für alle zugänglich machen möchte, ist der Eintritt zur Ausstellung „NMBS, besetztes Unternehmen. Zwischen Kollaboration und Widerstand“ für alle Jugendlichen unter 18 Jahren, einschließlich Schulklassen, kostenlos.
Die Geschichte der NMBS/SNCB in dieser komplexen Zeit ist voller Widersprüche und schwebt tatsächlich in der Nazizeit zwischen Kollaboration und Widerstand. Dieses Dilemma ist heute aktueller denn je. Wie weit darf man gehen, wenn man mit einer Diktatur zusammenarbeitet, um dem Gemeinwohl zu dienen? Wann und in welcher Form sollte man Widerstand leisten?
Gedenkarbeit
Dies Ausstellung ist Teil der Gedenkarbeit der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB und basiert auf Forschungsarbeiten des Studienzentrums für Krieg und zeitgenössische Gesellschaft (CegeSoma) über die Rolle der Bahn während des Zweiten Weltkriegs. An der Zusammenstellung der Ausstellung waren aber auch die Gedenkstätte Kaserne Dossin, das War Heritage Institute, das Nationale Museum des Widerstands und andere Einrichtungen in Belgien beteiligt.
Die belgische Bahn gab den Wissenschaftlern von CegeSoma die Möglichkeit, in den Archiven zu suchen und sie rief Zeitzeugen bzw. deren Nachkommen dazu auf, mögliche private Dokumente für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Die NMBS und die Train World wollen mit diesem Projekt diese „dunkle Seite der Geschichte“ beleuchten und die Erinnerung an diese Zeit heute und in der Zukunft bewahren.
„NMBS, besetztes Unternehmen. Zwischen Kollaboration und Widerstand“ und Widerstand - Noch bis zum 28.Juni 2026: Train World, Prinses Elisabethplein 5, 1030 Schaarbeek. Info: trainworld.be/de

