Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB sollte sich für die Deportationen entschuldigen, die sie während des Zweiten Weltkriegs durchgeführt hat. Das ist eine der rund 30 Empfehlungen der Arbeitsgruppe, auch „Gruppe der Weisen“ genannt, die an diesem Freitag im Senat vorgestellt wurden. Diese Arbeitsgruppe legte die Schlussfolgerungen ihrer Beratungen über die Rolle der Bahn während des Zweiten Weltkriegs jetzt vor.
„Die belgische Bahn sollte sich für die Deportationen während des Zweiten Weltkriegs entschuldigen“
Die NMBS/SNCB hatte sich bereits 2012 zu ihrer Rolle bekannt, aber eine offizielle Entschuldigung steht noch aus, so der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Guido Gryseels. Die Gruppe fordert keine finanzielle Entschädigung für die Opfer. Sie sagt, dass dies 80 Jahre nach den Ereignissen keinen Sinn machen würde. Die SNCB sollte auch keine Wiedergutmachung leisten, sondern noch mehr in die Bildung und das Gedenken an diese historische Zeit investieren.
Von März bis November 2024 traf sich die „Gruppe der Weisen“ jeden Monat mit verschiedenen Opferorganisationen, um zu überlegen, welche weiteren Schritte jetzt unternommen werden sollten.
Aufarbeitung
Im Dezember 2023 wurde die Rolle der SNCB während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag des damaligen Mobilitätsministers Georges Gilkinet (Ecolo) und der damaligen Senatspräsidentin Stephanie D'Hose (Open VLD) in einer Studie des Studienzentrums für Krieg und zeitgenössische Gesellschaft (CegeSoma) aufgearbeitet.
Im Anschluss an diesen Bericht setzte die föderale belgische Regierung die Gruppe der Weisen ein. Diese Arbeitsgruppe stellte am Freitag ihre Empfehlungen vor.
Rechnung in Millionenhöhe
Zuvor war bekannt geworden, dass die belgische Eisenbahn den deutschen Besatzern 51 Millionen belgische Franken für Deportationen in Konzentrationslager in Rechnung stellte. Umgerechnet (und unter Berücksichtigung der Inflation) sind das heute knapp 15 Mio. €.
Zwischen 1942 und 1944 deportierte die SNCB mehr als 25.500 Juden, Sinti und Roma von der Dossin-Kaserne in Mechelen aus nach Auschwitz. Nach der Befreiung 1945 kehrten gerade einmal 1.195 von ihnen lebend zurück. 189.542 belgische Zwangsarbeiter und 16.081 politische Gefangene wurden ebenfalls in den Osten transportiert.
Entschädigungen in den Niederlanden
In den Niederlanden entschied eine Sonderkommission im Jahr 2019, dass die Niederländische Eisenbahn (NS) Überlebende des Holocaust entschädigen muss. Etwa 5.000 bis 6.000 Personen erhielten daraufhin eine Entschädigung von 5.000 bis 15.000 €.
Diese Entscheidung war auch das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits von Salo Muller, dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden. Der NS war verantwortlich für die Deportation von etwa 100.000 Juden in das Konzentrationslager Westerbork, von wo aus sie nach Auschwitz transportiert wurden.
