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"Alptraum, der nicht enden will": Die Schwester des im Iran festgehaltenen Belgiers Olivier Vandecasteele bittet das Parlament um Hilfe

Nathalie Vandecasteele (Foto), die Schwester des im Iran zu langer Haftstrafe verurteilten ehemaligen NGO-Mitarbeiters Olivier Vandecasteele, hat im parlamentarischen Ausschuss für Auslandsangelegenheiten die Lage ihrer Familie geschildert. „Wir leben in einem Alptraum, der nicht enden will“, sagte sie bei ihren emotionalen Ausführungen. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Olivier Vandecasteele ist im Februar 2022 in der iranischen Hauptstadt Teheran festgenommen worden und wurde unlängst zu 40 Jahren Haft, 74 Peitschenhieben und zur Zahlung eines Bußgeldes von 1 Mio. Dollar verurteilt. Der Iran wirft ihm u.a. Spionage vor, auch wenn dies bisher nicht von den iranischen Behörden offiziell bestätigt wurde. Vandecasteele ist nach Angaben des belgischen Botschafters im Iran, der ihn besuchen konnte, gesundheitlich schwer angeschlagen und seine Haftbedingungen sind sehr schlecht.

Bisher haben alle diplomatischen Bemühungen von Bundesaußenministerin Hadja Lahbib und auch ihrer Vorgängerin Sophie Wilmès (beide MR) sowie von Seiten der belgischen Botschaft nichts an der Lage Vandecasteele geändert und auch die Proteste von internationalen Gremien (UN, EU…) brachten nichts. Die Familie des Belgiers weiß inzwischen nicht mehr weiter und fühlt sich hilflos.

Diplomatie

Vor dem Ausschussmitgliedern sagte dessen Schwester Nathalie Vandecasteele: „Wir leben in einem Alptraum, der nicht enden will. Ein Kind oder einen Bruder so leiden sehen, ist nicht menschlich und nicht auszuhalten. Anfangs wollten wir die Diplomatie in aller Diskretion arbeiten lassen. Doch jetzt, wo wir begreifen, was national und international auf dem Spiel steht, müssen wir alle wachrütteln.“

Sie unterstrich auch, dass ihr Bruder aus geschäftlichen Gründen im Iran gewesen sei. Er habe seit 2015 für die norwegische NGO Norwegian Refugee Council gearbeitet und sich um afghanische Flüchtlinge gekümmert. Doch nach rund 7 Jahren habe er beschlossen, nach Belgien zurückzukommen. Im Februar 2022 aber reiste er zurück in den Iran, um seine Sachen dort zu regeln. Er wollte seine Mitwohnung kündigen und sein dortiges Bankkonto auflösen. Dabei wurde er festgenommen, so Nathalie Vandecasteele: „Er war also kein Tourist. Er war aus beruflichen Gründen dort.“

Sofortige Freilassung gefordert

Der parlamentarische Ausschuss für Auslandsangelegenheiten stimmte nach den Worten Nathalie Vandecasteeles einstimmig einer Resolution zu, nach der die unmittelbare Freilassung Olivier Vandecesteeles gefordert wird. Der Text der Resolution soll die belgische Bundesregierung dazu ansetzen, „alle diplomatischen Mittel dazu einzusetzen.“  Die Erste Kammer im belgischen Bundesparlament stimmte letztes Jahr einem umstrittenen Vertrag mit dem Iran zu, der einen Austausch von Gefangenen zwischen beiden Ländern ermöglichen sollte.

Doch der belgische Verfassungshof setzte diesen Vertrag nach einer Klage von oppositionellen Auslandsiranern aus. Der Text dieses Vertrags implizierte, dass es dabei auch um Personen geht, die wegen einer terroristischen Straftat verurteilt wurden. Konkret handelt es sich dabei um den iranischen Diplomaten Assadolah Assadi, der in Belgien 2021 zu 20 Jahren Haft wegen der Planung eines Anschlags auf ein Treffen von Auslandsiranern in Paris verurteilt wurde. Für die Familie von Olivier Vandecasteele ist es kaum zu fassen, dass dieser in diesen international sensiblen Vorgang verwickelt ist. Dessen Schwester sagte dazu: „Wir haben eine starke und mutige Tat nötig, um Olivier freizubekommen.“  

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