Der Botschafter Belgiens hat den seit fast einem Jahr im Iran festgehaltenen NGO-Mitarbeiter Olivier Vandecasteele (Foto) in seiner Zelle besuchen können. Dies bestätigte dessen Familie. Offenbar ist Vandecasteele stark abgemagert und habe eingefallene Augen.
Belgiens Botschafter im Iran konnte Olivier Vandecasteele in dessen Zelle besuchen
Vier Bewacher schauten zu, wie Belgiens Botschafter mit Olivier Vandecasteele in dessen Zelle in einem iranischen Gefängnis sprach. Das Treffen dauerte knapp eine halbe Stunde und wurde auch gefilmt.
Vandecasteele hatte 6 Jahre lang im Iran für humanitäre Organisationen gearbeitet, bis er am 24. Februar 2022 von den dortigen Behörden festgenommen wurde. Erst Monate später wurde bekannt, dass man Vandecasteele Spionage vorwirft bzw. dass er „den Sicherheitsinteressen des Iran geschadet habe".
Inzwischen wird er seit rund 10 Monaten isoliert in seiner Zelle festgehalten. Nach Angaben des Botschafters sei er abgemagert, habe er eingefallene Augen und gesundheitliche Probleme mit seinen Ohren und seinen Zähnen.
Er erzählte dem Botschafter, dass er an einer Art Scheinprozess gegen ihn habe teilnehmen müssen und er sei dabei stundenlang an Händen und Füßen gefesselt gefilmt worden. Die iranische Justiz verurteilte den Belgier dabei zu 28 Jahren Haft, ohne dass er mit seinem Anwalt, den er gar nicht erst kenne, gesprochen zu haben.
Olivier Vandecasteele reagierte auf die Nachricht, dass der Vertrag zwischen Belgien und dem Iran, mit dem er gegen einen in unserem Land verurteilten Terroristen ausgetaucht werden könnte, in einem Eilverfahren von iranischen Oppositionellen im Westen aufgehoben wurde. Bis März 2023 muss der belgische Verfassungshof in dieser Frage einen definitiven Beschluss fällen.
International beobachteter Fall
Die Vereinten Nationen kritisieren die unmenschliche Behandlung Vandecasteeles und brachte in diesem Zusammenhang einige Sanktionen gegen den Iran auf den Weg. Die UN will damit international weiter Aufmerksamkeit auf diesen Fall legen und mehr Deutlichkeit von den iranischen Behörden einfordern. Inzwischen haben die Angehörigen Vandecasteeles eine Petition für dessen Freilassung lanciert, die inzwischen rund 58.000 Unterschriften aufweist. Eine weitere Petition von Amnesty International konnte schon 63.000 Unterschriften sammeln.

