Ein ehemaliger Topmanager des inzwischen insolventen Chipherstellers BelGaN aus Oudenaarde steht im Verdacht, Geschäftsgeheimnisse nach China weitergegeben zu haben. Dies geht aus einer Recherche des frankophonen Rundfunks RTBF und der flämlischen Tageszeitung De Standaard hervor. BelGaN wurde 2021 von chinesischen Investoren übernommen, meldete aber 2024 Insolvenz an. In der Zwischenzeit begann ein sogenanntes Spiegelunternehmen in China mit der Produktion derselben Chips, die unter anderem in Batterien für Elektroautos verwendet werden.
Mögliche Spionage bei BelGaN - Datenträger im Rahmen von Ermittlungen gegen den Chiphersteller analysiert
Im Zuge der Ermittlungen wegen möglicher Spionage und des Diebstahls von Technologie des insolventen Chipherstellers BelGaN aus Oudenaarde in Ostflandern haben die Ermittler mehrere Durchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden Datenträger und elektronische Kommunikationsmittel sichergestellt. Diese werden derzeit ausgewertet. Dies teilte die Bundesanwaltschaft am Montag mit. Die belgische Justiz bestätigte zudem, dass weiterhin nach einem Verdächtigen gefahndet wird.
Wie De Standaard und RTBF berichteten, wurde ein 52-jähriger ehemaliger Manager von Belgan am 10. Mai am Flughafen Brüssel festgenommen, als er nach Peking fliegen wollte. Die Bundesanwaltschaft hat diese Festnahme inzwischen offiziell bestätigt.
Laut Staatsanwaltschaft liegen Hinweise dazu vor, dass der Mann, der eine leitende Position im Entwicklungsbereich bei BelGaN innehatte, gleichzeitig Direktor eines chinesischen Unternehmens mit ähnlichen Produktionsaktivitäten war. Das Unternehmen wurde wenige Monate nach dessen Eintritt in die Firma gegründet und von einem chinesischen Investmentfonds finanziert.
Transfer von spezialisiertem geistigem Eigentum und Geschäftsgeheimnissen
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft deuten die ersten Ergebnisse der Ermittlungen auf den unrechtmäßigen Transfer von spezialisiertem geistigem Eigentum und Geschäftsgeheimnissen im Zusammenhang mit der Produktion von Galliumnitrid-Chips ins Ausland hin. Diese Technologie findet unter anderem in Elektrofahrzeugen, der Luft- und Raumfahrt sowie im militärischen Bereich Anwendung.
Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft im Gefängnis von Oudenaarde. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass ein zweiter Verdächtiger noch gesucht wird, gibt dessen Identität jedoch nicht preis. De Standaard und RTBF berichteten zuvor, dass auch der ehemalige BelGaN-Manager Alan Zhen Zhou von der belgischen Justiz gesucht wird.
Der Fall wirft Fragen zum Schutz europäischer Technologie vor ausländischer Spionage auf.


