Im aufsehenerregenden „Kriva Rochem“-Drogenprozess, in dem die Schlüsselfiguren Flor Bressers (Archivfoto) und Sergio Roberto de Carvalho angeklagt sind, hat der Richter überraschend die Plädoyers beendet. Er tat dies, ohne der Staatsanwaltschaft oder den Anwälten weiteres Wort zu gestatten. Beide Seiten reagierten fassungslos auf die Entscheidung.
Anwälte fassungslos: Richter verweigert weitere Plädoyers im turbulenten „Kriva Rochem“-Drogenprozess
Dieser Prozess, der aus Sicherheitsgründen in das Hochsicherheits-Gerichtsgebäude Justitia nach Brüssel verlegt wurde, richtet sich u.a. gegen die Hauptangeklagten Flor Bressers (37) aus den Niederlanden und dem Brasilianer Sergio Roberto de Carvalho (65), die als Köpfe der Bande gelten. Insgesamt wird hier 31 Angeklagten der Prozess gemacht.
Der Prozess, der seit Mitte September 2025 läuft, sollte ursprünglich schon im Oktober 2024 beginnen sollte, verlief bisher äußerst turbulent. Die Spannungen zwischen den Anwälten und dem Gericht führten bereits zu mehreren Befangenheitsanträgen - schon 17 an der Zahl.
Die Reibereien führten zu beispiellosen Szenen: Der vorherige Verhandlungstag endete im Chaos, als auf Anordnung des Richters zwei Anwälte aus dem Gerichtssaal verwiesen wurden. Der Prozess sollte an diesem Montag (5. Januar 2026) fortgesetzt werden. Die Anhörung dauerte jedoch letztendlich nicht länger als fünf Minuten. Der Richter verlas lediglich eine Erklärung.
Darin gab er zu verstehen, dass er keine weiteren Plädoyers von Anwälten oder von Seiten der Staatsanwaltschaft zulassen werde. Die Anwälte hatten noch keine Gelegenheit gehabt, die Sachlage ihrerseits darzulegen. Der Richter wird sich bei seinem Urteil auf die schriftlichen Eingaben der Anwälte in dieser Akte stützen, hieß es dazu. Dies ist in einem so umfangreichen Prozess in Belgien bisher beispiellos.
Der zuständige Richter erklärte, diese Entscheidung sei gefallen, weil mehrere Verteidiger gegen eine interne Verfahrensmaßnahme des Gerichts Berufung eingelegt hätten. „Da die Verteidiger dieser internen Verfahrensmaßnahme nicht Folge leisten wollen, ist es nicht angebracht, die Verhandlungen fortzusetzen und der Fall wird intern beraten“, so der Richter in seiner Ausführung.
„Die Anwälte im Gerichtssaal sind fassungslos“, berichtete die VRT-NWS-Journalistin Helen Goedgebeur, die den Prozess vor Ort verfolgt. Das Urteil wird am 30. März verkündet.


