Am Montag begannen im Maximilianpark, nur einen Steinwurf vom Brüsseler Nordbahnhof entfernt, Probebohrungen. Diese Bohrungen sind der Beginn einer umfassenden Energiewende in diesem Teil der Hauptstadt. Die weitläufige Grünanlage mit ihren Spielflächen wird nicht nur als grüne Lunge des Nordviertels dienen, sondern auch die umliegenden Büro- und Wohngebäude mit Heiz- und Kühlenergie versorgen, wie das Brüsseler Umweltamt mitteilte. Das Projekt ist Teil des Be.Share-Projekts, das von der Europäischen Stadtinitiative (EUI) mit fast 5 Mio. € gefördert wird und sich auf Energiewende und urbane Innovation konzentriert.
Der Maximilianpark soll zu einem "unsichtbaren Kraftwerk" für das Brüsseler Nordviertel werden
„Bohrungen bis zu 150 Meter Tiefe und 790 Meter Rohrleitungen“ - so sieht die neue Realität im Maximilianpark seit dem 8. Dezember aus. Probebohrungen und ein Test der thermischen Reaktion werden bis zum 4. Januar durchgeführt, so Brussels Environment - das Amt, das in der Hauptstadt für ein breites Spektrum an Umwelt- und Energiepolitik zuständig ist. In dieser ersten Phase werden die Anzahl der Bohrungen und deren genaue Standorte im Park festgelegt. Nach diesen Vorarbeiten beginnt der Bau des Fernwärme- bzw. Geothermie-Netzes Anfang 2026 und wird voraussichtlich etwa zwei Jahre dauern.
Das Projekt „Be.Share“, geleitet vom Umweltamt in Partnerschaft mit der Stadt Brüssel, den Versorgungsgesellschaften Vivaqua (Wasser) und Sibelga (Gas), Karno (Entwickler von schadstofffreien Wärmenetzen), der niederländischsprachigen Freien Universität Brüssel (VUB) und der Verband Convivence (sozialer Wohnungsbau), soll ein Vorzeigeprojekt für ein effizientes Fernwärme- und Klimanetz sein. Es umfasst lokale, CO₂-freie Produktionsanlagen, von Geothermie im öffentlichen Raum - der Energiegewinnung aus dem Untergrund von Parks und Straßen - bis hin zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser.
Die Energiequelle für Fernwärmenetze ist üblicherweise der Untergrund unter Privatgrundstücken. Hier können wir erstmals in Europa den Untergrund öffentlichen Grunds nutzen“
Grégory Mey, CEO des Fernwärmenetzspezialisten Karno
Dieses System nutzt zwei verschiedene Wärmequellen: Geothermie (Wärme oder Kälte aus dem Erdreich) und Abwasserwärme (auch als Riothermik bekannt) (dasselbe Prinzip, jedoch unter Verwendung von Abwasser). Im Winter liefert die Technologie Wärme, im Sommer kann das System zusätzlich Kühlung bereitstellen.
Für Büros und Wohnungen
Ziel ist, dass bis 2028 mehrere Gebäude rund um den Maximilianpark von diesem Fernwärmenetz profitieren. Dazu gehören Bürogebäude, Gebäude mit Büros, Wohnungen, Gastronomie und Einzelhandel sowie Gebäude der Europäischen Kommission sowie rund 200 Sozialwohnungen und 130 Co-Living-Spaces.
Die Verbindung von Berufs- und Privatleben ist ein wichtiger Aspekt dieses Projekts. „Das Fernwärmenetz heizt tagsüber die Bürogebäude, die dann abends die Wohnungen mit Wärme versorgen. Dieses System kann auch umgekehrt werden, sodass das Netz an heißen Sommertagen zur Kühlung dient. Es bietet somit eine klimaneutrale Alternative zu herkömmlichen Klimaanlagen“, erklärt das Brüsseler Umweltamt.
Niedrigere Energiekosten
Das Projekt soll jährlich 1.569 Tonnen CO₂ einsparen. „Wir werden zeigen, dass ein Park sowohl Lebensraum als auch Motor der Energiewende sein kann“, betont Brüssels Bürgermeister Philippe Close (PS). Der Untergrund des Maximilianparks wird in ein „unsichtbares“ Wärmenetz umgewandelt, das die Bewohner des Nordquartiers versorgen soll. Der Bürgermeister fügt hinzu, dass das Projekt deren Energiekosten senken wird.


