In der Surrealismus-Ausstellung „Histoire de ne pas rire“ im Brüsseler Kunsttempel Bozar sind einige Werke von Künstlerinnen zu sehen, die inzwischen schon fast von der Kunstwelt vergessen sind. Das sind Rachel Baes und Jane Graverol. In diesem Beitrag soll an Rachel Baes erinnert werden, eine Künstlerin, deren Leben einen tragischen Verlauf hatte.
Rachel Baes (1912-1983) war eine tragische Figur. In den 1930er Jahren war sie die Geliebte des Verdinaso-Faschistenführers Joris Van Severen. Nach dessen Tod malte Baes vor allem unschuldig daherkommende Mädchen in eher beklemmenden Umgebungen. Baes hielt sich in den Kreisen der Surrealisten in Brüssel auf und wurde u.a. von René Magritte in dessen eigentümlichen Stil porträtiert. Sie verbrachte ihr Lebensende einsam und verbittert in einem riesigen Haus in Brügge.
Rachel Baes war die Tochter des Historienmalers Émile Baes (1879-1954), der in Brüssel und in Paris Künstlersalons organisierte. Dadurch kam dessen Tochter schon früh in Berührung mit Kunst und Malerei. Ihr Vater war ihr Lehrmeister und zunächst arbeitete sie unter dem Einfluss des flämischen Expressionismus und stellte (mithilfe ihres Vaters) schon als 17-Jährige in Paris aus.
Eine Ehe mit dem Journalisten Robert Leurquin endete früh und mit dem Faschistenführer Joris Van Severen lebte sie glücklich, bis dieser 1940 festgenommen und exekutiert wurde. Danach verließ Rachel Baes Belgien und zog nach Paris. Stilmäßig gab sie auch den Expressionismus auf und wendete sich dem Surrealismus zu.
In surrealistischen Kreisen
In Paris lernte sie viele surrealistische Künstler kennen und der französische Lyriker Paul Éluard sprach die Laudatio zu ihrer Ausstellung dort 1945. Magritte porträtierte sie 1947 für eines seiner merkwürdigsten Werke, „Scheherazade“. Baes stellte zudem in Buenos Aires (1947) und in New York (1949) aus. 1953 gab es eine Ausstellung von ihr in Paris, die André Breton, französischer Dichter, Schriftsteller und der wichtigste Theoretiker des Surrealismus, einleitete.
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1954 nahm sie an der Biennale von Venedig teil, ein Jahr später stellte sie in Brüssel aus und im Jahr danach noch einmal in Paris. Ihre Werke wurden nach und nach symbolistischer und satirischer und immer wieder tauchte das kleine Mädchen auf, dass verängstigt und verspannt zwischen allerlei seltsamen Symbolen aufwächst…
Verbittertes Leben in Brügge
Rachel Baes verließ Paris und ließ sich in Brügge in der Nähe der früheren Wohnung ihres für ewig geliebten Joris Van Severen nieder, wo sie nur noch in Erinnerungen lebte. 1965 veröffentlichte sie ein Buch über ihn anhand der Liebesbriefe, die sich die beiden geschrieben haben. 1976 stellte sie ein letztes Mal aus und zwar in der Brüsseler Galerie Isy Brachot. Danach zog sie sich in die totale Einsamkeit in Brügge zurück.
Am 8. Juni 1983 wurde ihr lebloser Körper in der Eingangshalle ihres Hauses entdeckt. Sie starb eines natürlichen Todes und das offizielle Sterbedatum wurde nach Untersuchungen auf den 25. Mai 1983 festgelegt - zwei Wochen bevor sie gefunden wurde. Ihrem letzten Wunsch entsprechend wurde sie in der nordfranzösischen Stadt Abbeville neben dem Grab ihres dort erschossenen Geliebten beerdigt.
Ihre Archive werden bis heute in den Archiven des Brüsseler Literaturmuseums bewahrt. Rachel Baes gilt neben Jane Graverol als eine der wichtigsten surrealistischen Künstlerinnen Belgiens.


