In der Surrealismus-Ausstellung „Histoire de ne pas rire“ im Brüsseler Kunsttempel Bozar sind einige Werke von Künstlerinnen zu sehen, die inzwischen schon fast von der Kunstwelt vergessen sind. Das sind Rachel Baes und Jane Graverol. In diesem Beitrag soll an Jane Graverol erinnert werden, eine seinerzeit „treibende Kraft hinter der Surrealismus-Bewegung“.
Dass Jane Graverol (1905-1984) so wichtig für die Surrealisten war, unterstreicht Kunsthistorikerin Marie Godet gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ.
Godet studierte in den früheren 2000er Jahren Kunstgeschichte und ist dem Namen Jane Graverol damals nicht begegnet. Damals wurden Frauen in der Kunstgeschichte noch kaum beachtet, doch dies hat sich in letzter Zeit zum Glück geändert.
Inzwischen tauchen in den Analen der Kunstgeschichte auch wieder jene Frauen auf, die zu ihren Hochzeiten bedeutend waren, wie eben auch Jane Graverol, der bzw. deren Werk z.B. in der aktuellen Surrealismus-Ausstellung Raum gewidmet wird. Graverol kam 1915 im Brüsseler Stadtteil Elsene zur Welt und starb 1984 in Fontaineblau in Frankreich.
Ausstellungen in der Nachkriegszeit
Zum ersten Mal wurde ihr 1946 im Bozar, dem damaligen Palast der Schönen Künste in Brüssel, eine Werkschau gewidmet. Und 1954 vertrat sie Belgien bei der Biennale von Venedig. Zahlreiche Galerien im In- und Ausland luden sie zu Ausstellungen ein. Sie hatte tatsächlich eine Schlüsselrolle in der Surrealisten-Bewegung um René Magritte, Paul Nougé und Marcel Mariën einnehmen können.
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Nach langer Vergessenheit tauchten ihr Name und ihr Werk 2023 im Rahmen einer Ausstellung über vergessene surrealistische Künstlerinnen im Musée de Montmartre in Paris auf und jetzt ist sie neben Werken von Frauen, wie Rachel Baes oder Irène Hamoir in der großen Surrealismus-Ausstellung in der belgischen Hauptstadt zu sehen. Und im Herbst dieses Jahres wird ihr Werk im Kunstmuseum BAM in Mons in der Provinz Hennegau zu sehen sein. „Sie war noch nie so deutlich zu sehen, wie heute, so Kunsthistorikerin Marie Godet.
Magritte und Mariën
Das Werk von Jane Graverol ist dem von René Magritte ähnlich und die Herangehensweise an den Surrealismus ist bei beiden ebenfalls fast gleich. Sowohl Marcel Mariën (mit dem Graverol zeitweise liiert war) als auch René Magritte, waren von ihr und ihren Arbeiten beeindruckt. Sie hatte Magritte 1940 einmal darum gebeten, sich ihre Gemälde einmal anzuschauen und der war so von ihr überzeugt, dass er seine Galeristen dazu brachte, sie auszustellen.
Im Laufe der Zeit nahm sie in der Bewegung der Surrealisten in Belgien bzw. in Brüssel eine wichtige und treibende Rolle ein. Doch die alleinerziehende Mutter hatte es nicht leicht, ihre Kunst zu finanzieren und war auf Nebenjobs als Modell (in der Kunst und in der Mode) angewiesen. Ihre Eltern zogen sich von ihr zurück, als sie Mutter und Künstlerin wurde.
Weibliche Motive
In Jane Graverols Werk sind sehr oft weibliche Körper und Motive zu sehen und sie legte eine bis dato einmalige Art und Weise vor, Weiblichkeit darzustellen. Ob sie damals emanzipiert war, ist im Sinne des heutigen Wortes nicht zu beantworten. In ihren Aufzeichnungen allerdings ist oft von herabwürdigen Bemerkungen, Sexismus und Bevorzugung von Männern auch in der Kunstwelt zu lesen.
Graverol (und auch Rachel Baes) malten übrigens auch schon damals farbige Frauen, was seinerzeit eigentlich „not done“ war. Kunsthistorikerin Marie Godet ist heute der Ansicht, dass ihr aktueller Status als „weibliche Künstlerin“ inzwischen überholt ist: „Es wäre besser, sie als Surrealistin unter Surrealisten anzusehen.“

