Seit April 2023 liegen die Bauarbeiten auf Höhe des Nordbahnhofs für die neue Metrolinie 3 in Brüssel still. Grund dafür ist eine Lehmschicht, die „plötzlich“ aufgetaucht ist und ein zu hoher Grundwasserpegel, der nicht schnell genug weggepumpt werden kann. Bauherr Beliris überprüft jetzt, wie diese Probleme rasch gelöst werden können, doch der zusätzliche Kostenfaktor bleibt (noch) unbekannt. „Wir hoffen, dass wir kein zweites Stalingrad werden“, sagen die Einzelhändler aus der Brabantstraat hinter dem Bahnhof…
Baustellen der Metro 3 in Brüssel: Überall lauern neue Probleme
Warum „Stalingrad“? Ganz einfach! Weil die Bauarbeiten für die Metrolinie 3 auf Höhe der Stalingradlaan zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhof Süd/Midi vor enormen Problemen stehen.
Es könnte sein, dass der Südpalast, ein riesiges altes Gebäude mit vielen Büros und Geschäften, teilweise abgetragen werden muss. Seit Monaten leidet der Einzelhandel in der gesamten Umgebung der Baustelle enorme Umsatzverluste…
(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)
Metro 3 ist ein ambitioniertes Projekt und beim ersten Spatenstich 2021 wurde gesagt, dass die Linie 2025 betriebsbereit sein soll. Daraus wird wohl nichts, gelinde gesagt. Die Linie, die den ÖPNV-Knotenpunkt „Albert“ im Stadtteil Sint-Gillies mit dem riesigen Tram- und Busdepot „Bordet“ im Ortsteil Haren via Nordbahnhof verbinden soll, scheitert an allen möglichen bautechnischen Problemen, die zumeist der sumpfigen Bodenbeschaffenheit im Untergrund Brüssel geschuldet sind.
Verbindungstunnel unter dem Nordbahnhof
Laut Beliris, dem Kooperationsverband zwischen der Brüsseler Hauptstadt-Region und dem belgischen Staat zur Förderung und der Ausstrahlung der Metropole, hatte man vorgesehen, dass der Grundwasserpegel unter dem Nordbahnhof über dem Niveau der geplanten Bauarbeiten liegen werde. Doch die dazu errichteten Pumpstationen reichen nicht aus, denn die Pegelstände steigen schneller, als gepumpt werden kann.
Die Lehmschicht unter dem Nordbahnhof staut Wasser und lässt es im Zuge des Pumpens entsprechend stark abfließen, weil wieder Raum vorhanden ist. Also liegt die Baustelle unter dem Nordbanhof hindurch zwischen Vooruitgangstraat und Aarschotstraat seit April 2023 still, doch, so Beliris-Sprecherin Elien De Swaef, „hinter den Kulissen wird hart an einer Lösung gearbeitet.
(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)
Hier garantiert man übrigens, dass der Bahnverkehr im Nordbahnhof bei einer Fortsetzung der Bauarbeiten „auf alternative Weise“ nicht beeinträchtigt werde. Und wenn, dann werde man nachts oder am Wochenende arbeiten…
Es droht weiteres Ungemach
Die Bauarbeiten zur Metro 3 zwischen Brüssel-Nord und Haren verlaufen auch unter weiten Teilen des Ortskerns des Stadtteils Schaarbeek. Die Königliche Kommission für Monumente und Landschaften (KCML) befürchtet inzwischen, dass die Arbeiten historisches Kulturerbe und geschichtsträchtige Natur nachhaltig (zer)stören könnten.
So steht die Stabilität des prächtigen Rathauses von Schaarbeek (Foto unten) zur Disposition. Der Ausschuss ist der Ansicht, dass die Metrostation unter dem Colignon-Platz, sprich unter dem Rathaus aus dem 19. Jahrhundert, eine Gefahr für den Bau darstellen könnte. Dies habe man bereits in den beiden ersten öffentlichen Untersuchungen vor dem Bau angemerkt, doch man wisse nicht, ob dem Rechnung getragen werde.
Hier wird ein Szenario wie beim Südpalast befürchtet. Allerdings gibt es hier einen Unterschied. Während der Südpalast tief liegt und von einem sumpfigen Untergrund untergeben ist, steht das Rathaus von Schaarbeek auf einem Hügel. Mögliche Schwingungen bei den Bauarbeiten seien höchstens Millimetersache. Man wende dabei die gleiche Technik an, wie beim Bau des Bahntunnels zwischen Schuman und Josaphat, heißt es bei Beliris dazu.



