Die Brüsseler Regionalregierung wird die belgische Bundesregierung darum bitten, mehr Geld in den Bau der Metrolinie 3 zu investieren. Das Projekt wird deutlich teurer als ursprünglich geplant und stand zeitweise vor dem Abbruch. Ob die Linie zwischen Bordet und dem Brüsseler Nordbahnhof wirklich fertiggestellt wird, ist weiter unklar. Die Regionalregierung will sich derzeit noch nicht festlegen.
Kostenexplosion beim Bau der Brüsseler Metrolinie 3: Die Regionalregierung bittet bei der föderalen Ebene um mehr Mittel
Das Projekt Metrolinie 3 in Brüssel entwickelt sich immer mehr zu einer „Never Ending Story“. Da die Kosten für den Bau dieser neuen U-Bahn-Linie aus dem Ruder zu laufen drohen, droht Beliris, der föderale Bauherr für die Brüsseler Hauptstadt-Region, den Bau des Tunnels und der Stationen zu stoppen. Dies meldete die frankophone belgische Wirtschaftszeitung L’Echo und hat die Brüsseler Regierung auf dem falschen Fuß erwischt.
Vor allem die Bauphase 2 - der 5 km Lange Tunnel zwischen Bordet und Brüssel-Nord mit seinen 7 Stationen - wird viel teurer als erwartet. Letztes Jahr ging man davon aus, dass sich die Kosten für dieses Teilstück auf 1,5 Mia. € belaufen würden, doch die inzwischen eingetroffenen Reaktionen von Bauunternehmen auf die entsprechenden Ausschreibungen gehen von Summen aus, die eher bei 2,5 Mia. € liegen. Andere Berechnungen gehen von einem Gesamtkostenanstieg für das gesamte Projekt um 250 %...
Jetzt traf sich die Regierung zu einer Sondersitzung zum Thema Metro 3. Danach hieß es dazu: „Die Brüsseler Regierung stellt fest, dass die nationalen und regionalen Hauptstädte der meisten Länder besonders viel Unterstützung der nationalen Regierung oder der umliegenden Regionen besonders viel Unterstützung erhalten, die Metrolinien zugutekommen, die die globale wirtschaftliche Entwicklung fördern.“
Im Klartext bedeutet das, dass Brüssel mehr Geld braucht: „Die Regierung wird die föderale Regierung denn auch darum bitten, zu untersuchen, ob sie in der Lage ist, ihren geplanten Beitrag für die geplante Linie „Metro Nord“ zu erhöhen.“
Der nördliche Teil der Metrolinie 3 ist allerdings nicht der einzige Problembereich. Die Arbeiten am Abschnitt Nordbahnhof - Albert sind seit etwa 2021 stillgelegt (siehe nebenstehenden Beitrag), weil es dort Probleme mit der Bodenbeschaffenheit des sumpfigen Untergrunds unter den historischen Südpalast gibt, was wohl ebenfalls für steigende Baukosten sorgen wird. Hier streiten sich Beliris und die Regionalregierung vor Gericht mit einigen Bauunternehmen.
Preiserhöhungen nicht normal?
Dass die Bauunternehmen plötzlich so hohe Kostenberechnungen vorlegen, hält Brüssels regionale Mobilitätsministerin Elke van den Brandt (Groen) für sonderbar: "Ja, die Baupreise können für Erhöhungen von 20 bis 30 % sorgen und es kann zu unvorhergesehenen Umständen kommen. Doch das ist keine normale Erhöhung."
Dass sich die Kostenvoranschläge teilweise um bis zu 250 % erhöhen, hält die Ministerin für nicht angebracht, auch wenn sie weiß, dass der Bau einer Metrolinie kompliziert ist: "Es muss ein Tunnel unter einer bestehenden Stadt gebaut werden. Viele Metrobaustellen in anderen Ländern gehen in Richtung Stadtrand. Die Herausforderung, dies in dichtbevölkerten Vierteln tun zu müssen, ist in der Tat sehr groß."
So etwas können nur wenige Bauunternehmen leisten, so Van den Brandt, doch sie vermutet, dass diese Firmen zu viel berechnen, weil sie wissen, dass es nicht viel Konkurrenz gibt: "Wir haben doch das Gefühl, dass hier eine sehr hohe Marge genommen wird." Sie will jetzt die Offerten bis ins kleinste Detail prüfen lassen: "Die Brüsseler Regierung will diese Metro, aber nicht zu gleich welchem Preis."
(Lesen Sie bitte unter der Stadt- und Metrokarte weiter)
Brüsseler ÖPNV-Fahrgastverband zählt auf Metro 3
Der Brüsseler Fahrgastverband GEBOV reagiert enttäuscht darüber, dass der nördliche Teil der Metrolinie 3 möglicherweise nicht fertiggestellt werden wird. Hier unterstützt man das Projekt vehement.
GEBOV stellt fest, dass diese Metrolinie in den multimodalen Mobilitätskontext von Brüssel besonders gut passt, weil sie für die zu erwartenden steigenden Verkehrszahlen durch den schon jetzt bemerkbaren Bevölkerungszuwachs im Nordosten der Hauptstadt unerlässlich sei.
Der Verband geht davon aus, dass gerade die zukünftige Metrostation Bordet mit ihren Anschlüssen an Busse und Bahnen verschiedener Verkehrsanbieter wichtig sein wird und zwar sowohl für die dortigen Anwohner, als auch für Berufspendler aus Flandern und der Wallonie sowie für Flugreisende am Brussels Airport in Zaventem (Flämisch-Brabant).

