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Der Bau der Brüsseler Metrolinie 3 und der Südpalast: Muss das historische Gebäude weichen?

Der Bau der dritten Metrolinie in Brüssel ist mit Problemen behaftet. Die Kosten steigen stetig und bei den Arbeiten stößt man regelmäßig auf Hindernisse. Das ist zum Beispiel der Fall in der Nähe des Brüsseler Bahnhofs Süd/Midi und der Börse in der Innenstadt. Um die neue Metrostation Toots Thielemans mit der Haltestelle Anneessens zu verbinden, muss unter dem historischen „Südpalast“ ein Tunnel angelegt werden. Doch der sumpfige Untergrund sorgt für technische Probleme. Teure Bautechniken anwenden oder abreißen? Das ist jetzt die Frage.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Brieuc de Meeûs, CEO der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB, die die neue Metrolinie 3 anlegen lässt, lässt nicht viel Auswahl zu: „Es gibt zwei Optionen für die Probleme mit dem Metrotunnel unter dem ‚Südpalast‘.  Weitermachen mit den bekannten Problemen, aber dann zu redlichen Preisen. Oder den ‚Südpalast‘ teilweise abreißen.“

Der Tunnel unter diesem enormen Gebäude hindurch soll 120 Meter lang werden, doch der sumpfige Untergrund stellt das Baukonsortium SM Toots aus den Unternehmen Besix, Jan De Nul und Franki Construct vor enorme Probleme. Die Stützpfeiler und die Spundwände, die die Tunnelwände tragen sollen, bleiben in diesem Boden nicht gerade stehen und sinken leicht schräg in den sumpfigen Grund. Dadurch ist es schwierig, eine wasserdichte Wand zu bauen. Die Arbeiten dort liegen schon seit Mitte 2021 still.

Jetzt schlägt das Baukonsortium SM Toots der MIVB/STIB vor, mit der gleichen Technik wie bisher weiter zu verfahren, aber mit stärkeren und schwereren Pfeilern. Das aber wird mit Mehrkosten von 170 Mio. € veranschlagt, fast so viel, wie der gesamte Abschnitt zwischen dem Brüsseler Südbahnhof und der Haltestelle Anneessens kostet. „Und die Deadline verschiebt sich um weitere 8 Jahre. Das ist für uns nicht hinnehmbar“, so MIVB-CEO de Meeûs gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ.

Eigentlich, so de Meeûs weiter, habe der Tunnel längst fertig sein müssen. Mann könne gerne mit den gleichen Bautechniken weitermachen, wie bisher, aber zu einem redlichen Preis und mit einem vernünftigen Timing. 

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Der "Südpalast" hat schon bessere Zeiten erlebt

Droht also der Abriss? Der „Südpalast“ ist nicht denkmalgeschützt

Eine alternative Lösung besteht darin, den „Südpalast“ zumindest in Teilen abzureißen: „Die Fassaden könnten stehen bleiben, doch das Dach des östlichen Teils, in dem sich die Sporthalle befindet, muss weg. In der Mitte des Gebäudes können dann Löcher gegraben werden, die mit Stahlbeton aufgefüllt werden und dazwischen kann der Tunnel verlaufen.“ Was das aber kosten soll und wie lange dieser Bauabschnitt dann dauern kann, ist noch völlig unklar. Dazu braucht es aber eine Baugenehmigung und auch diese braucht ihre Zeit. Hinzu kommt noch, dass der „Südpalast“ danach wieder aufgebaut werden soll.

Der „Südpalast“ wurde 1880 gebaut und ist in den Inventar des baulichen Kulturerbes von Brüssel aufgenommen worden. Aber, er steht nicht unter Denkmalschutz. An der westlichen Seite des Gebäudes befindet sich derzeit noch die frankophone Hochschule „Francisco Ferrer“, die dann während der Arbeiten ausziehen muss. Noch haben die Bauarbeiten am U-Bahn-Tunnel zwischen dem Südbahnhof bzw. der neuen Station Toots Thielemans und Anneessens an dem Gebäude keinen Schaden verursacht, doch die Gefahr eines Absinkens durch den Tunnelbau ist auch nicht gänzlich auszuschießen.

Brüssel wollte damals eine Markthalle nach dem Vorbild des Marché du Temple in Paris und so entwarf der Architekt Wynand Janssens im Auftrag des damaligen Bürgermeisters Jules Anspach ein Gebäude mit dutzenden Geschäften und Cafés, von denen einige heute noch existieren, im nördlichen Teil des „Südpalastes“. Im südlichen Bereich entstanden Versteigerungen, Ausstellungsräume und die „Ecole Industrielle“, in der heute u.a. die „Francisco Feerer“-Hochschule ihren Sitz hat. Bis heute finden im Innenhof des Palastes u.a. Basketballspiele statt und der erfolgreiche Verein „Maccabi Brüssel“ absolviert hier seine Heimspiele.  

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In diesem Bereich hat (noch) die „Francisco Feerer“-Hochschule ihren Sitz

Krach in der (Bau)Bude

Zwischen dem Baukonsortium SM Toots und der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft, die ja Auftraggeber ist, ist die Stimmung schlecht, wie MIVB-CEO de Meeûs weiter gegenüber BRUZZ angibt: „Das Konsortium bemüht sich nicht, eine Lösung zu finden und weigert sich unsere Vorschläge auszuführen. Wir haben auf Basis ihrer Expertise eine Studie zu alternativen Ausbaggermöglichkeiten durchführen lassen und damit eine Lösung ohne den Abriss des ‚Südpalastes‘ zu einem redlichen Preis gefunden und empfohlen. Doch im Januar weigerten sie sich, diese Option durchzuführen. Das ist eigentlich Vertragsbruch. Man hat uns sogar vorgeschlagen, aus dem Auftrag auszusteigen, doch das ist völlig undenkbar.“

Inzwischen hat die regionale Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB SM Toots formell abgemahnt und in Verzug gestellt und fordert einen Schadensersatz über 50.000 € pro Arbeitstag, an dem das Konsortium nicht damit beginnt, den Auftrag auszuführen. Diese Inverzugsetzung beinhaltet auch einen Ausschluss von allen anderen MIVB-Baustellen. Das Baukonsortium hat noch bis zum 8. März Zeit, das Problem zu lösen oder anzugehen. Ab dann werden die Verzugszahlungen eingefordert. MIVB-CEO Brieuc de Meeûs setzt weiterhin auf eine Verhandlungslösung: „Es muss eine Lösung her, denn ich und alle Brüsseler brauchen diesen Tunnel für die neue Metrolinie.“ 

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Einige Bereiche des Gebäudes wurden schon geräumt

Umstrittenes Projekt

Ob dies so ist, sei dahingestellt. Denn unter anderem BRUZZ meldet seit einigen Monaten, dass der Rückhalt für die Metrolinie 3 bei der Bevölkerung schwindet, denn vielerorts gibt es Behinderungen durch ewige Baustellen und die Kosten steigen und steigen, was nicht zuletzt auf Kosten der Steuerzahler geht und auf Kosten von anderen notwendigen Investitionen in der Brüsseler Hauptstadt-Region.

Die Baukosten sind von ursprünglich geplanten 2,25 Mia. € auf derzeit 2,65 Mia. € gestiegen. Die Metrolinie 3 soll die Brüsseler Gemeinden Evere und Vorst mit einander verbinden, wobei das der Nordbahnhof und das Stadtzentrum mit einbezogen werden sollen. Übrigens, auch im Bereich des Nordbahnhofs liegen Verzögerungen durch sumpfigen Boden vor… Die Linie soll 10,3 km lang werden und die Fahrzeit mit insgesamt 18 Stationen soll auf der Gesamtstrecke etwa 20 Minuten dauern. 

Die neue Metro-Station soll "Toots Thielemans" ehren...

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