Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit, flämische Sozialisten, Foto) hat einen Brief an alle zugelassenen Krankenhäuser in Belgien geschickt, um zu ermitteln, ob sie im kommenden Winter Platz für die Unterbringung von Asylbewerbern haben. Nach Ansicht von Verbandssprecherin Margot Cloet von Zorgnet-Icuro befindet sich der Minister auf dem falschen Weg. Ihrer Meinung nach gibt es dort keine Aufnahmemöglichkeiten und die Krankenhäuser sollten sich auf die Pflege konzentrieren können. "Das ist völlig daneben", reagiert Minister Vandenbroucke. "Wir verlangen überhaupt nicht, dass dabei Krankenhauspersonal eingesetzt wird."
Minister Vandenbroucke will, dass Krankenhäuser Asylbewerber unterbringen. Begeisterung hält sich in Grenzen
Um zu verhindern, dass in diesem Winter wieder Hunderte von Asylbewerbern die Nächte auf der Straße verbringen müssen, wurden die Minister der Bundesregierung im September von Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) aufgefordert, in ihrem Bereich nach 2.000 bis 4.000 möglichen Unterbringungsmöglichkeiten zu suchen. Gedacht wurde hierbei zum Beispiel an leerstehende Räumlichkeiten der Bahn, an Behördengebäude oder an Kasernen.
In diesem Zusammenhang richtete sich Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) Mitte Oktober an die Krankenhäuser. Er schrieb alle Krankenhausdirektoren an, um zu erfahren, ob sie eventuell freie Kapazitäten haben. Hierbei dachte er an leerstehende Gebäude bis hin zu Stationen oder Korridoren, die für die normalen Patienten gesperrt werden könnten.
"Nicht an der richtigen Adresse"
Margot Cloet, Geschäftsführerin des Pflegedachverbandes Zorgnet-Icuro, reagierte ablehnend. "Ich verstehe die Frage des Ministers", sagte Cloet in "De ochtend", dem Frühstücksmagazin auf VRT-Radio 1. "Vandenbroucke versucht, eine Lösung für ein großes Problem zu finden. Aber ich fürchte, dass er bei den Krankenhäusern nicht an der richtigen Adresse ist."
"Es gibt nur wenige Krankenhäuser, die leerstehende Gebäude oder Korridore haben. Und wenn doch, dann meist, weil sie bestimmte Standards nicht mehr erfüllen. Sie sind zum Beispiel nicht mehr beheizt oder an den Strom angeschlossen. Sie sind in der Regel abrissreif."
Würde eine Sanierung dieser Gebäude also nicht bedeuten, dass sich noch Plätze finden lassen? "Vielleicht ja", sagt Cloet. "Aber die Krankenhäuser sollten sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können: die Pflege der Kranken. Wir haben schon jetzt zu wenig Personal, und wir stehen vor dem Winter. Das ist eine Zeit, in der wir wegen der vielen Infektionskrankheiten in hohem Tempo arbeiten müssen".
"Es ist keine Frage des Unwillens", betont Cloet. "Es ist einfach unmöglich. Wenn irgendwo etwas frei ist, kann es natürlich genutzt werden. Wir haben angefragt, aber wir haben noch keine Antwort von einem Krankenhaus erhalten, das sagt, dass es Platz hat. Wir werden auf jeden Fall noch nachfragen, welche Möglichkeiten es gibt und mit dem Minister ins Gespräch kommen."
80 Plätze
"Die Bundesregierung ist auf der Suche nach freien Plätzen", reagierte Minister Vandenbroucke. "Es geht überhaupt nicht darum, Krankenhauspersonal einzusetzen. Das wäre völlig verrückt. Die Reaktion von Margot Cloet ist daher komplett daneben."
Marcel Van der Auwera, Leiter des Dienstes Dringende Medizin beim Gesundheitsamt, wurde mit der Koordinierung des Aufrufs an die Krankenhäuser beauftragt. Ihm zufolge sind bereits einige Plätze gefunden worden.
"Die Kernaufgabe der Krankenhäuser ist natürlich die Gesundheitsversorgung", sagt Van der Auwera. "Aber es scheint hier und da einige Krankenhäuser zu geben, die kürzlich umgezogen sind. Es gibt also Gebäude oder Flügel, die heute leer stehen, in denen aber bis vor ein paar Wochen noch Patienten versorgt wurden."
"Diese Gebäude mögen veraltet sein, aber sie können im Winter einen perfekten Schlafplatz bieten. Ich gebe zu, es sind nicht sehr viele. Genauer gesagt, sind es etwa achtzig Plätze: ein Standort mit 60 Betten und zwei Standorte mit jeweils etwa 10 Betten. Wir haben die Plätze an Fedasil weitergegeben. Jetzt müssen sie sehen, welche Möglichkeiten es dort gibt.“


