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Von Imec entwickeltes "Supermikroskop"

Genter Start-up entwickelt „Supermikroskop“ für schnellere Krebstherapien

Das Genter Start-up SpectaCell arbeitet an einem digitalen „Supermikroskop“, das Tausende von Zellen gleichzeitig abbilden kann. Die Technologie soll die Suche nach neuen Krebstherapien beschleunigen. SpectaCell kann von Investitionen in Höhe von 6 Mio. € profitieren.

Andreas Kockartz Belga
Veröffentlicht:

Das digitale „Supermikroskop“ des neuen Genter Start-ups SpectaCell arbeitet nicht mit Linsen wie ein klassisches Mikroskop, sondern mit Chips des Forschungsinstituts Imec, ein Unternehmen aus dem Umfeld der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven)..

„Der Nachteil eines klassischen Mikroskops ist, dass der Betrachtungsbereich mit zunehmender Vergrößerung abnimmt“, erklärte CEO Tony Montoye; „Man kann also nur eine begrenzte Anzahl von Zellen gleichzeitig untersuchen.“

Das digitale Mikroskop von SpectaCell hingegen kann Tausende von Zellen gleichzeitig sehen und dabei jede Zelle einzeln untersuchen. Die große Menge an Bildern wird anschließend mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) auf Muster analysiert.

Bessere Krebstherapien

SpectaCell konzentriert sich zunächst auf Immuntherapien. In den Prozessen wird das Immunsystem z.B. eingesetzt, um Krebszellen anzugreifen. „Unser Mikroskop dient dazu, große Gruppen von Immunzellen detailliert zu untersuchen“, erklärt Montoye. „So lässt sich herausfinden, wie sich jede einzelne Zelle verhält, beispielsweise beim Angriff auf Krebszellen.“

„Pharmaunternehmen können auf diese Weise untersuchen, ob ihre Immuntherapien wirken. Greifen Zellen, die sich an den Angriff auf Krebszellen angepasst haben, diesen effektiver an? Und wie gelingt ihnen das? Diese Erkenntnisse können dann genutzt werden, um Therapien weiter zu verbessern.“

6 Mio. € für Investitionen eingesammelt

Laut Montoye ist ein solches System heute dank der technologischen Fortschritte der letzten Jahre möglich. Chips sind mittlerweile so hochentwickelt, dass sie Messungen auf der Ebene einzelner Zellen durchführen können. Die verfügbare Rechenleistung reicht aus, um die enormen Datenmengen schnell zu verarbeiten. „Das war vor wenigen Jahren noch nicht möglich“, so Montoye.

Der ersten Finanzierungsrunde ging eine lange Forschungsphase voraus. Vor etwa sechs Jahren wandte sich Imec mit seiner Chiptechnologie an das Flämische Institut für Biotechnologie (VIB), um eine geeignete biologische Anwendung zu finden.

Anschließend wurden rund fünf Jahre lang Tests und Optimierungen des Systems durchgeführt. Laborprototypen und klinische Proben der Universität Gent (UGent) bestätigten die Funktionsfähigkeit des Prinzips.

„Bevor man Investoren anspricht, muss man erst einmal beweisen, dass die Technologie tatsächlich funktioniert“, so Montoye. Anschließend wurde ein Businessplan erstellt und SpectaCell wandte sich an Investoren. Hinter der Finanzierungsrunde über 6 Mio. € stehen flämische und niederländische Investoren. Auch das VIB beteiligt sich.

Spin-off entstand aus einer Dreier-Kooperation

„Dies ist das erste Spin-off, das aus einer Zusammenarbeit zwischen Imec, VIB (das Flämische Institut für Biotechnologie) und der Universität Gent hervorgegangen ist“, erklärt Montoye: „Imec steuert Expertise in Chiptechnologie und Datenanalyse bei, während VIB und die Universität Gent biologisches Wissen einbringen.“

Der endgültige Preis des Geräts steht noch nicht fest. Laut Montoye kosten vergleichbare Geräte derzeit zwischen 200.000 und 1 Mio. €: „Wir sind ziemlich sicher, dass wir das deutlich günstiger herstellen können.“

SpectaCell plant, das Gerät in etwa drei Jahren auf den Markt zu bringen. Gent wird der Hauptsitz für Forschung und Entwicklung. Ein weiteres Labor wird in Leiden in den Niederlanden eingerichtet. Das Unternehmen plant, in den nächsten zwei Jahren 13 bis 15 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

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