Das Flämische Institut für Biotechnologie (VIB) feiert sein 30-jähriges Bestehen. Was 1996 als Projekt zur Vernetzung führender flämischer Wissenschaftler begann, hat sich zu einem Forschungsinstitut von Weltrang entwickelt. „Wir entwickeln Lösungen für Krebs, Demenz und die globale Erwärmung. Darauf können wir sehr stolz sein“, so die Direktoren Christine Durinx und Jérôme Van Biervliet.
Das Flämische Institut für Biotechnologie wird 30 Jahre alt und hat einiges vorzuweisen
Wer auf der Autobahn E40 bei Gent unterwegs ist, hat das VIB-Hauptgebäude wahrscheinlich schon bemerkt. Die Fassade besteht komplett aus Glas, wie ein Schaukasten. Doch was im VIB geschieht, ist vielen Menschen kaum oder gar nicht bekannt. Selbst nach 30 Jahren nicht.
„In der Geschäftswelt sind wir international bekannt, und in der Wissenschaft gehören wir sogar zur Weltspitze. Doch für die Flamen sind wir offenbar noch ein Geheimtipp“, sagen die Direktoren Christine Durinx und Jérôme Van Biervliet. „Das VIB betreibt bahnbrechende Forschung in verschiedenen Bereichen, die das Leben der Menschen wirklich beeinflusst. Das Spektrum reicht von neuen Therapien gegen Krebs und Demenz bis hin zur Entwicklung von Lösungen gegen die globale Erwärmung“, so Durinx.
„Wir betreiben nicht nur Grundlagenforschung. Wir gehen auch den Schritt zur Gründung von neuen Unternehmen, die letztendlich eine neue Technologie oder ein neues Medikament auf den Markt bringen und es so den Menschen zugänglich machen können“, ergänzt Van Biervliet: „Dieser notwendige Schritt fehlt in der akademischen Forschung oft. Auch deshalb gründete die flämische Regierung 1995 das VIB. Ein Jahr später nahm es seinen Betrieb auf.“
„Damals betrieben mehrere flämische Spitzenwissenschaftler Grundlagenforschung - jeder an seiner Universität“, sagt Durinx: „Die flämische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Luc Van den Brande beschloss damals die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Biotechnologie, in dem die gesamte Forschung gebündelt und die Spitzenwissenschaftler besser unterstützt werden sollten.“
Durinx erzählt weiter: „Heute hebt sich das VIB deutlich von anderen Forschungsinstituten ab, denn neben Spitzenwissenschaftlern verfügen wir auch über Experten, die Grundlagenforschung in etwas übersetzen können, das Investoren und Unternehmen überzeugt.“
Erfolgsgeschichte(n)
Ein bekanntes Beispiel für eine solche Erfolgsgeschichte ist Ablynx. Dieses Spin-off des VIB und der niederländischsprachigen Freien Universität Brüssel (VUB) brachte das weltweit erste Medikament auf Basis sogenannter Nanobodies auf den Markt – hochwirksame Antikörper aus Kamelblut. Ablynx wurde 2018 vom französischen Pharmariesen Sanofi für 3,9 Milliarden Euro übernommen.
Das Genter Biotech-Unternehmen Argenx arbeitet beispielsweise eng mit VIB an der Entwicklung von Medikamenten gegen schweres Asthma zusammen. „Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, muss Europa den Mut haben, mehr in Innovation zu investieren“, so Jérôme Van Biervliet, Co-Direktor von VIB: „Dies sind Beispiele für wissenschaftliche Durchbrüche, aus denen große Unternehmen entstanden sind.“
In Europa ist es oft schwierig, das dafür notwendige Kapital aufzubringen
„Amerikanische Unternehmen haben es leichter. Ein Amerikaner sieht eine Chance; ein Europäer sieht vor allem Risiken und spart lieber sein Geld. Daher können amerikanische multinationale Konzerne unsere europäischen wissenschaftlichen Durchbrüche allzu oft für sich nutzen. Wenn wir unseren Wohlstand in Europa erhalten wollen, müssen wir mehr in die Wirtschaft der Zukunft investieren. Die flämische Regierung hat dies erkannt und investiert seit ihrer Gründung konsequent in Innovation,“ so Van Biervliet.
„Aber es kann nicht alles allein aus öffentlichen Mitteln kommen. Gelder aus Pensionsfonds beispielsweise werden noch immer nicht ausreichend in innovative Unternehmen investiert,“ bemängelt Durinx. „Wir sollten etwas stolzer sein“, sind Durinx und Van Biervliet der Meinung. „Es ist auch wichtig, dass die Flamen wissen, was das VIB leistet, dass wir an Lösungen für wichtige gesellschaftliche Probleme arbeiten und dass jungen Menschen hier Zukunftschancen für ihre berufliche Laufbahn geboten werden.“
30 Jahre VIB in Zahlen
Fast 2.000 festangestellte Mitarbeiter und Forscher
78 Nationalitäten
Partnerschaften mit 4 flämischen Universitäten (UGent, VUB, UAntwerpen und KU Leuven)
102 Forschungsgruppen
Fast 280 Publikationen in den Top 5 % der wissenschaftlichen Fachzeitschriften im Jahr 2025
Rund 500 Millionen Euro Umsatz aus Industriepartnerschaften
42 Spin-offs, Start-ups und andere nahestehende Unternehmen
Mehr als 2 Milliarden Euro Risikokapital
Drei bedeutende Durchbrüche bei VIB
Nanobodies: Die VIB-Story, die zu einer flämischen Milliardenindustrie wurde
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