Beschränkungen für Nachtflüge am Nationalflughafen in Zaventem bei Brüssel könnten Belgiens Attraktivität für bestimmte Branchen mit zeitkritischen Sendungen – wie beispielsweise Medikamente und dringend benötigte Ersatzteile – beeinträchtigen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Lehrstuhls für Verkehr und Regionalwirtschaft der Universität Antwerpen (UAntwerpen), die vom Logistikunternehmen DHL in Auftrag gegeben wurde, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga und die regionale Nachrichtenplattform BRUZZ melden.
Studie der Universität Antwerpen zum Brussels Airport: „Nachtflüge unterstützen wichtige Branchen“
Die Studie erscheint inmitten eines langwierigen Verfahrens zur Erteilung einer neuen Umwelt- und Betriebsgenehmigung für den Flughafen Brüssel. Im März letzten Jahres erteilte die flämische Landesregierung dem Airport, der sich auf dem Gebiet der Provinz Flämisch-Brabant befindet, eine neue Genehmigung, die der Rat für Genehmigungsstreitigkeiten zwei Monate später wieder aufhob. Die Regierung hat jetzt bis Mitte 2029 Zeit, eine neue Genehmigung zu erarbeiten.
Hinzu kommen noch mehrere Verfahren und Klagen wegen Nachtflug- und Lärmbelästigung von Seiten der Brüsseler Regionalregierung, von Brüsseler Kommunen und von flämischen Randgemeinden sowie von Anwohnern.
DHL
Der deutsche Parcel-Dienstleister DHL ist einer der größten Akteure bei Brucargo, dem Frachtbereich des Flughafens in Zaventem. DHL führt hauptsächlich Abend- und Nachtflüge durch. Laut der UAntwerpen-Studie beschäftigte die Deutsche-Post-Tochter am Flughafen Brüssel im Jahr 2025 2.083 Mitarbeiter (1.876 Vollzeitstellen) und erwirtschaftete einen Umsatz von 315,5 Mio. €. Die Autoren beziffern die wirtschaftlichen Auswirkungen von DHL, einschließlich direkter und indirekter Folgeeffekte, auf 5.580 Vollzeitstellen und eine Wertschöpfung von 774 Mio. €.
Ökosystem
Die Autoren betonen auch, dass die von DHL mit ihren Nachtflügen angebotenen Transportdienstleistungen ein breiteres Ökosystem von Unternehmen unterstützen, deren Produkte zeitkritisch versendet werden müssen. Es geht um „Kapazitäten, um die herum zahlreiche belgische Unternehmen einen Teil ihrer Aktivitäten organisiert haben“, so die Studie. Dies betrifft beispielsweise klinische Labore, Pharmahersteller und Produzenten von Industrieersatzteilen.
Die Einstellung der Nachtflüge würde diese Branchen daher direkt treffen. „Der wirtschaftliche Wert des Hubs liegt nicht darin, ob eine Sendung letztendlich ihr Ziel erreicht, sondern darin, wann und mit welcher Zuverlässigkeit die Sendung in das Netzwerk gelangen kann“, heißt es in der Studie: „Bei klinischen Proben, Medizinprodukten, dringend benötigten Ersatzteilen und Lieferungen am nächsten Tag führt eine frühere Schließung der Logistikabteilung nicht dazu, dass der zugrunde liegende Kundenbedarf früher gedeckt wird. Im Gegenteil, die verfügbare Zeit verkürzt sich.“
Ausgewogenheit
Die Autoren der Studie unterstreichen, dass Bedenken hinsichtlich Umwelt- und Lärmbelastung nicht außer Acht gelassen werden dürfen, weisen aber darauf hin, dass auch die umfassenden wirtschaftlichen Auswirkungen – auch außerhalb des Flughafens – berücksichtigt werden müssen.
„Das strategische Risiko besteht nicht in einem plötzlichen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit, sondern in einer allmählichen Schwächung der Attraktivität Belgiens als Standort für zeitkritische, exportorientierte Aktivitäten“, heißt es. „Ein ausgewogener politischer Rahmen muss beide Seiten berücksichtigen.“


