Die umstrittene abweichende Flugroute über Brüssel zum Flughafen Zaventem wird mindestens einen weiteren Monat genutzt. Seit über einem Jahr hat der Flugverkehr über den dicht besiedelten Brüsseler Stadtteilen deutlich zugenommen, was für einen erheblich Anstieg des Fluglärms und zu Protesten der betroffenen Bevölkerung sorgt. Bundesverkehrsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei) wollte bis zum 1. Oktober Maßnahmen zur besseren Verteilung der Lärmbelästigung vorlegen, doch eine Einigung innerhalb der Regierung konnte bisher nicht erzielt werden. Zudem droht ein Konflikt mit Flandern, denn eine Verlagerung von Flügen, die aktuell über der Hauptstadt für Krach sorgen, würde bedeuten, dass mehr Flugzeuge über flämische Gemeinden fliegen müssen.
Fluglärm über Brüssel: Immer noch Streit um die Flugrouten zur Landebahn 07L des Nationalflughafens
Ab heute, dem 1. Oktober, ändert sich die Anflugroute auf der Landebahn 07L am Brüsseler Nationalflughafen. Die Flugzeuge werden früher und höher anfliegen, eine Maßnahme, die die Lärmbelastung möglicherweise etwas reduziert. Dies teilt Airport Mediation, die Bundesagentur für die Regulierung des Brussels Airport, mit.
Eine Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass der Unterschied nicht signifikant ist, was auch das belgische Verkehrsministerium einräumt.
Die Region Brüssel-Hauptstadt prüft, welche weiteren rechtlichen Schritte gegen den Fluglärm noch möglich sind, so die regionale Umweltstaatssekretärin Ans Persoons (Vooruit, niederländischsprachige Sozialisten): „Wir fordern von Seiten Brüssels eine Anpassung der Reaktionen auf die Folgen der Windgeschwindigkeiten am Flughafen (der die Landung der Maschinen beeinflusst (Red.)), damit ein schnelles Umschalten möglich ist. Falls Umleitungen erforderlich sind, müssen die Flüge auf andere Routen verteilt werden.“
Laut Persoons mangelt es vor allem an Transparenz gegenüber der Region Brüssel-Hauptstadt: „Wir prüfen, welche weiteren rechtlichen Schritte wir einleiten können.“
Droht ein Konflikt mit Flandern?
Verkehrsminister Crucke stellte am Donnerstag einige Maßnahmen vor, mit denen die Belästigung durch Fluglärm über der Brüsseler Hauptstadt-Region verringert werden sollen. Zum einen ist das die Anweisung, dass Flugzeuge, die aus Richtung Westen in den Landeanflug gehen, länger höher bleiben sollen, um dann steiler den Sinkflug anzugehen.
Zum anderen will Crucke mit den Cargo-Fluggesellschaften am Brussels Airport verhandeln, damit diese bei ihren Nachtflügen leisere Maschinen einsetzen.
Die Sache ist für die belgische Bundesregierung auch juristisch heikel, denn weniger Flüge über Brüssel würde bedeuten, dass die Fluglärmbelästigung an das Bundesland Flandern weitergegeben wird.
Die flämischen Koalitionspartner in der Bundesregierung und die flämische Landesregierung drohen schon jetzt damit, in diesem Falle einen sogenannten „Interessenskonflikt“ einzuleiten. Ein solcher Vorgang wird in Belgien bei Problemen zwischen den einzelnen Ländern und Region gebraucht, um für den einen nachteilige Beschlüsse durch den anderen zu blockieren.

