In den restaurierten Gotteshäusern des Landguts Adornes ist das renoviertes Museum eröffnet worden. Auf dieser Familiendomäne ist unter anderem die berühmte Jerusalem-Kapelle beherbergt. Das Museum erzählt die unglaubliche Geschichte des mittelalterlichen Kaufmanns und Diplomaten Anselm Adornes, dessen Nachkommen das Gut auch 600 Jahre später noch bewirtschaften.
Das Gut Adornes in Brügge präsentiert mittelalterliche Kunstschätze und eine jahrhundertealte Familiengeschichte in einem renovierten Museum
„Seit 1429“ lautet die Botschaft des Adornes-Guts in Brügge. Vor fast sechs Jahrhunderten wurde die Jerusalem-Kapelle geweiht und seither ist das Gut im Besitz derselben Familie geblieben. Inzwischen ist die 17. Generation an der Reihe. Die Adelsfamilie de Limburg-Stirum führt das Gut nach dem Motto „Teilen, um Leben zu schenken, Leben schenken, um zu bewahren“.
In der neuen Museumsausstellung wurde der beeindruckende Stammbaum der Familie Adornes von Isabelle Dubois in einem zeitgenössischen Design, genauer gesagt als Wandteppich, neu gestaltet. Das ist kein Zufall, denn Adornes war damals ein Textilunternehmer.
In den letzten Jahren wurde das Anwesen der Familie Adornes nach und nach restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So wurde beispielsweise das imposante Grabmal von Anselm Adornes und seiner Frau in der Jerusalem-Kapelle restauriert. Vor Kurzem wurde eine kleine mit Wandmalereien verzierte Gebetskapelle für eine Person eingeweiht.
Jetzt wurden auch die sechs Gotteshäuser, die seit jeher zum Anwesen gehören, renoviert. Bis in die 1950er-Jahre lebten dort fromme, unverheiratete Frauen. Das renovierte Museum befindet sich in diesen Gebäuden und präsentiert eine Reihe wertvoller Objekte aus der Familiensammlung. Im Mittelpunkt steht die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Anselm Adornes.
Ritter, Kaufmann, Diplomat, Pilger
Anselm Adornes (1424–1483), ein gebürtiger Brügger italienischer Abstammung, führte ein bemerkenswertes Leben. Er war Textilunternehmer, Vertrauter des burgundischen Hofes, Ritter, Diplomat und Pilger, der mit offenem Herzen nach Jerusalem und in den Nahen Osten aufbrach, bis er in Schottland aus politischen Gründen ermordet wurde.
Seine weltoffene Karriere verdeutlicht auch die damalige wirtschaftliche Lage Brügges. Im Museum sind Krapp und Alaun ausgestellt: Farbstoff und Bindemittel für die Textilfärberei, das Geschäft des Textilmagnaten Adornes und die Grundlage seiner Macht. Er verkehrte in den höchsten Kreisen. Ein Beispiel: In seinem Testament vermachte er zwei seiner Töchter zwei kleine Gemälde des Heiligen Franziskus von Jan van Eyck.
Manche sind töricht genug zu glauben, ihre Heimat sei die einzig wahre“
Weltoffenheit zeigt sich deutlich im Reisebericht von Anselm und Jan Adornes (1470)
Anselm unternahm seine größte und längste Reise ins Heilige Land, nach Jerusalem. Zahlreiche kostbare Objekte im Museum zeugen davon und werden jetzt zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Darunter befinden sich Münzen aus den verschiedenen Regionen, die Anselm bereiste, Geleitbriefe, beispielsweise vom burgundischen Herzog Karl dem Kühnen, oder kostbare Silbergegenstände, wie etwa eine fein gearbeitete Auferstehungsdarstellung Christi mit Reliquien aus dem Heiligen Grab in Jerusalem.
Noch nie öffentlich gezeigt wurden auch eine Reihe von Skulpturen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, darunter ein Marienkopf, ein Christus mit Dornenkrone, ein Abbild von Johannes dem Täufer und eine Madonna mit Kind. Ebenso eine reiche Sammlung kirchlichen Silbers aus Familienbesitz, die für die Kirche von Jerusalem bestimmt war. Nach der Restaurierung und Sicherung der Armenhäuser können all diese Kunstgegenstände und Dokumente nun unter idealen Museumsbedingungen präsentiert werden.
„Mir ist wichtig, dass sich diese Ausstellung wie eine persönliche Geschichte anfühlt, die man mit Freunden teilt“, sagt Gräfin Véronique de Limburg Stirum. Nicht nur über das Leben und die Welt des Vorfahren, sondern auch über „das materielle und spirituelle Erbe, das er hinterlassen hat“. Ein Mann, der weiterhin inspiriert und „ehrlich gesagt immer noch verblüfft“, so De Limburg Stirum.
Anselm Adornes inspiriert weiterhin und – ehrlich gesagt – er verblüfft immer noch“
Véronique de Limburg Stirum, 17. Generation nach Anselm Adornes
Das Gut Adornes ist ein privates Museum. Das Anwesen kann jedoch auf flämische Unterstützung für die Restaurierung zählen. Flandern hat in den letzten Jahren über 650.000 € in dieses besondere Anwesen investiert.
Info: Das Anwesen Adornes, Peperstraat 3, 8000 Brügge, ist von Montag bis Samstag geöffnet: www.adornes.org/de-home
Das Anwesen Adornes beteiligt sich mit einem Triptychon aus dem frühen 16. Jahrhundert, das von Jan Adornes-de la Coste in Auftrag gegeben wurde, an der Kulturerbe-Tombola. Hinter dem gekreuzigten Christus ist die Skyline von Brügge mit der Jerusalem-Kapelle zu erkennen. Links und rechts des Triptychons sind Jan mit seinen sieben Söhnen und seine Frau Katharina mit seinen vier Töchtern abgebildet.
Fünf Jahrhunderte später sind die prächtigen Farben und feinen Details unter einer vergilbten Firnisschicht verborgen. Eine umfassende Restaurierung ist notwendig, um diese religiöse Familiengeschichte für zukünftige Generationen zu bewahren.


