Mehrere Rektoren belgischer Universitäten haben die politische Blockade im Zusammenhang mit der verhinderten Ankunft von 13 Stipendiaten aus Gaza als „inakzeptabel“ bezeichnet. Es handele sich bei den Betroffenen nicht um „illegale Migranten“, sondern um Studierende, die von unabhängigen Gremien für ein kompetitives Stipendium ausgewählt wurden, schreiben die Rektoren in einem offenen Brief in der flämischen Tageszeitung De Standaard.
„Einigen Regierungspartnern fehlt der moralische Kompass“: Rektoren unterstützen Studierende aus Gaza, die nach Belgien kommen sollen
„Die Türen unserer Hörsäle bleiben offen“, unterstreichen die Rektoren in ihrem Schreiben. Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei) hat der Föderalregierung einen Vorschlag unterbreitet, die 13 Stipendiaten aus Gaza auszufliegen und nach Belgien zu bringen. Ein Konsens innerhalb der Regierung ließ sich jedoch nur schwer finden, sodass die Verhandlungen völlig festgefahren zu sein scheinen. Die Regierungsparteien N-VA (flämische Nationaldemokraten) und MR (frankophone Liberale) verweigern ihnen die Hilfe bei der Einreise nach Belgien.
Die Rektoren Herwig Leirs (UAntwerpen), Jan Danckaert (VUB/Brüssel), Petra De Sutter (UGent), Bernard Van Heusden (UHasselt), Severine Vermeire (KU Leuven), Özge Tunçalp (Institut für Tropenmedizin ITM/Antwerpen), Philippe Dubois (UMons), Françoise Smets (UCLouvain), Annick Castiaux (UNamur) und Annemie Schaus (ULB/Brüssel) haben ihre Empörung über die Situation zum Ausdruck gebracht. Der offene Brief, veröffentlicht in der flämischen Tageszeitung De Standaard, wird auch vom Flämischen Interuniversitären Rates (VLIR) und vom französischsprachigen Rektorenrats (CRef) unterstützt.
„Es ist eine Frage des politischen Willens, und daran mangelt es einigen Parteien eindeutig. Einigen Regierungspartnern ist der moralische Kompass abhandengekommen“, so die Rektoren. Sie betonen auch, dass von einem „Dominoeffekt“ - vor dem die belgische Ministerin für Asyl und Migration, Anneleen Van Bossuyt (N-VA, flämische Nationaldemokraten), in diesem Zusammenhang gewarnt hatte - keine Rede sein könne.
Die Rektoren halten an ihrer Unterstützung für die Studierenden fest und fordern eine rasche Lösung: „Nach ihrer Ankunft in Belgien werden sie nicht in ein Asylzentrum gehen, sondern in ihre Studentenunterkünfte. Sie werden am Unterricht teilnehmen und über ein Stipendium ihren Lebensunterhalt bestreiten, genau wie andere internationale Studierende. Es handelt sich um engagierte Studierende mit hervorragenden Lebensläufen. Die Studiengänge, die sie hier absolvieren, sind zudem auf den Wiederaufbaubedarf im Gazastreifen abgestimmt. Nach ihrem Studium wollen sie dorthin zurückkehren, um am Aufbau der Zukunft mitzuwirken.“

