Als Elfjähriger entkam er dem Deportationszug, der ihm den sicheren Tod im Vernichtungslager Auschwitz bringen sollte. Mit 94 Jahren schrieb Simon Gronowski „Plädoyer für den Frieden“, ein kleines Vermächtnis, das dazu aufruft, niemals zu vergessen und den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren: „Ich schreibe dieses Buch vor allem, um junge Menschen aufzuklären, ihnen zu erklären, was Demokratie und Tyrannei sind, sie daran zu erinnern, dass der Mensch im Grunde gut ist, es aber Ausnahmen gibt, gegen die man ankämpfen muss.“
Simon Gronowski: „Krieg ist das größte Übel, Frieden das höchste Gut.“
In dem kürzlich erschienenen Buch „Plädoyer für den Frieden“ wendet sich Simon Gronowski direkt an junge Menschen. Sie müssen die Gräueltaten der Vergangenheit kennen, um zu wissen, welchen Bedrohungen sie heute gegenüberstehen und welche Zukunft sie zu verteidigen haben, so der 94-Jährige kürzlich bei einem Vortrag beim „Komitee 8. Mai“, dass sich dafür einsetzt, dass der 8. Mai in Belgien wieder ein Feiertag wird und zwar ein Feiertag zur Erinnerung an den Widerstand, der in der hiesigen Geschichtsschreibung eher unterbelichtet daherkommt.
Im März 1943 wurde Gronowski zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter von den Nazis verhaftet. Einen Monat später wurden der elfjährige Simon und seine Mutter in der Dossin-Kaserne in Mechelen in einen Waggon des 20. Transports gepfercht. Das Ziel? Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.
Unterwegs gelang es einigen Häftlingen, die Waggontür zu öffnen. Von seiner Mutter ermutigt, konnte Simon fliehen. Seine Mutter selbst wagte den Sprung nicht. Sie sollten sich nie wiedersehen. In jener Nacht entkam der kleine Simon einem grausamen Tod in der Gaskammer und rannte dem Leben entgegen. Heute ist er einer der letzten Überlebenden des Holocaust und sieht es als seine Pflicht an, Zeugnis abzulegen.
Die Pflicht zu erinnern
Sechzig Jahre lang behielt Gronowski seine Geschichte für sich. Jahrzehnte, in denen er das Leben, das ihm in jener schrecklichen Nacht des Jahres 1943 beinahe entrissen worden wäre, voll und ganz lebte: „Ich habe gearbeitet, gestritten, bin gereist, habe Sport getrieben, Jazz gespielt, Freundschaften gepflegt, geliebt, gelacht und geweint.“
Doch irgendwann in den 1990er-Jahren nahm er zum ersten Mal eine Einladung zu einem Vortrag an. Seitdem hat er keine Einladung mehr abgelehnt: „Die Pflicht zum Erinnern ist das wichtigste Instrument im Kampf gegen die extreme Rechte, insbesondere gegen Totalitarismus und Antisemitismus.“
Für Gronowski ist das Gedenken ein positiver und hoffnungsvoller Akt, der in die Zukunft gerichtet ist: „Die Gedenkfeiern markieren den Lauf der Zeit: Sie sind keine Momente der Trauer und des Schmerzes, sondern des Kampfes und der Hoffnung auf eine bessere Welt.“
Zusammenbringen von Menschen
„Das Leben rast vorbei“, schreibt Gronowski: „Das Ende ist nicht mehr fern, aber ich fühle mich noch sehr aktiv und bin glücklich, meinen Kampf fortsetzen zu können.“ Ein Kampf, der sich vor allem darauf konzentriert, die extreme Rechte zurückzudrängen. Doch in „Plädoyer für den Frieden“ („Pleidooi voor de vrede“) schreibt Simon Gronowski auch über die schönen Dinge in seinem Leben. Gronowski sieht keinen Sinn in der Spaltung zwischen den Nachkommen der Opfer und den Nachkommen der Schuldigen, die sich für immer und ewig gegenüberstehen sollen: „Dann steht die Tür offen für neue Kriege, neuen Hass, neues Leid. Im Gegenteil, wir müssen die Menschen für eine bessere Welt zusammenbringen.“
Mit 94 Jahren bewahrt Gronowski seinen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft. Trotz all der Tragödien der Vergangenheit und des immensen, unsagbaren Leids, unter dem so viele Menschen auch heute noch leiden, glaubt er weiterhin an das Gute im Menschen. Und seine unerschütterliche Hoffnung ruht auf den Schultern der Jugend: „Denn die Jugend besitzt einen Sinn für Gerechtigkeit, Wahrheit und Solidarität.“
"Pleidooi voor de vrede" ist in Niederländisch beim flämischen Verlag Lannoo erschienen und kostet 19,99 €. In Deutsch ist das Buch unter dem Titel "Absprung ins Leben. Plädoyer für den Frieden" im Umland Verlag erschienen. Hier kostet das 112 Seiten starke Buch ebenfalls 19,99 €. Unsere Kollegen vom BRF stellten dieses Buch vor einigen Tagen in einem Gespräch mit dem Übersetzer, Dominique Elsässer vor.

