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Flugzeug über Schaarbeek/Brüssel

„Zu hohes Gesundheitsrisiko“: Ärztin aus Schaarbeek wendet sich wegen anhaltendem Fluglärm an die Regierung

„Die aktuelle Lärmbelastung durch Flugzeuge führt zu unerträglichen Wohnverhältnissen.“ Das schreibt Elke Platteau, Ärztin und angehende Psychiaterin aus der Brüsseler Gemeinde Schaarbeek, in einem Brief an die Minister für Mobilität, Jean-Luc Crucke (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei) und für Gesundheit, Frank Vandenbroucke (Vooruit, flämische Sozialisten). Sie fordert die belgische Bundesregierung auf, die gesundheitlichen Auswirkungen der umstrittenen Flugrouten über Brüssel ernst zu nehmen. Inzwischen klagt mit Lennik in Flämisch-Brabant eine weitere Gemeinde am Brüsseler Rand gegen die Flugroute 07L.

Andreas Kockartz
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Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Flugroute RNP 07L am Brussels Airport. Diese Route wurde letztes Jahr eigentlich zeitlich begrenzt eingeführt und führt zu einem erhöhten Flugverkehr über dicht besiedelten Brüsseler Stadtteilen wie Schaarbeek, Evere, Molenbeek und Koekelberg. Jüngsten Zahlen zufolge ist der Schlaf von über 100.000 Menschen in der Nähe des Flughafens bzw. im Bereich der Lande- und Startbahnen massiv beeinträchtigt.

Dr. Platteau betont, dass sie ihren Brief nicht als Vertreterin einer Bürgerinitiative, sondern als besorgte Anwohnerin und Ärztin verfasst hat. „Es begann mit Gesprächen mit anderen Brüsseler und Anwohnern“, sagt sie: „Immer öfter hörte ich junge Familien, die in Schaarbeek ein Haus kauften und sich fragten, ob sie hier überhaupt noch eine Zukunft haben.“

Auch sie selbst leidet unter dem Fluglärm. Im Bahnhofsviertel von Schaarbeek, wo sie wohnt, fliegen Flugzeuge manchmal alle 4 Minuten über ihre Wohnung hinweg: „Manchmal muss man zu Hause einfach kurz innehalten, weil man sich nicht mehr verständigen kann.“

Laut Platteau werden die gesundheitlichen Folgen einer langfristigen Belastung durch Fluglärm unterschätzt.

„Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen einen klaren Zusammenhang zwischen chronischer Fluglärmbelastung und schweren Schlafstörungen“, sagt sie dazu: „Dabei geht es nicht nur um die subjektive Wahrnehmung. Forscher beobachten auch objektive Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus von Menschen, die über längere Zeiträume Fluglärm ausgesetzt sind.“

Auch Lennik verklagt die Regierung wegen Lärmbelästigung durch Flugroute 07L

Die Gemeinde Lennik in Flämisch-Brabant hat ebenfalls Klage gegen die aktuelle Nutzung der Flugroute zur Start- und Landebahn 07L des Flughafens Brüssel eingereicht. Die Gemeinde hatte zuvor rechtliche Schritte gegen den zunehmenden Fluglärm angekündigt und einen Anwalt beauftragt. Auf eine frühere formelle Mahnung der Gemeinde erfolgte keine Reaktion, woraufhin jetzt der Gang vor Gericht erfolgt.

Laut der Gemeindeverwaltung von Lennik hat die Anzahl der Flugzeuge über der Gemeinde in den letzten Monaten stark zugenommen, hauptsächlich aufgrund der intensiven Nutzung der Start- und Landebahn 07L. Die Gemeinde ist besorgt über die Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Nachtruhe der Anwohner. „Wir haben im Juni deutlich gemacht, dass wir nicht tatenlos zusehen werden. Heute gehen wir den nächsten Schritt“, so Bürgermeisterin Irina De Knop (Anders, flämische Liberale).

Ihrer Ansicht nach haben die Anwohner ein Recht auf eine lebenswerte Umwelt und eine gerechte Verteilung des Fluglärms. Sie fordert die zuständigen Behörden auf, die Auswirkungen der Flugroute ernst zu nehmen und auf eine ausgewogene Lösung hinzuarbeiten.

Laut der Bürgermeisterin schließen die laufenden Gerichtsverfahren weitere Konsultationen mit der Bundesregierung und anderen betroffenen Kommunen nicht aus. Lennik möchte die konstruktiven Gespräche fortsetzen, gleichzeitig aber auch gerichtlich für Klarheit und Veränderungen sorgen, da die bisherigen Konsultationen nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt haben: „Wir bleiben ruhig und konstruktiv, aber auch entschlossen.“

Lennik ist eigentlich ein ruhiges Örtchen am Rand von Brüssel, wenn da nicht der Fluglärm wär...

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