Seit Freitag wütet ein Feuer im Hohen Venn in Ostbelgien. Das Feuer breitete sich weiter aus. Laut der wallonischen Regionalbehörde SPW (Service Public de Wallonie) sind mittlerweile zwischen 2.700 und 3.000 Hektar Wald und Naturschutzgebiet in Flammen aufgegangen. Inzwischen hat das Feuer auch für Evakuierungen auf deutscher Seite in direkter Grenznähe im Kreis Monschau gesorgt. Seit den frühen Morgenstunden am Sonntag fliegen wieder die belgischen und niederländischen Löschhubschrauber, die pro Einsatz 7.000 Liter Wasser auf die Brandherde abwerfen können. Im Laufe des Sonntags meldete Belgiens Innenminister Quintin eine leichte Entspannung der Lage sowohl auf belgischer, als auch auf deutscher Seite. Unser Beitrag zeigt zahlreiche Fotos und Videos vom Geschehen vor Ort.
Das Feuer im Hohen Venn wütet weiter: Hilfskräfte aus dem In- und Ausland sind im Einsatz - Entspannung aber keine Entwarnung
Die besondere Topografie des Hohen Venns mit seinem zerklüfteten Gelände erschwert die Löscharbeiten erheblich und hindert die Einsatzkräfte daran, das Feuer mit ihren üblichen Ressourcen aus nächster Nähe zu bekämpfen. Rund 100 belgische und deutsche Feuerwehrleute, etwa 70 Polizisten, rund 20 Zivilschutzbeamte, etwa 40 Soldaten und ein Dutzend weitere Rettungskräfte haben in der Nacht gelöscht. Die Naturschutzbehörde der Wallonischen Region (DNF) und lokale Landwirte unterstützten die Einsatzkräfte. Jetzt wurden mehr als 250 Einsatzkräfte und rund 50 Fahrzeuge aller Dienste mobilisiert, die seit Sonntagfrüh die Kräfte aus der Nachtschicht ablösten.
Nächtliche Löscharbeiten (Video: RTBF)
Inzwischen wurden rund 600 Einwohner aus den Gemeinden Sourbrodt und Bütgenbach evakuiert. Die meisten von ihnen kamen bei Verwandten und Familien oder in Ferienwohnungen unter. Rund 40 Personen fanden Unterkunft in einer Sporthalle in Malmedy. Inzwischen rufen auch die Stadt und der Kreis Monschau auf deutscher Seite die Bewohner von einigen grenznahen Dörfern und Weilern dazu auf, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten.
Die betroffenen lokalen Stadt- und Kommunalverwaltungen in der Provinz Lüttich – genauer im Kanton Verviers und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Ostbelgien, rufen dringend dazu auf das Gebiet rund um das Hohe Venn, einschließlich der Nationalstraße 68, die zum Hochmoor führt, zu meiden. Diese Straße ist ohnehin für die Öffentlichkeit gesperrt, um den Rettungskräften die Arbeit zu ermöglichen.
Leichte Entspannung aber keine Entwarnung
Eine positive Nachricht kam am Sonntagnachmittag von Belgiens Innenminister Bernard Quintin (MR). Er teilte via X mit, dass die Feuerfronten in Richtung Jalhay und Monschau inzwischen unter Kontrolle seien. Entwarnung bedeutet das allerdings noch nicht: Auch am dritten Tag der Brandbekämpfung blieben sämtliche verfügbaren Kräfte vor Ort mobilisiert. Die Löscharbeiten im Hohen Venn gehen damit weiterhin mit großem Einsatz weiter. Die Feuerwehr von Monschau beobachtet die Lage auch auf belgischer Seite, um eingreifen zu können, falls sich die Lage wieder ändern könnte.
Laut der deutschsprachigen Tageszeitung Grenzecho hat die belgische Armee ihren Einsatzweiter ausgeweitet. Nach Angaben eines Sprechers von Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA), sind mittlerweile sechs Panther Löschfahrzeuge und 19 Feuerwehrleute aus der Truppe im Einsatz. Die Mannschaften werden alle zwölf Stunden abgelöst. Die Fahrzeuge können jeweils 10.500 Liter Wasser aufnehmen und Wasser bis zu 90 Meter weit spritzen. Sie sollen mindestens bis in die Nacht von Montag auf Dienstag vor Ort bleiben, hieß es dazu am Sonntag.
Die am Samstag in einigen brandnahen Dörfern evakuierten Anwohner können allerdings aus Vorsicht noch nicht zurück nach Hause gehen. Lokale und föderale Polizeibeamten bewachen die betroffenen Gebiete.
Kostenlose Telefonnummer 1771 für Fragen zum Waldbrand eingerichtet
Wer Fragen zum Waldbrand im Hohen Venn hat oder Informationen benötigt, kann die Nummer 1771 anrufen. Ein Kontaktzentrum wurde eingerichtet, wie der Gouverneur der Provinz Lüttich, Hervé Jamar mitteilte. Fragen können auf Französisch und Niederländisch beantwortet werden. Die Notrufnummer 112 sei nur für lebensbedrohliche Notfälle reserviert, so die Behörden.
Anrufe sind auch bei den jeweiligen Stadtverwaltungen möglich, nicht zuletzt, um mögliche Unterkünfte für evakuierte Menschen anzubieten.
Löschhubschrauber
Inzwischen sind in der betroffenen Region mehrere Löschhubschrauber im Einsatz, die sogenannte „Bambi Buckets“, das sind flexible Wassersäcke nutzen können. Aktuell fassen diese riesigen Beutel etwa 3.000 Liter. Mit Spannung werden 2 zwei Chinook-Hubschrauber mit größeren Wassertanks aus den Niederlanden erwartet. Deren Wassersack fasst etwa 7.000 Liter. Die Hubschrauber holen ihr Löschwasser aus den Stauseen in der Region und zwar aus den Talsperren von Eupen und Robertville sowie aus der Gileppetalsperre und dem See von Bütgenbach. Diese Seen sind inzwischen aus Sicherheitsgründen nicht mehr zugänglich.
Inzwischen sind auch die beiden schwedischen Löschflugzeuge aus der strategischen EU-Reserve einsatzbereit.
Beeindruckende Bilder des Einsatzes aus einem der niederländischen Löschhubschrauber
Moralische Unterstützung von König Philippe und von Premier De Wever
König Philippe hat sich bezüglich des Brandes im Hohen Venn mit der amtierenden Gouverneurin der Provinz Lüttich, Anne Dassy, in Verbindung gesetzt. Dies teilt der Königliche Palast mit. „Er dankte den Einsatzkräften und allen Helfern bei der Brandbekämpfung, darunter den Streitkräften, den Landwirten der Region und den deutschen Feuerwehrleuten, die als Verstärkung eingetroffen sind“, heißt es in der Erklärung.
Ministerpräsident Bart De Wever (N-VA) würdigte auf X. die Einsatzkräfte, die aus dem ganzen Land zusammengetroffen sind. „Mein Dank gilt auch unseren europäischen Partnern für ihre Unterstützung. Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen.“
Flandern sagt weitere Hilfe zu
„Flandern ist bereit, bei Bedarf zu helfen“
Der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) informierte seinen Kollegen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch (ProDG), darüber, dass Flandern alle notwendige Hilfe in das Katastrophengebiet senden werde, wie er auf X. schreibt. „Wir verfolgen den Großbrand im Hohen Venn aufmerksam“, schreibt Diependaele. „Großer Respekt gilt allen Einsatzkräften und Freiwilligen, die alles daransetzen, den Brand unter Kontrolle zu bringen“, und „viel Kraft allen Betroffenen“.
Rauch und Brandgeruch
Inzwischen sind Rauch und Brandgeruch aus dem Katastrophengebiet weithin wahrzunehmen. Das ist sowohl der Fall in den angrenzenden deutschen Bundesländern NRW, Rheinlandpfalz und Saarland, als auch in den belgischen, luxemburgischen und französischen Ardennen und im Tal von Maas und Sambre. Dort werden die Anwohner dazu angehalten, möglichst Fenster und Türen zu schließen, um der damit zusammenhängenden Feinstaubbelastung zu entgehen…
Feuerwehrleute der belgischen Armee im Einsatz




