Der Wald- und Naturbrand im Hohen Venn im Osten von Belgien unweit der belgisch-deutschen Grenze ist nicht unter Kontrolle. „Die Brände im Norden haben sich stabilisiert. Nach Osten breitet sich das Feuer weiterhin aus, auch in Richtung Sourbrodt“, sagte Yves Pieper, Leiter der Forstverwaltung in Verviers, gegenüber dem deutschsprachigen Rundfunk BRF: „Die Lage ist sehr unübersichtlich. Der Wind behindert die Löscharbeiten.“
“Schwerster Waldbrand in der belgischen Geschichte“ – Durch den Waldbrand im Hohen Venn werden jetzt doch Dörfer evakuiert
Zwischen Weismes und Jalhjay sind inzwischen rund 1.600 Hektar Naturschutz- und Waldgebiet verbrannt. Das gehe aus den Beobachtungen des Brandgebietes hervor, die die Feuerwehr mit Hilfe von Drohnen gemacht habe, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Baelen, Nathalie Thönnissen, im provinzialen Krisenzentrum in Vottem bei Lüttich. Dort beobachtete auch Bundesinnenminister Bernard Quintin die Lage.
Das Feuer hat sich über drei Brandherde ausgebreitet, die schwer zu bekämpfen sind, unter anderem weil der Wind ständig die Richtung ändert. Das Feuer hat auch den Kiefernwald jenseits der N68 erreicht. Die Feuerwehr versuchte die ganze Nacht und den Morgen über, den Wald zu schützen. Kiefernholz ist hochentzündlich.
Der Weiler Sourbrodt in der Gemeinde Weismes wird aufgrund des herannahenden Waldbrandes im Venn teilweise evakuiert. Betroffen sind 17 Straßen. Auch in Bütgenbach werden vorübergehend sieben Straßen in den Weilern Küchelscheid und Leykaul in unmittelbarer Grenznähe zu Deutschland evakuiert.
Aufforderungen und Empfehlungen
Eine Liste der betroffenen Straßen wurde in den sozialen Medien veröffentlicht. Bewohner, die nicht evakuiert werden müssen, wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Bevölkerung, die vorerst nicht betroffen ist, wurde trotzdem empfohlen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Man solle eine kleine Tasche mit dem Nötigsten zu packen und diese, wenn möglich, in das Auto zu legen, hieß es dazu von Seiten der Behörden
„Touristen im betroffenen Gebiet werden gebeten, in ihre Unterkünfte oder nach Hause zurückzukehren“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die lokale Polizei sucht die Betroffenen ebenfalls auf. Die Evakuierten können in einer Sporthalle in Malmedy Schutz finden, falls sie nicht bei Freunden und Verwandten unterkommen. Es handelt sich dabei nach Informationen von VRT NWS um etwa 500 Personen.
Europäische Hilfe
Belgien hat die Aktivierung des EU-Katastrophenschutzmechanismus für den Brand im Hohen Venn beantragt. Dies teilte die zuständige EU-Kommissarin für Krisenmanagement, die Belgierin Hadja Lahbib, mit. Über diesen Mechanismus können Länder Verstärkung und Ausrüstung von anderen Mitgliedstaaten, Partnerländern oder aus der EU-Reserve anfordern.
„Ein Hubschrauber und zwei Flugzeuge der EU-Flotte sind unterwegs“, so Lahbib. Es handelt sich um einen Hubschrauber aus Tschechien und ein Löschflugzeug aus Schweden. Wann genau sie eintreffen werden, ist noch unklar. Die belgischen Behörden baten zudem das Nicht-EU-Land Norwegen um die Entsendung von 2 speziellen Löschhubschraubern. Aus den Niederlanden kommen 2 Chinook-Löschhubschrauber, die mit den speziellen Wassersäcken, genannt „Bambi Bucket“ ausgerüstet sind, wie das dortige Verteidigungsministerium bekanntgab.
Föderaler Notfallplan
Wegen des Großbrandes im Hohen Venn soll der föderale Notfallplan aktiviert werden. Dies bestätigte hat General-Leutnant Frédéric Goetynck gegenüber dem BRF. Das bedeutet, dass die Krisenmaßnahmen auf föderaler Ebene koordiniert werden und nicht mehr auf Ebene der Provinz. So können mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Besonders problematisch ist die Lage auch, weil der Brand die Torfschichten erfasst hat, die stellenweise mehrere Meter tief reichen. Dadurch könnte das Feuer noch über Wochen hinweg weiter schwelen. Eine schnelle Entwarnung sei daher nicht in Sicht, so lokale Forstmitarbeiter. Schon jetzt geht man davon aus, dass die Löscharbeiten noch Tage, möglicherweise sogar Wochen dauern könnten.
Die betroffene Region ist bekannt für eine einmalige Flora und Fauna. Die Renaturierung kann nach Ansicht von Experten „Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte“ dauern.

