Die Hauptangeklagten im großen Costa-Drogenprozess wurden zu Haftstrafen von bis zu 14 Jahren verurteilt. Dies entschied das Gericht in Tongeren in der Provinz Limburg. Hohe Strafen, die jedoch weniger streng ausgefallen sind, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Eine Berufung ist noch möglich - sowohl von Seiten der Anklage, als auch der Verteidigung.
Bis zu 14 Jahre Haft für die Hauptangeklagten im großen "Costa"-Drogenprozess
Die höchste Strafe erhielt der niederländische Drogenboss „Bolle“ Jos Leijdekkers. Er wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Leijdekkers war beim Prozess und bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Er ist flüchtig und hält sich vermutlich irgendwo in Afrika, mutmaßlich in Sierra Leone, versteckt. Daher wurde er in Abwesenheit verurteilt. Er stand bereits in anderen Drogenfällen vor Gericht und hat insgesamt jahrzehntelange Haftstrafen verbüßt bzw. noch zu verbüßen.
Geert Frisson, ein ehemaliges Mitglied einer Motorradgang, wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Gendarm Willy Van Mechelen und sein Geschäftspartner Tom Bastiaanse erhielten Haftstrafen von 9 bzw. 12 Jahren.
Niedrigere Haftstrafen als erwartet
Die Strafen fallen deutlich geringer aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Diese hatte Anfang des Jahres Haftstrafen von bis zu 20 Jahren beantragt. Der Richter sprach die Angeklagten jedoch in einigen Anklagepunkten frei und berücksichtigte dabei auch die bereits überschrittene angemessene Verjährungsfrist.
Das gesamte Verfahren und der Prozess dauerten bereits mehrere Jahre. Der Prozess selbst verzögerte sich zudem mehrfach aufgrund von Befangenheitsanträgen gegen die Richter. Es geht um einen umfangreichen Drogenfall. Das Urteil umfasst mehrere hundert Seiten. Insgesamt stehen 56 Angeklagte, darunter auch mehrere Unternehmer, vor Gericht.
Neben den Haftstrafen wurden auch Geldstrafen verhängt. Das Gericht beschlagnahmte zudem Millionen von Euro an mutmaßlichen Erträgen aus dem Drogenhandel sowie beschlagnahmte Baugrundstücke, bewegliches Vermögen und Waffen.
Der "Costa"-Prozess
Der Fall Costa dreht sich um verschiedene kriminelle Organisationen, die sich laut Staatsanwaltschaft zusammengeschlossen haben, um mehrere Kokainlieferungen über den Hafen von Antwerpen zu organisieren. Auf diese Weise sollen tonnenweise Drogen im Wert von rund 3,5 Mia. € ins Land geschmuggelt worden sein. Der Name Costa ist eine Anspielung auf Costa Rica, woher die erste abgefangene Lieferung stammte.
Mehr als 50 Angeklagte und mehrere Unternehmen mussten sich vor dem Gericht in Tongeren verantworten. Unter ihnen befanden sich einige bekannte Namen, wie der ehemalige Gendarm Willy Van Mechelen, Geert Frisson – ein ehemaliges Mitglied der Motorradgang Bandidos Benelux – und der niederländische Drogenhändler „Bolle“ Jos Leijdekkers.

