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Nach dem Abzug von TUI Fly: Hat der Antwerpener Regionalflughafen in Deurne noch eine Zukunft?

Die sozialistische flämische Regierungspartei Vooruit will keine weiteren Subventionen für den Flughafen Deurne. Die Schulden des Flughafens stiegen 2024 auf 2,3 Mio. € und die Passagierzahlen sind gesunken. Jetzt verlässt auch noch die letzte Fluggesellschaft, TUI Fly, den Standort. Laut Vooruit ist eine Kürzung der Subventionen auch im Koalitionsvertrag vorgesehen.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die flämischen Sozialisten Vooruit wollen keine weiteren Subventionen mehr für den Flughafen Deurne. Die Schulden des Flughafens stiegen im vergangenen Jahr auf 2,3 Mio. € und die Passagierzahlen sinken. Durch die Ankündigung von TUI Fly, den Standort am Regionalflughafen Antwerpen 2027 aufzugeben, fällt quasi das Argument der Politik im Hinblick auf internationale Flugverbindungen und Charterflüge weg.

Welche Auswirkungen wird die Entscheidung von TUI Fly auf die Zukunft des umstrittenen Flughafens Deurne haben? Aktionskomitees und die flämischen Grünen von Groen fordern die Schließung, während die Regierungsparteien und Luftfahrtökonomen eine Zukunft für den Flughafen sehen.

Die Zahlen

TUI ist die wichtigste Einnahmequelle des Flughafenbetreibers Egis. „Ihr Weggang ist ein schwerer Schlag“, sagt Wouter Dewulf, Luftfahrtökonom an der Universität Antwerpen (UAntwerpen) und der Antwerp Management School.

„Der Flughafen Antwerpen erhält rund 5 Mio. € an Subventionen und erwirtschaftet zusätzlich 5 Mio. € an Einnahmen. Die Hälfte dieser Eigeneinnahmen stammt von TUI-Flügen“, so Dewulf. Der Luftfahrtökonom betont daher, dass sich das Geschäftsmodell grundlegend ändern muss.

„Durch die Aktivitäten am und um den Flughafen Antwerpen sind 1.300 Menschen direkt und indirekt beschäftigt“, ergänzt der Luftfahrtjournalist Luk De Wilde. „Auch für ihre Arbeitsplatzsicherheit ist ein Kurswechsel notwendig.“ TUI war die letzte große Linienfluggesellschaft, die von Deurne aus vier südliche Urlaubsziele anflog: Mallorca, Teneriffa, Alicante und Málaga.

Ganzjährig bot TUI dort einige wenige tägliche Flüge an. Eine verschwindend geringe Anzahl im Vergleich zu den Dutzenden von täglichen Bewegungen von Privatjets und Trainingsflugzeugen in Deurne.

In den letzten Monaten hatte TUI ihr Angebot und ihre Präsenz in Antwerpen bereits reduziert. Drei Ziele wurden gestrichen. „Infolgedessen war nur noch ein Flugzeug ihrer Flotte dauerhaft in Antwerpen stationiert. Zuvor hatte TUI dort zwei Embraer stationiert“, so Dewulf.

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Schließung?

Der Weggang von TUI spielt den Gegnern des Flughafens in die Hände. „Das zeigt, dass keine einzige Linienfluggesellschaft Interesse hat“, sagt Piet De Roeck vom Aktionskomitee Vliegerplein: „Die flämischen Subventionen versickern in einem bodenlosen Fass. Schließt Deurne! Beseitigt die Belästigung für die Anwohner! Macht daraus einen Park! Die Hitzewellen und die globale Erwärmung machen deutlich, was die Bürger wirklich brauchen.“

Auch die Mehrheitspartei Vooruit ist nicht überrascht. „Wir erleben gerade mit eigenen Augen, was wir bei Vooruit seit Jahren sagen: Selbst mit flämischen Subventionen ist dieser Flughafen wirtschaftlich nicht rentabel“, so der Fraktionsvorsitzende der flämischen Sozialisten im Landesparlament, Kris Verduyckt.

Der Luftfahrtexperte Luk De Wilde weist ebenfalls auf den Balanceakt hin: „Es ist schwierig, die flämische Bevölkerung weiterhin um Steuergelder zu bitten, wenn keine zusätzlichen Einnahmen durch neue Fluggesellschaften generiert werden. Diese zu gewinnen, ist eine Aufgabe, die der derzeitige Flughafenbetreiber Egis seit Jahren nicht erfüllt.“

Groen fordert die flämische Regierung bereits auf, die Situation zu überdenken und eine Schließung oder zumindest eine Verkleinerung des Flughafens konkret in Betracht zu ziehen.

Ein Neustart?

Luftfahrtökonom Wouter Dewulf plädiert trotz des Weggangs von TUI klar für den Erhalt des Flughafens. Er sieht kurz- und langfristige Chancen: „Zunächst könnte man den Flughafen Antwerpen zu einem reinen Business-Flughafen für Privatjets umstrukturieren. Dadurch ließen sich zahlreiche Kosten einsparen, beispielsweise beim Terminal, der Feuerwehr und der Passagierkontrolle.“

Auf diese Weise könne der Flughafen Antwerpen bis in die 2030er-Jahre bestehen bleiben: „Bis dahin erwarten wir die Einführung neuer Elektroflugzeuge mit einer Reichweite von 500 Kilometern. Das ist die Zukunft der Regionalluftfahrt, die wir nicht verpassen dürfen.“

Dewulf betont außerdem, dass die 5 Mio. € flämischen Subventionen nicht unbedingt den größten Posten des gesamten flämischen Haushalts ausmachen: „Regionalflughäfen brauchen europaweit Unterstützung. Wir müssen Deurne unbedingt offenhalten. Sehen Sie sich den alten Flughafen Gent an: Wenn man ihn einmal schließt, ist dieser Raum für immer verloren.“

Ein anderer Betreiber?

Der Luftfahrtexperte Luk De Wilde weist ebenfalls darauf hin, dass der Betrieb des Flughafens überprüft werden müsse: „Die flämische Regierung unter Kris Peeters teilte die Regionalflughäfen in Infrastruktur und Betrieb auf. Im Fall von Deurne liegt Letzterer in den Händen des französischen Unternehmens Egis und das wird bis 2039 so bleiben. Genau da liegt das Problem“, so De Wilde.

„Egis nimmt gerne Subventionen entgegen, ist aber nicht besonders erfolgreich darin, neue Anbieter zu gewinnen. Sie behaupten seit Jahren, daran zu arbeiten, aber die Ergebnisse bleiben aus“, sagt De Wilde: „Meinen Quellen zufolge würde es Flandern mehr kosten, diesen Vertrag zu kündigen, als ihn mit Subventionen weiterzuführen.“

Die flämische Landesregierung hat angekündigt, die Angelegenheit und die Zukunftsvision für die Regionalflughäfen zu erörtern. Die zuständige Mobilitätsministerin, Annick De Ridder (N-VA, flämische Nationaldemokraten), hat sich wiederholt als starke Befürworterin des Flughafens Antwerpen erwiesen.

Der Regionalflughafen von Deurne liegt sehr nah an bewohntem Gebiet

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