Die spontanen Streiks der Fluglotsen bei der belgischen Flugsicherung Skeyes in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagnachmittag ist auf scharfe Kritik gestoßen. Politiker auf allen Ebenen, die betroffenen Flughäfen und die Fluggesellschaften werfen sowohl den Fluglotsen, als auch Skeyes vor, ohne Vorwarnung den gesamten Flugverkehr lahmgelegt zu haben.
Spontaner Streik der Fluglotsen: Scharfe Kritik von allen Seiten
Die flämischen Liberalen (Anders) fordern in diesem Zusammenhang einmal mehr eine minimale Dienstleistung, die dies z.B. bei der belgischen Bahn gesetzlich vorgeschrieben ist. Die regionale wallonische Ministerin für die Flughäfen, Cécile Neven von den frankophonen Liberalen MR wirft in dieser Frage der Flugsicherung Skeyes vor, sie nicht davon unterrichtet zu haben, dass die Inbetriebnahme des neuen Kontrollzentrums in Namür in der gleichnamigen Provinz auf einen derart großen Widerstand beim Personal stößt.
Und die betroffenen Airlines, allen voran die Billigfluggesellschaft Ryanair beklagt die Streichung von mehr als 140 Flügen an den Flughäfen von Charleroi und Zaventem/Brüssel. Ryanair-Chef Michael O’Leary fordert, dass die Airlines von anstehenden Streiks unterrichtet werden müssten. Er verlangte zudem von der EU, dass diese die Überwachung des europäischen Luftraums besser regeln müsse, damit den Flugreisenden solche Streiks erspart würden.
Unzufriedenheit mit dem neuen Kontrollturm
Grund für die beiden Streiks der Fluglotsen sind die Pläne für ein neues Kontrollzentrum für die Fluglotsen in Namür. Von dort aus sollen alle Flugbewegungen, für deren Kontrolle Skeyes zuständig ist, überwacht werden. Das bedeutet, dass die Fluglotsen, die für die Flughäfen von Lüttich und von Charleroi verantwortlich sind, von dort aus ihre Arbeit verrichten. In den Augen der Fluglotsen ist das System, mit dem Skeyes den Luftraum in Belgien und an den dortigen Flughäfen überwachen will, zudem nicht ausgereift und nicht sicher.
Offenbar haben sich die Gewerkschaften der Fluglotsen am Dienstag mit dem Management von Skeyes auf ein vorläufiges Abkommen zu den Bedingungen zum Übergang in Richtung Kontrollzentrum von Namür einigen können, doch über Inhalte wurde nichts bekannt. Die Sozialpartner werden sich erneut an den Verhandlungstisch setzen, um die Modalitäten des Dossiers weiter zu verhandeln und den sozialen Dialog fortzusetzen, teilte Skeyes am Dienstag in einer Pressemitteilung mit. Wann genau dies geschehen wird, sei noch unklar, so Skeyes-Sprecher Kurt Verwilligen, aber „Ziel ist, eine breit getragene Vereinbarung zu erzielen“.
Auswirkungen des Streiks
Am Brüsseler Nationalflughafen in Zaventem (Flämisch-Brabant) wurden am Dienstag rund 140 Flüge gestrichen. Davon war auch der Frachtflughafen betroffen. In Charleroi musste alleine Ryanair 39 Flüge streichen. Daneben mussten auch Starts und Landungen an den regionalen Flughäfen von Lüttich in Bierset, Antwerpen in Deurne und von Ostende (Ostend-Bruges-Airport) abgesagt werden. Viele dieser Flüge werden auf heute (Mittwoch) und morgen (Donnerstag) umgebucht. Dies liegt in der Verantwortung der einzelnen Fluggesellschaften, die ihre Kunden dahingehend kontaktier(t)en.

