Die Brüsseler Regionalregierung wird der Empfehlung der Königlichen Kommission für Denkmäler und Landschaften (KCML) bezüglich des Südpalastes nicht folgen. „Es wird keinen Denkmalschutzstatus geben“, bestätigte Staatssekretärin Ans Persoons (Vooruit, niederländischsprachige Sozialisten) vor einigen Tagen beim regionalen TV-Sender BX1.
Der Brüsseler Südpalast soll doch nicht unter Denkmalschutz gestellt werden
Der Südpalast (Foto oben) umfasst eine bebaute Fläche von rund 40.000 Quadratmetern auf einem Hektar Land. Die KCML hatte empfohlen, die Fassaden und Dächer des Nordflügels sowie bestimmte Innenelemente – insbesondere die Anordnung der Geschäfte im Erdgeschoss – in die Denkmalliste aufzunehmen.
Die Verlängerung der Metrolinie 3 wurde von der Brüsseler Regierung aus Budgetgründen erst einmal ausgesetzt. Der Tunnelbau unter dem Südpalast ist allerdings weiterhin geplant, um zumindest die Durchfahrt von Straßenbahnen zu ermöglichen. Ein Teil des Südpalastes wird zu diesem Zweck abgerissen, was mit dem Denkmalschutz weitgehend vermieden werden sollte.
Kein Denkmalschutzstatus
Die Ausweisung des Südpalastes als Denkmal hätte seinen Erhalt garantiert, doch die Empfehlung der KCML ist für die Brüsseler Regierung nicht bindend. „Leider haben wir das Gefühl, dass sich die Geschichte wiederholt“, sagt Marion Alecian, Direktorin des Thinktanks Arau (Atelier de Recherche et d’Action Urbaines): „Wenn es so weitergeht, sind wir gescheitert, denn es ist uns nicht gelungen, den Denkmalwert und die Folgen eines möglichen Abrisses klar darzulegen.“
Niemand gibt sich geschlagen
Brüssels Staatssekretärin für Stadtplanung und Kulturerbe Ans Persoons stellte klar, dass es nicht um den vollständigen Abriss des Südpalastes geht und dass die Fassade erhalten bleibt: „Wir müssen das Kulturerbe schützen, aber auch sicherstellen, dass die Arbeiten an der Metro 3 abgeschlossen werden und dass der Stadtteil Stalingrad so schnell wie möglich wieder bewohnbar wird. Mit der Denkmalschutzliste will man die Arbeiten an der Metro 3 behindern und das kann nicht die Absicht sein.“
Persoons wird in Kürze einen Beschluss vorschlagen, das Gebäude nicht unter Denkmalschutz zu stellen. Für Alecian ist der Kampf jedoch noch nicht verloren: „Die positive Empfehlung der unabhängigen KCML gibt uns die rechtliche Möglichkeit, diese Entscheidung anzufechten. Wir werden weiterhin das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung des Erhalts des Südpalastes schärfen. Immer mehr Menschen fühlen sich mitverantwortlich. Es ist also noch lange kein Scheitern.“

