Das Wohnbauprojekt Vaartdijk-Borgt am Vaartdijk in Grimbergen in der Provinz Flämisch-Brabant nimmt Fahrt auf. Das 1970 gebaute modernistische Haus des 2001 verstorbenen Architekten Roger De Winter steht unwiderruflich vor dem Abriss. Sein Sohn Paul De Winter beobachtet mit Bestürzung, wie das Erbe seines Vaters zunehmend unter Druck gerät.
Das Haus des Architekten Roger De Winter muss einem neuen Bauprojekt in Grimbergen weichen: „Modernistische Architektur ist in diesem Land stark gefährdet“
In Vilvoorde in Flämisch-Brabant ist der Name des postmodernen Architekten Roger De Winter (1923–2001) allgegenwärtig. Mit seinen puristischen Stadthäusern prägte De Winter seine Heimatstadt. Der gebürtige Vilvoorder entwarf auch das Vaeck-Haus aus den 1950er-Jahren in Hofstade. Auch dieses wurde vor einigen Jahren unwiderruflich abgerissen.
„Und jetzt folgt erneut der Abriss eines von De Winter entworfenen Hauses, diesmal im Wohngebiet Vaartdijk-Borcht“, sagt Wim Robberechts, der im vergangenen Jahr eine Retrospektive des renommierten Architekten und Möbeldesigners mitorganisiert hat: „Wir hegen keinen Groll gegen den Bauträger, aber das Erbe des 20. Jahrhunderts ist hierzulande besonders gefährdet. Man sollte der modernistischen Architektur der Expo ‘58 sowie der 50er, 60er und 70er Jahre mehr Respekt entgegenbringen.“
Bedauerlicher Trend
Auch für Paul De Winter, dem Sohn des Architekten, fügt sich der bevorstehende Abriss des Hauses aus dem Jahr 1970 in einen bedauerlichen aber weitverbreiteten Trend ein. „Von einem Architekten wie Horta wurde etwa die Hälfte seiner Gebäude dem Erdboden gleichgemacht“, seufzte er: „Es könnte also schlimmer sein, auch wenn das nur ein schwacher Trost ist.“
Laut Paul De Winter steht die Notwendigkeit des Wohngebiets-Erweiterungsprojekts in Grimbergen jedoch außer Frage: „Es stimmt, dass ein akuter Wohnungsmangel herrscht und die Qualitäten des Architekten des Neubauprojekts stehen außer Frage. Aber hier hätte man zumindest versuchen können, das Wohnhaus in die bestehende Bebauung zu integrieren.“
„Man kann nicht alles für die Ewigkeit erhalten“
Grimbergens Bürgermeister Bart Laeremens (Vernieuwing, lokale Partei) weist darauf hin, dass der Bauträger das Projekt seit 12 Jahren vorbereitet: „Drei öffentliche Anhörungen und mehrere Informationsveranstaltungen für die Bürger gingen dem voraus. Nie zuvor wurde Einspruch gegen den Abriss erhoben.“
Laut Laeremens gestaltete sich eine mögliche Integration des modernistischen Wohnhauses äußerst schwierig: „Es war ein langer Prozess, bis die Genehmigungen erteilt wurden. In dieser Zeit wurden auch Maßnahmen zur Verdichtung gemäß den Vorgaben der flämischen Regierung durchgeführt. Ich hoffe, dass vor dem Abriss Fotos gemacht werden. Man kann schließlich nicht alle Gebäude für die Ewigkeit erhalten.“


