Drei Mitglieder des Verwaltungsrats des Brüsseler Kulturpalastes Bozar verlassen den Verwaltungsrat der Einrichtung. Grund dafür ist ein Konzert, dass der israelische Dirigent Lahav Shani (Foto) leiten soll. Im vergangenen Jahr führte ein im Laufe der Debatte abgesagtes Konzert von Shani beim Festival von Flandern in Gent zu einer internationalen Polemik.
Lahav Shani-Auftritt in Brüssel: Drei Mitglieder des Verwaltungsrats von Bozar treten zurück
Gegen Lahav Shani, der auch in Brüssel mit den Münchener Philharmonikern auftreten soll, richtet sich der Vorwurf, dass er sich nicht ausdrücklich genug von der Regierung und der Armee Israels ausspricht. Die Tatsache, dass Shani auch Chefdirigent des Israelischen Philharmonischen Orchesters ist, kommt für die Kritiker in Belgien erschwerend hinzu.
Christophe Slagmyulder, der Direktor des Bozar, hatte vor einigen Wochen in einem Interview mit der flämischen Tageszeitung De Standaard angedeutet, dass Shani und die Münchener Philharmonie in seinem Hause willkommen seien.
Rücktritte
Dies jedoch führte jetzt dazu, dass sich drei Mitglieder des Verwaltungsrats zurückziehen und ihren Rücktritt aus diesem Gremium ankündigten. Das sind der Staatsminister und Kulturpolitiker Jos Gheysels (Groen, flämische Grüne), der Filmemacher Mohamed Ouachen und Els Silvrants-Barclay.
Begründungen
Gheysels sagte in einem Gespräch mit VRT NWS, dass er kein Vertrauen mehr habe: „Das die Direktion beschließt, das Konzert durchzuführen, ist für mich eine Grenze, die überschritten wird. Ich kann so nicht mehr als vollwertiges Verwaltungsmitglied funktionieren.“
Ouachen ist der Ansicht, dass ein Auftritt Shanis in Brüssel im heutigen geopolitischen Kontext eine politische Wahl sei: „Lahav Shani ist nicht einfach nur ein Dirigent. Er ist der musikalische Leiter des Philharmonischen Orchesters von Israel, ein Land, dessen Taten durch Amnasty International als genozidär und die vom Internationalen Gerichtshof als Apartheid bestempelt werden.

