Die jüdische Gemeinde in Belgien schlägt die Einrichtung einer Kontrollkommission aus Ärzten vor, um rituelle Beschneider zu überprüfen. Das berichtet die flämische Wirtschaftszeitung „De Tijd“. Hintergrund ist ein Antrag der Staatsanwaltschaft Antwerpen, zwei jüdische Beschneider vor Gericht zu bringen. Sie sollen Jungen ohne ärztliches Diplom beschnitten haben.
Jüdische Gemeinde schlägt Kontrolle ritueller Beschneider vor
Für Philippe Markiewicz, den Vorsitzenden des Zentralen Israelitischen Konsistoriums Belgiens, deutet das Vorgehen der Staatsanwaltschaft auf „einen Versuch hin, die jüdische Religionsausübung zu kriminalisieren“. Eine jüdische Beschneidung sei weder geheimnisvoll noch würden Eltern dazu gezwungen.
Nach belgischem Recht gilt eine Beschneidung allerdings als medizinischer Eingriff. Deshalb habe Markiewicz nach eigenen Aussagen Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke von den flämischen Sozialisten (Vooruit) einen Vorschlag unterbreitet. Demnach soll eine Kommission aus Kinderärzten und Urologen rituelle Beschneider, sogenannte Mohels, kontrollieren und bewerten.
„Es handelt sich um einen rituellen, religiösen und nicht um einen medizinischen Akt. Die Religionsfreiheit wird durch die Verfassung geschützt“, erklärt Markiewicz. „Wer eine positive Beurteilung erhält, wird in eine offizielle Liste aufgenommen. Wer nicht darauf steht, wird von der jüdischen Gemeinde nicht anerkannt.“
Eine Beschneidung aus nichtmedizinischen Gründen ist in Belgien zwar nicht verboten, muss laut Gesetz jedoch unter Beteiligung eines Arztes erfolgen.
Ausweg aus langem Rechtsstreit?
Nach Ansicht von Markiewicz könnte eine solche Einigung einen Ausweg aus einem möglicherweise langwierigen Rechtsstreit bieten. „Sollte es zu einer Verweisung kommen, stehen uns 10 oder 20 Jahre voller Verfahren vor Berufungsgerichten, dem Kassationshof und dem Europäischen Gerichtshof bevor.“
Dass es noch vor der Entscheidung der Ratskammer am 18. Juni zu einer Einigung kommt, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Die Regierungsparteien möchten nicht in ein laufendes Ermittlungsverfahren eingreifen.
Der Fall hatte bereits Anfang des Jahres international für Aufsehen gesorgt. Der US-Botschafter in Belgien, Bill White, sprach damals von „einer antisemitischen Untersuchung“. Auch vergangene Woche bezeichnete er die mögliche Strafverfolgung der beiden Männer erneut als „Schande“.

