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Inland
Justiz

Die Staatsanwaltschaft Antwerpen will zwei jüdische Beschneider strafrechtlich verfolgen: US-Botschafter Bill White ist empört

Die Staatsanwaltschaft von Antwerpen will zwei jüdische Männer wegen illegaler Beschneidungen strafrechtlich verfolgen. Der Fall muss zuvor jedoch noch vor die Ratskammer kommen. Diese entscheidet, ob es tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren kommt. Der Botschafter der USA in Belgien, Bill White, und der israelische Außenminister sind empört und bezeichnen das Vorhaben als „eine Schande“. Belgiens Außenminister Maxime Prévot kontert: „Es ist nicht Sache eines Botschafters, der Regierung ihre Agenda vorzuschreiben.“

Hanne Decré Anne Mettlen
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Die Staatsanwaltschaft fordert, dass die beiden Mohels – jüdische Beschneider – wegen vorsätzlicher Körperverletzung an Minderjährigen und wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde vor Gericht gestellt werden.

Was ist ein Mohel?

Ein Mohel ist ein speziell ausgebildeter jüdischer Beschneider, der die „Brit Mila“, die rituelle Beschneidung im jüdischen Glauben, bei neugeborenen Jungen am 8. Tag nach der Geburt durchführt.

Eine Beschneidung von Männern aus nichtmedizinischen Gründen ist in Belgien zwar nicht verboten, muss jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Die Ermittlungen wurden unter anderem aufgrund einer Beschwerde aus der jüdischen Gemeinde aufgenommen. Im vergangenen Jahr wurden mehrere Hausdurchsuchungen im jüdischen Viertel durchgeführt. Die Ermittler beschlagnahmten damals unter anderem Messer und forderten Listen von Kindern an, die kürzlich beschnitten worden waren.

Der Fall sorgte Anfang dieses Jahres für viel Aufsehen, da US-Botschafter Bill White von „einer antisemitischen Untersuchung“ in Belgien sprach. Ob die Akte jedoch vor Gericht kommt, muss die Ratskammer am 18. Juni entscheiden. In der Zwischenzeit erhalten die betroffenen Parteien Einsicht in das Dossier.

US-Botschafter White kritisiert Belgien

US-Botschafter Bill White bezeichnete die Strafverfolgung der Mohels einmal mehr als „falsch“ und dass diese „nicht toleriert werde“. Seinen Angaben zufolge handele es sich bei einem der Verdächtigen um einen US-Amerikaner.

„Belgien wird von der Welt als antisemitisch angesehen werden. Daran führt kein Weg vorbei, bis die Angelegenheit geklärt ist. Die Trump-Regierung verurteilt diese gerichtlichen Schritte und verurteilt die politische Passivität der belgischen Regierung, eine Lösung mit der wunderbaren jüdischen Gemeinde in Belgien zu finden“, schreibt White auf der Plattform X.

Ähnlich äußerte sich der israelische Außenminister Gideon Sa’ar. „Das ist ein Schandfleck für die belgische Gesellschaft. Die Beschneidung ist der Grundpfeiler des jüdischen Glaubens.“ Auch fordert er die belgische Regierung zu unverzüglichen Maßnahmen und einer Lösung auf.

Scharfe Reaktion von Außenminister Prévot 

Außenminister Maxime Prévot reagierte mit einem eigenen Post auf X scharf auf Whites Aussagen. Er forderte den US-amerikanischen Botschafter zu mehr Zurückhaltung und dazu auf, seine Rolle „im richtigen Kontext“ zu sehen. Prévot unterstrich, dass die belgische Justiz unabhängig sei und ihre Entscheidungen frei von politischer Einflussnahme treffe – ob man damit einverstanden sei oder nicht.

Für den belgischen Außenminister der frankophonen Konservativen (Les Engagés) ist es seitens White „unangemessen, ein Land öffentlich zu kritisieren und seinem Ansehen zu schaden, nur weil Sie mit den gerichtlichen Verfahren nicht einverstanden sind“.

Prévot betont zudem, dass die Untersuchung auf eine Beschwerde der jüdischen Gemeinde selbst zurückgeht. „Diese Verfahren als Versuch eines Landes darzustellen, die Religionsfreiheit der Juden zu untergraben, ist verleumderisch. Diese Freiheit wurde nie infrage gestellt und wird es auch niemals infrage gestellt werden. Die Verfassung schützt sie.“

Prévot kontert entschlossen 

Den israelischen Außenminister bittet Prévot in einem weiteren Posting auf X darum, die „Karikaturen“ zu lassen, und unterstreicht, dass die Religionsfreiheit verfassungsmäßig geschützt sei. „Da Sie selbst dazu aufgerufen haben, über X keine Diplomatie zu betreiben, schlage ich vor, dass wir diese Fragen bei einem Treffen in Israel besprechen, zu einem Zeitpunkt, der Ihnen am besten passt, um so eventuellen Missverständnissen ein Ende zu setzen“, so der belgische Außenminister.

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