Auf dem Parkplatz des Auchan-Supermarkts in Roncq (Frankreich) herrscht Ansturm. Der große französische Supermarkt liegt direkt an der Grenze zur Provinz Westflandern. Flamen strömen in Scharen hierher, aus Angst vor den zulässigen hohen Triazolwerten im westflämischen Leitungswasser. Mineralwasser ist in französischen Supermärkten günstig, und die Westflamen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, kommen immer häufiger hierher.
Gelockerte Triazolwerte im westflämischen Trinkwasser treiben die Betroffenen in französische Supermärkte, um dort günstig Mineralwasser zu kaufen
Die flämische Landesregierung hatte unlängst eine Lockerung der Trinkwassernormen beschlossen (siehe nebenstehenden Beitrag). Die Triazole im westflämischen Trinkwasser stammen hauptsächlich vom Abbau triazolhaltiger Fungizide, die in der Landwirtschaft, insbesondere im Kartoffelanbau, weit verbreitet sind. Obwohl die flämischen Behörden versichern, dass das Leitungswasser sicher sei und die Triazolwerte gesenkt würden, gehen die hartnäckigen Westflamen lieber auf Nummer sicher.
Fährt man auf die Parkplätze von grenznahen Auchan-Supermärkten in Nordfrankreich, fällt eines sofort auf: Autos mit belgischen Kennzeichen. Die Westflamen füllen ihre Einkaufswagen bis zum Rand mit Wasser und Limonade. „Weil es hier so viel günstiger ist als in Belgien“, erklärt Francis Verfaillie aus Zwevegem (Foto oben): „Ein Sechserpack kostet hier nur etwa einen Euro. Das ist doch nicht viel, oder? Und es ist auch nicht weit für uns.“
„Ich traue dem Leitungswasser nicht“
Francis und seine Frau trinken kein Leitungswasser. „Haben wir nie gemacht, aber mit diesem Stoff im Wasser - wie heißt der noch gleich, irgendwas mit ‚Tria‘ – Triazole, genau - traue ich dem ganz sicher nicht mehr. Ich glaube nicht, dass es gesund ist. Ich benutze zwar noch Leitungswasser für Kaffee, aber dann koche ich es ab und ich denke, der Stoff ist dann weg.“
„Ich traue dem Leitungswasser nicht“, sagt Nadine Buysse aus Waregem. „Ich würde sogar meine Kartoffeln in Flaschenwasser kochen“, erklärt sie und rechtfertigt damit ihren großen Einkauf. „Ich mache mir Sorgen, weil man heutzutage so viele seltsame Dinge hört.“ Ihr Mann Lieven stimmt ihr zu: „Ja, jetzt nur noch Flaschenwasser, bei all den Problemen mit dem Trinkwasser in Belgien.“

