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Das Brabantviertel am Brüsseler Nordbahnhof nach einem Monat verpflichteter Nachtruhe: Weniger Diebstahl, weniger Müll und mehr Ruhe ?

Laut dem diensthabenden Bürgermeister von Schaerbeek, Martin de Brabant (MR, frankophone Liberale), ist die obligatorische Nachtruhe in Brabantviertel rund um den Brüsseler Nordbahnhof ein Erfolg. Die Polizei verzeichnet einen deutlichen Rückgang der Kriminalität während der Sperrung, und auch Anwohner berichten von mehr Ruhe auf den Straßen. Zudem hält sich die überwiegende Mehrheit der betroffenen Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Bordelle an die Vorgaben, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ dazu meldet. Doch nicht alle der Betroffenen sehen die Sache so rosig, wie Politik und Polizei. 

Andreas Kockartz
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Am 1. April führten die Gemeinden Schaarbeek und Sint-Joost-ten-Noode eine obligatorische Schließung von Geschäften und Gastronomiebetrieben in diesem Viertel zwischen 1 Uhr Nachts und 6 Uhr am frühen Morgen ein. Die Maßnahme soll die Sicherheitskräfte entlasten und die hohe Zahl nächtlicher Straftaten reduzieren. Laut Schaarbeeks Bürgermeister De Brabant sind die ersten Ergebnisse der Maßnahme „ermutigend“.

Polizei und Gemeindeverwaltung bemerken die positiven Auswirkungen bereits einen Monat nach Einführung der Maßnahme. „Einen Monat nach der Einführung kann eine erste Zwischenbilanz gezogen werden“, so der Bürgermeister von Schaerbeek gegenüber BRUZZ: „Die ersten verfügbaren Daten deuten auf ermutigende Trends hin, insbesondere während der Geltungsphase der Maßnahme.“

Weniger Diebstähle mit Gewalt

„Polizeianalysen zeigen einen deutlichen Rückgang der schwersten nächtlichen Straftaten“, erklärt der Bürgermeister. So ging beispielsweise im April die Zahl der Gewaltdiebstähle in der Gemeinde Schaerbeek um 37 % zurück. Polizei und städtische Dienste beobachten zudem eine Verschiebung der Tatzeiten, ein Zeichen dafür, dass die nächtliche Sperrung Wirkung zeigt: „Im ersten Quartal 2026 ereigneten sich beispielsweise 20 % der registrierten Körperverletzungen in der Zeit  zwischen 1 und 6 Uhr. Im April sank dieser Anteil auf 11,5 %.“ 

Der Liedtsplein im betroffenen Brüsseler Nordviertel

Mehr Ruhe

Auch der Präventionsdienst der Gemeinde Schaarbeek verzeichnet einen Effekt: „Erste Auswertungen der von den Nachbarschaftshelfern über die Plattform „Fix My Street“ eingereichten Meldungen deuten auf einen Rückgang der Vorfälle in den ersten 19 Apriltagen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im März hin.“ Der Bürgermeister von Schaarbeek bleibt jedoch vorsichtig: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keinen direkten kausalen Zusammenhang herstellen, da auch die Einsatzzeiten der Teams angepasst wurden. Zudem beobachten Akteure aus dem Sozial- und Gesundheitswesen eine größere Ruhe in den Morgenstunden, obwohl sich die übliche Dynamik im Laufe des Tages wieder einstellt.“

Zufriedenheit

De Brabant zeigt sich außerdem zufrieden mit der Reaktion der Gastronomie und der Ladenbesitzer im Viertel. Lediglich zwei Anzeigen wegen Verstößen gegen die Regeln wurden erstattet. „Ich möchte mich auch bei der Polizeizone Brüssel-Nord für ihren Einsatz vor Ort, dem Programm für städtische Prävention und allen Partnern für ihre tägliche Arbeit bedanken. Mein Dank gilt auch den Händlern, die die Schließzeiten überwiegend eingehalten haben“, fügte er hinzu.

„Die Schließungsanordnung trägt dazu bei, den kriminellen Druck auf das Nordviertel zu verringern“, so Olivier Slosse, Polizeichef von Brüssel-Nord: „Dank der guten Kooperation der Händler, aber auch aufgrund des deutlichen Rückgangs besonders gewalttätiger Delikte zwischen 1:00 und 6:00 Uhr, konnten sich unsere Einsatzkräfte vor Ort stärker auf die Sicherung des Viertels konzentrieren.“

Unzufriedenheit

Mehrere Ladenbesitzer im Viertel sind jedoch weniger überzeugt. Sie beklagen, dass die Straßen tagsüber nicht sicherer geworden sind.

Obwohl die Vorfälle zwischen 1 und 6 Uhr nachts laut Polizei und Bürgermeistern zurückgegangen sein mögen, kann das Viertel tagsüber immer noch unsicher sein. Dies bestätigen auch Ladenbesitzer, die von Diebstählen und Schlägereien am helllichten Tag berichteten.

So sagt beispielsweise ein Ladenbesitzer in der Brabantstraat, dass die Situation im Viertel nicht besser geworden sei: „Die Polizei muss präsenter sein. Es ist nicht richtig, dass Prostituierte ihr Geschäft aussetzen müssen für etwas, für das sie keine Verantwortung tragen.“

Schaarbeek und Sint-Joost versprechen, die Situation innerhalb der Task Force Nordviertel weiterhin genau zu beobachten. In der zweiten Maihälfte wird eine umfassende Evaluierung durchgeführt, um die Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen.

Hintergrund

Rund um den Bahnhof werden viele Drogen, wie Crack und Heroin, gehandelt und konsumiert. Einige Betriebe und Geschäfte sollen auch als Geldwäschezentren für den Drogenhandel dienen.

Die Maßnahme betrifft ein großes Gebiet, das in Schaarbeek unter anderem die Aarschotstraat, Brabantstraat, Liedtsplein, Paleizenstraat und den Koninginneplein rund um die Königliche Marienkirche umfasst. In Sint-Joost betrifft sie das Gebiet zwischen Koningsstraat, Kruidtuinlaan, Rogierplein (mit Ausnahme des Platzes selbst) und Brabantstraat – kurzum, das Gebiet südlich und östlich des Nordbahnhofs.

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