Die US-Ratingagentur Standard & Poors (S&P) hat die belgische Kreditwürdigkeit in der vergangenen Woche ebenfalls herabgestuft. Einige Tage zuvor unternahm die Ratingagentur Moody’s einen solchen Schritt ebenfalls vor (von AA3 auf A1). Und davor war Fitch an der Reihe. S&P senkte das Rating Belgiens von AA auf AA- und erklärte dies mit der Tatsache, dass man nicht erwarte, dass die geplanten Reformen zu einer raschen Stabilisierung der Finanzsituation führen werde. Die belgische Schuldenagentur warnt vor langfristigen Problemen.
Hinzu kommt noch, dass S&P das hohe belgische Haushaltsdefizit und auch den hohen Schuldenberg Belgiens als negative Begründungen anführt. Premierminister Bart De Wever (N-VA) hat die Botschaft deutlich empfangen. Der flämische Nationaldemokrat sagte, dass man alles daran setze, Haushalt, Defizit und Schuldenberg in den Griff zu bekommen.
Problematisch an den, wenn auch erwartete Herabstufungen ist, dass die Zinsen für Kredite, die der belgische Staat an den internationalen Finanzmärkten aufnehmen muss, durch solche Vorgänge automatisch steigen, was wiederum zu einem weiteren Anstieg der Staatsschulden führt.
Wie reagiert die belgische Schuldenverwaltung?
„Die Kopfschmerzen über den Haushalt bleiben stark und das ist begründet“, sagte Jean Deboutte von der belgischen Schuldenagentur (die Behörde, die die staatlichen Schulden verwaltet). Allerdings scheinen die ersten Reaktionen auf die Senkungen der belgischen Kreditwürdigkeit nicht unbedingt unmittelbar schwere Folgen zu haben, so Deboutte: „Nach der Anpassung von Moody’s folgte eigentlich keine Reaktion.“ Offenbar beobachten die Märkte die Finanzsituation Belgiens ohnehin schon länger.
Trotz vorläufiger Stabilität in Sachen Kredite und höhere Zinsen warnt der Schuldenverwalter vor der aktuellen Situation: „Wenn wir innerhalb der kommenden Jahr noch immer ein Haushaltsdefizit von über 5 % des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) haben, dann wird der Druck auf die Ratings noch höher und dann können neue Senkungen folgen.“

