Die amerikanische Ratingagentur Moody's stuft Belgiens Kreditwürdigkeit herab. Moody's befürchtet, dass die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung nicht ausreichen werden, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Die Herabstufung könnte dazu führen, dass die Regierung Kredite zu höheren Zinsen aufnehmen muss, um ihr Schulden zu tilgen. Premierminister Bart De Wever (N-VA) ist nicht überrascht.
„Nicht überraschend“ - Die Ratingagentur Moody's stuft Belgiens Kreditwürdigkeit herab.
Konkret senkt Moody's Belgiens Kreditwürdigkeit von AA3 auf A1. Damit rutscht Belgien eine Stufe ab und fällt auf den vierten Rang zurück.
Im vergangenen Jahr traf die Ratingagentur Fitch dieselbe Entscheidung, doch Moody's gewährte Belgien damals einen Vertrauensvorschuss. Die Regierung konnte die Ratingagentur jedoch nicht davon überzeugen, dass ausreichende Maßnahmen zur Sanierung der belgischen Staatsverschuldung vorliegen. Premierminister De Wever: „Die Herabstufung kommt nicht überraschend“
„Nach der Herabstufung durch Fitch im letzten Jahr kommt dieser Schritt durch Moody’s leider nicht völlig unerwartet“, so der flämische Nationaldemokrat De Wever: „Sie unterstreicht einmal mehr, dass zusätzliche Anstrengungen nötig sind, um das Vertrauen der internationalen Märkte in die Finanzlage unseres Landes wiederherzustellen. Es liegt in unserer Verantwortung, sich in den kommenden Monaten erneut intensiv damit auseinanderzusetzen.“
Was bedeutet das konkret für Belgien?
„Das größte Risiko besteht darin, dass die Zinsen für belgische Staatsanleihen leicht steigen und Kredite dadurch bald teurer werden“, sagte Steven Rombaut aus der Wirtschaftsredaktion von VRT NWS: „Bei der vorherigen Herabstufung durch Fitch Ende letzten Jahres war davon kaum etwas zu spüren. Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen etwas höher, gerade weil Fitch bereits die zweite Ratingagentur ist, die uns herabgestuft hat.“
„In einem solchen Moment sind bestimmte Fonds, die in belgische Staatsanleihen investiert haben, nach einer zweiten Herabstufung gezwungen, ihre Anleihen zu verkaufen. Dieser Verkaufsdruck kann dann wiederum zu steigenden Zinsen führen. Der Effekt könnte diesmal also durchaus größer sein,“ so Rombaut. Neben Moody’s und Fitch gibt es eine dritte große Ratingagentur: Standard & Poor’s. Diese Agentur wird ihre neuen Bewertungen nächste Woche bekanntgeben.
AA3? A1? Was bedeutet das?
Eine Ratingagentur bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Regierungen. Sie schätzt die Wahrscheinlichkeit ein, mit der diese ihre Schulden zurückzahlen können. Ratingagenturen berücksichtigen verschiedene Parameter, um ihr Rating zu vergeben. Sie beziehen das Haushaltsdefizit und die Gesamtverschuldung sowie die Wirtschaftslage und die Pläne der Regierung für die kommenden Jahre mit ein.
Die bekanntesten und einflussreichsten Ratingagenturen sind Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s (S&P). Zur Angabe ihrer Bewertung verwenden sie eine Skala von AAA für die besten Länder bis D. Dazwischen gibt es etwa 20 Abstufungen der Kreditwürdigkeit. Ein AA-Rating von Moody’s bedeutet, dass das Risiko, dass ein Land seine Schulden nicht zurückzahlen kann, laut der Ratingagentur „sehr gering“ ist. Bei einer A-Bewertung ist das Risiko "gering".
