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Flandern richtet eine ständige Kommission zur Rückgabe von NS-Raubkunst ein

Die flämische Landesregierung hat in der vergangenen Woche beschlossen, eine ständige Kommission zur Restitution von NS-Raubkunst einzurichten, wie Kulturministerin Caroline Gennez (Vooruit, fläm. Sozialisten) mitteilte. Diese Maßnahme soll eine klare und strukturierte Vorgehensweise für Kunstwerke gewährleisten, die möglicherweise vom NS-Regime geraubt wurden. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Anträge auf Rückgabe von sogenannter „Nazi-Raubkunst“ werden in Flandern künftig von einer eigens dafür eingerichteten Restitutionskommission geprüft, die die flämische Regierung in Fällen berät, die Werke aus ihren eigenen Sammlungen betreffen. Auch Kommunen, private Eigentümer und Erben können Anträge auf Untersuchung bei dieser Kommission einreichen.

Die Kommission wird Provenienz-, sprich Herkunftsforschung betreiben und alle Beteiligten anhören. Derzeit liegen der flämischen Regierung zwei Restitutionsanträge vor, die drei Kunstwerke aus der Sammlung des Königlichen Museums der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) betreffen. Auch diese Fälle werden an die neue Kommission übertragen.

Empfehlung einer temporären Kommission

Die Entscheidung, eine ständige Kommission einzusetzen, folgt den Empfehlungen einer temporären Kommission für NS-Raubkunst, die im vergangenen Jahr tätig war. Parallel dazu wird Flandern die proaktive Provenienzforschung intensivieren, wie im „Strategischen Visionspapier“ zu Kunst und Kulturerbe, das Anfang des Jahres verabschiedet wurde, dargelegt wurde. Finanzielle Mittel werden für die Sichtung und Untersuchung von Sammlungen bereitgestellt.

„Der Massenraub an jüdischen Familien war eine bewusste Strategie der Nazis und ein wesentlicher Bestandteil des Holocaust“, sagte Landeskulturministerin Gennez dazu: „Kunstwerke, die vor und während des Zweiten Weltkriegs gestohlen oder unter Zwang verkauft wurden, müssen an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Nach all den Jahren können wir als Flandern endlich damit beginnen, dieses historische Unrecht wiedergutzumachen.“

Jüngste Restitutionen

Die Einrichtung der Kommission erfolgt vor dem Hintergrund eines in den letzten Jahren in Belgien wiederauflebenden Interesses an Restitutionsfällen. Im Jahr 2025 wurde ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, „Die Rückkehr der Heiligen Familie von der Flucht nach Ägypten“ von Jacob Jordaens, fast 80 Jahre nach seiner Entwendung durch die Nazis an die Nachkommen seiner rechtmäßigen Eigentümer an der Gedenkstätte Kaserne Dossin in Mechelen (Prov. Antwerpen) zurückgegeben. Das Kunstwerk, dessen Wert auf rund 800.000 € geschätzt wird, wurde nach umfangreichen Recherchen aufgespürt, restauriert und den Erben zurückgegeben.

Auch ein Buch, das während des Zweiten Weltkriegs der Familie Andriesse geraubt worden war, wurde 2025 an das Jüdische Museum Belgiens in Brüssel zurückgegeben. Das Werk „Armoede“ der niederländischen Schriftstellerin Ina Boudier-Bakker gehörte den belgischen jüdischen Philanthropen Elisabeth und Hugo Andriesse und „reiste“ nach dem Krieg durch fünf Länder, bevor es aufgespürt und zurückgegeben werden konnte.

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