Flanderns Kulturminister Ben Weyts (N-VA) setzt sich für den Schutz des Bahnhofs von Kortrijk in Westflandern ein und hat die flämische Denkmalschutzbehörde damit beauftragt, dies umzusetzen. Vor einem Jahr noch war der Abriss des Gebäudes geplant. Die Stadt Kortrijk und die belgische Eisenbahngesellschaft (NMBS/SNCB) wollten einen kompletten Neubau errichten und auch die flämische Landesregierung hatte dem Abriss bereits zugestimmt, doch dann änderte sich die Sachlage.
Das Bahnhofsgebäude von Kortrijk soll doch unter Schutz gestellt werden: "Aufnahme in das Verzeichnis des architektonischen Erbes"
„Ich bin überzeugt, dass der Bahnhof Schutz verdient“, so Kulturminister Weyts: „Es handelt sich hierbei um international anerkanntes Kulturgut. Nicht umsonst stand der Bahnhof auf der Liste der ‚7 am stärksten gefährdeten Bauwerke‘ von Europa Nostra. Daher sollten wir nicht auf großflächige Neubauten zurückgreifen.“
„Wir müssen den Denkmalwert schützen und dem Gebäude eine neue Bestimmung geben. Ich glaube, dieser Schutz könnte sogar der Stadt Kortrijk und der belgischen Staatsbahn zugutekommen. Dadurch werden neue Möglichkeiten entstehen. Gebäude, die in das Verzeichnis des architektonischen Erbes aufgenommen werden, erhalten zusätzliche Fördermittel.“
Woher kommt dieser Sinneswandel?
Im vergangenen Jahr wurde viel über das Schicksal des Bahnhofs Kortrijk geschrieben. Im April 2023 präsentierten die Stadt Kortrijk und die Bahn ihre Pläne für den neuen Bahnhof. Die Bahnhofshalle sollte unter den Gleisen errichtet und mit einem großen Dach aus Holz und Kunststoff überspannt werden. Dies erforderte den Abriss des bestehenden Gebäudes. Kurz darauf genehmigte auch die flämische Regierung den Abriss.
Die Denkmalschutz-Initiativen Europa Nostra, DOCOMOMO und der Flämische Verband für Industrie-Archäologie (VVIA) reichten einen Antrag auf Denkmalschutz ein. „Der Bahnhof Kortrijk ist ein einzigartiges und hochwertiges Beispiel monumentaler Bahnhofs-Architektur in der Nachkriegszeit. Er erzählt die Geschichte des Wiederaufbaus Flanderns nach dem Zweiten Weltkrieg“, so die Antragsteller.
Letztendlich hatten die Aktionsgruppen Erfolg. Laut dem Rat für Genehmigungsstreitigkeiten war der Denkmalwert des alten Gebäudes nicht ausreichend berücksichtigt worden. Das Gebäude wurde gerettet. Die Stadt Kortrijk und die NMBS erarbeiteten einen neuen Plan, verwarfen ihn aber kurz darauf wieder, da er ihnen zu teuer war.
„Unterschiedliche Perspektiven“
„Damals gab es verschiedene Pläne und unterschiedliche Perspektiven“, so der Kulturminister weiter: „Ich möchte die Chance nutzen, dass Kortrijk dieses schöne Gebäude erhält und gleichzeitig eine neue Verkehrsinfrastruktur bekommt. Man kann lange über Denkmalwert streiten und vor Gericht landen. Oder man zieht an einem Strang und blickt in die Zukunft.“
Wird bald ein neuer Vorschlag vorgelegt? „Wir haben uns an die NMBS und die Stadt Kortrijk gewandt. Ich kann sagen, dass die Zusammenarbeit gut verläuft. Vielleicht hören wir bald mehr darüber.“

