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Wie der Film “Radiomann” dem alten Funkhaus Flagey in Brüssel zu einer Hauptrolle verhalf

Seit diesem Mittwoch (16. Dezember) ist Frank Van Passels Film „Radiomann“ in Belgien in den Kinos zu sehen. Die Première fand vor einigen Tagen statt. Die Geschichte spielt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Schauplatz: Die Radiostudios des früheren Nationalen Radio-Instituts (NIR), des Vorgängers der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten VRT und RTBF, im berühmten Flagey-Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Elsene.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Regisseur Frank Van Passel hegt eine tiefe Leidenschaft für Radio, Klang im Allgemeinen und für das Flagey-Gebäude, das in seinem neuen Film „Radiomann“ eine Schlüsselrolle spielt. „Es ist ein ikonisches Gebäude. Es ist im Grunde Poesie aus Stein und war auch technologisch sehr bedeutend. Glücklicherweise wurde es von mehreren Philanthropen gerettet und ist heute ein Kulturzentrum.“

Sein Film „Radiomann“ handelt von einem Toningenieur und einer Schauspielerin, die am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Hörspiele produzieren. Hörspiele waren eine der vielen Aktivitäten im ehemaligen Rundfunkgebäude am Flagey-Platz. 

Alte Radiotechnik im Keller

Eine spannende Geschichte

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde 1930 als Nationales Institut für Rundfunk (NIR/INR) gegründet. Der junge Rundfunksender benötigte ein eigenes Gebäude, und 1933 wurde ein Architekturwettbewerb für den Entwurf eines Sendezentrums ausgeschrieben. Der Wettbewerb verlief erfolglos - keiner der 40 eingereichten Entwürfe entsprach den Anforderungen. Ein zweiter Wettbewerb mit strengeren technischen Vorgaben brachte schließlich einen Sieger hervor. Der Brüsseler Architekt Joseph Diongre erhielt den Zuschlag - 11 der 14 Jurymitglieder wählten seinen Entwurf.

Bis 1933 hatte Diongre bereits eine beachtliche Karriere vorzuweisen. Er hatte in Brüssel Dutzende von Häusern, mehrere Sozialwohnungsbauprojekte und Apartments sowie eine markante Betonkirche errichtet. Vor dem Ersten Weltkrieg war sein Stil eher traditionell. Nach dem Krieg entwarf er vermehrt im Art-déco- und modernistischen Stil. Für das Sendezentrum entwarf er ein Gebäude im Stil eines Ozeandampfers mit durchgehenden Fensterbändern und abgerundeten Ecken. 

Säle mit einzigartiger Akustik

Akustik

Der gesamte Komplex ist um zwei Akustiktürme herum angelegt, in denen sich alle Studios befinden. Die Wände der Türme sind stellenweise 1,25 Meter dick. Zwischen den Studios befinden sich sogenannte „Stille-Zonen“, leere Räume, die der Schalldämmung dienen. Der charakteristische runde Turm an der Gebäudeecke war ursprünglich nicht Teil des Entwurfs. Er war lediglich eine Hülle für einen Fernsehturm. Das NIR wollte für den Aufstieg des neuen Mediums gerüstet sein.

Der Bau begann 1935, die Einweihung erfolgte weniger als drei Jahre später. Ab 1950 wurde das Gebäude auch für Fernsehsendungen genutzt, doch aufgrund der wachsenden Popularität des Fernsehens wurde der Platz im Sendezentrum schnell knapp. 1960 beschlossen BRT (heute VRT) und RTB (heute RTBF), ein neues, größeres Sendezentrum an der Reyerslaan zu errichten. 

Historische Aufnahme des Eingangsbereichs

1976 zog der öffentlich-rechtliche Rundfunk in das neue Gebäude um und ließ nur wenige Abteilungen im alten Gebäude zurück. Die frei gewordenen Räumlichkeiten wurden an Kulturinstitutionen vermietet. Fast 20 Jahre später wurde das Gebäude endgültig geschlossen. Omroep Brabant, das Regionalradio der heutigen Provinz Flämisch-Brabant, zog 1995 als letztes Unternehmen aus.

Zum Verkauf angeboten

Das Rundfunkzentrum stand zum Verkauf, doch die Käufersuche gestaltete sich schwierig. Der Komplex war seit 1994 denkmalgeschützt und zudem war in vielen Bereichen des Gebäudes Asbest vorhanden. Zwei Jahre nach seiner Schließung wurde das Gebäude im Rahmen des „World Monuments Watch Program“ zu einem der hundert am stärksten gefährdeten Denkmäler der Welt erklärt. Diese Nominierung löste eine Reihe von Initiativen aus und ein Jahr später fand sich mit einer eigens dafür gegründeten Gesellschaft ein Käufer.

So wurde hier damals Radio "gemacht"

Im Jahr 2002 begann eine umfassende Sanierung. Das Gebäude wurde asbestfrei gemacht, die geschützten Bereiche wurden restauriert und ein Anbau mit zusätzlichen Büros errichtet. Heute dient das ehemalige Rundfunkzentrum als Kulturzentrum, wo Konzerte und Filmvorführungen stattfinden. Hier sind unter anderem auch das regionale Brüsseler Medienunternehmen BRUZZ und Flageys Hausorchester, die Brüsseler Philharmoniker, untergebracht.

Der "Ozeandampfer" Flagey nächtlich beleuchtet
Heute hat hier moderne Ton- und Sendetechnik Einzug gehalten

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