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Gesundheit

Dänischer Samenspender mit genetischer Anomalie hat mindestens 197 Kinder in Europa gezeugt

Mindestens 197 Kinder in Europa wurden mit dem Sperma eines dänischen Spenders gezeugt, der eine krebsauslösende genetische Mutation trägt. Das geht aus einer Recherche mehrerer europäischer öffentlich-rechtlicher Sender hervor, an der auch VRT NWS beteiligt war. Kinder, die die Mutation geerbt haben, müssen streng medizinisch überwacht werden. In Belgien betrifft der Fall 53 Kinder in 38 Familien. In Dänemark allein sind 99 Kinder betroffen.

Martina Luxen
Veröffentlicht:

Viele Eltern erfuhren erst spät oder gar nicht von der genetischen Anomalie. Dabei ist eine frühe Diagnose entscheidend, da betroffene Kinder alle sechs Monate umfassend untersucht werden müssen, um Tumoren rechtzeitig zu erkennen.  „Es gibt bereits viele Kinder dieses Spenders, die Krebs entwickelt haben, einige sogar zwei verschiedene Krebsarten“, sagt die französische Genetikerin Edwige Kasper, die die Nachverfolgung koordiniert: „Einige Kinder sind bereits im sehr jungen Alter gestorben.“

Wie konnte es so weit kommen?

Bis heute gibt es keine europäische Obergrenze für die Anzahl der Familien pro Spender. In Dänemark existierte zum Zeitpunkt der Spenden nur eine Empfehlung von maximal 25 dänischen Kindern pro Spender. Diese wurde deutlich überschritten.  Die Mutation im TP53-Gen konnte bei der medizinischen Grunduntersuchung nicht erkannt werden, da es sich um eine neue, bislang unbekannte Mutation handelt, die nur in 10 bis 19 Prozent der Samenzellen vorkommt.

Verantwortung und Versäumnisse

Die European Sperm Bank (ESB), von der das Sperma stammt, räumt ein, dass die belgische Obergrenze von 6 Familien pro Spender überschritten wurde. Das gilt nicht nur bei diesem Spender, sondern auch bei anderen. Als Gründe nennt die Bank unzureichende Meldungen durch Kliniken, schwache Kontrollsysteme und Fruchtbarkeitstourismus.  Obwohl die ESB bereits 2011 von einer Klinik über die Überschreitung informiert wurde, wurden bis 2018 weiterhin Kinder mit diesem Spender gezeugt.

Experten und das belgische Arzneimittelamt FAAGP fordern nun eine europäische Begrenzung der Familienzahl pro Spender. Die ESB hat seit 2022 eine weltweite Obergrenze von 75 Familien pro Spender eingeführt.  Die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) empfiehlt eine EU-Grenze von 50 Familien pro Spender und drängt auf schnelle Umsetzung.

Mehrere belgische Kliniken haben inzwischen die Zusammenarbeit mit der dänischen Spermabank beendet, um ein klares Signal zu setzen.

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