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52 Kinder in Belgien mit Sperma eines Dänen gezeugt, der Träger eines krebserregenden Gens ist

In Belgien sind 52 Kinder mit dem Sperma eines dänischen Spenders gezeugt worden, der Träger einer genetischen Mutation ist, die das Krebsrisiko erhöht. Das gab Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (sozialdemokratische Vooruit) bekannt. Die Kinder wurden zwischen 2008 und 2017 in zwölf verschiedenen belgischen Kinderwunschzentren gezeugt – deutlich mehr, als gesetzlich erlaubt.

Belga Martina Luxen
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Die Rede ist von einer Mutation im TP53-Gen, das normalerweise das Zellwachstum reguliert und Tumorbildung verhindert. Bei einer Mutation kann es jedoch seine Schutzfunktion verlieren. Die Erkrankung, die mit der Mutation einhergeht, wird Li-Fraumeni-Syndrom genannt und ist vererbbar.

Wie aus einer Recherche der britischen Zeitung The Guardian hervorging, wurde das Sperma des betreffenden dänischen Spenders in mindestens elf europäischen Ländern verwendet, darunter auch Belgien, die Niederlande und Deutschland. Mindestens zehn Kinder, die mit dem Sperma dieses Spenders gezeugt wurden, sollen inzwischen an Krebs erkrankt sein.

Tragödie mit vielen offenen Fragen

Gesundheitsminister Vandenbroucke erklärte: „Es ist tragisch, zu hören, dass das eigene Kind möglicherweise ein krebserregendes Gen geerbt hat – wobei ich betonen muss: möglicherweise. Die Mutation wurde nur in einem Teil der Proben nachgewiesen.“

Wie viele der 52 belgischen Kinder tatsächlich Träger der Mutation sind, ist unklar. Der Minister hat die Arzneimittelbehörde FAGG beauftragt zu prüfen, wie viele Eltern ihre Kinder testen ließen und wie viele davon positiv waren. Diese Daten werden aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht.

Systemfehler und Gesetzesverstoß

Besonders brisant: Der Spender hat in Belgien 52 Kinder bei 37 Frauen gezeugt – die gesetzlich zulässige Grenze von sechs Familien pro Spender wurde damit massiv überschritten.

Wie konnte das passieren? Bis Januar 2024 tauschten die belgischen Kinderwunschzentren keine Informationen untereinander aus. Jede Klinik achtete nur darauf, den Spender bei maximal sechs eigenen Patientinnen einzusetzen – nicht wissend, dass andere Zentren denselben Spender ebenfalls verwendeten.

In einem Fall wurde die gesetzliche Grenze sogar innerhalb eines Zentrums überschritten: Dort wurde das Sperma bei neun Frauen verwendet. Zwar wurde das Zentrum gerügt, jedoch nicht strafrechtlich verfolgt – die Tat war bereits verjährt.

Spätes Handeln trotz früher Warnung

Bereits im November 2023 hatte die European Sperm Bank das FAGG über die Mutation informiert. Dennoch wurde Minister Vandenbroucke erst am 26. Mai 2024 offiziell unterrichtet – nachdem Medien über den Fall berichtet hatten.

„Ich bedaure sehr, dass ich nicht früher informiert wurde – insbesondere angesichts der Zahl betroffener Kinder. Das macht es doppelt tragisch. Niemand möchte ein Kind eines Massen-Donors sein. Und das ist in Belgien eigentlich verboten“, so Vandenbroucke.

Fehlendes Register – 17 Jahre zu spät

Ein nationales Donorregister, das genau solche Überschreitungen verhindern soll, hätte laut Gesetz schon 2007 eingerichtet werden müssen. Tatsächlich wurde die Datenbank Fertidata erst am 1. Januar 2024 in Betrieb genommen – 17 Jahre zu spät.

Das Register dokumentiert nun die Verwendung von Spenderproben in Echtzeit. Allerdings wurden keine historischen Daten integriert. Das heißt: Ob und wie oft die Höchstgrenze in den letzten Jahren überschritten wurde, bleibt unbekannt – ein Rückblick ist derzeit nicht vorgesehen.

Gesundheitsminister Vandenbroucke will nun prüfen lassen, ob die Datenbank rückwirkend ergänzt werden kann. Denn allein bei den Meldungen seit 2022 wurden sieben Spender identifiziert, deren Sperma in drei Kliniken bei mehr Frauen eingesetzt wurde als erlaubt – zwischen sieben und zehn Familien pro Spender.

Kritik von Betroffenenorganisation

Steph Raeymaekers von der Organisation vzw Donorkinderen zeigt sich empört über das mangelhafte Datenmanagement:

„Die einzige Erklärung, die ich habe, ist, dass Ärzte und vielleicht auch die Behörden den Deckel so lange wie möglich auf dem Topf halten wollen.“

Ein Blick in die Niederlande zeigt, was möglich ist: Dort wurden kürzlich alle Daten der Kinderwunschzentren zusammengeführt – das Ergebnis: Mindestens 85 Spender haben mehr Kinder gezeugt, als erlaubt ist. Bei manchen Spendern liegt die Zahl bei 50 oder sogar 75 Kindern.

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