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Belgiens Regierung genehmigt die Teilprivatisierung der Staatsbank Belfius: Der Verkauf von 20 % der Anteile soll 2 Mia. € bringen

Die belgische Bundesregierung hat beschlossen, dass die Staatsbank Belfius den nächsten Schritt zur Vorbereitung des Verkaufs von bis zu 20 % der Aktien einleiten kann. Die Teilprivatisierung von Belfius könnte rund 2 Mia. € in die Staatskasse fließen lassen.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Belfius befindet sich derzeit zu 100 % im Besitz des belgischen Staates, strebt aber schon länger den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an private Investoren an. CEO Marc Raisière hatte Ende August seine Unterstützung für den Verkauf von 20 bis 25 % der Anteile signalisiert: „Wir haben Mitte Juli ein Schreiben der SFPIM (der föderalen Investitionsgesellschaft, Red.) auf Anfrage von Finanzminister Jan Jambon (N-VA) erhalten, in dem wir aufgefordert wurden, eine Kapitalerhöhung vorzubereiten.“

Niedrigere Dividende nach dem Verkauf

Die Teilprivatisierung von Belfius wird seit Langem diskutiert. Die Bank entstand aus dem Zusammenbruch der Dexia Bank. Dexia geriet Ende 2011 infolge der allgemeinen Banken- und Finanzkrise unter staatliche Kontrolle. Der belgische Staat ist heute über die SFPIM alleiniger Anteilseigner von Belfius. Seit der Übernahme hat Belfius bereits fast 3 Mia. € an Dividenden für den Staat erwirtschaftet. Eine Dividende ist ein Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird.

Die Teilprivatisierung von 20 % von Belfius ist für Herbst 2026 geplant. Der Verkauf soll der Regierung eine Einmalzahlung von rund 2 Mia. Euro einbringen, doch die zukünftigen Dividendenzahlungen werden durch den Verkauf danach geringer ausfallen.

Entstanden aus der Fusion von Gemeindekredit und Crédit Local de France

Am 29. Februar 2012 tauchte der Name Belfius erstmals in Belgien auf. Es handelte sich um den neuen Namen der Dexia Bank Belgien, die wie viele andere Banken während der Finanzkrise von 2008 turbulente Zeiten durchlebt hatte. Die Dexia Bank war viele Jahre lang eine Tochtergesellschaft der Dexia-Gruppe. Diese war und ist ein belgisch-französisches Finanzinstitut, das 1996 aus der Fusion der belgischen Bank Gemeindekredit und Crédit local de France in Frankreich hervorging.

Gemeindekredit selbst blickte damals bereits auf eine lange Geschichte zurück. Die Bank wurde 1860 mit dem Hauptzweck der Finanzierung der Kommunen in Belgien gegründet. Bei jeder Kreditaufnahme mussten die Kommunen auch Anteile erwerben. Dadurch waren praktisch alle belgischen Gemeinden finanziell eng mit der Bank verbunden.

1999 ging die Dexia-Gruppe an die Börse. Parallel dazu investierte sie weiterhin in andere Banken, wie beispielsweise Crediop in Italien. 2001 übernahm die Gruppe zudem die Finanzgruppe Artesia. Diese entstand aus der Fusion der Versicherungsgesellschaft DVV und der BACOB, der Bank der Christlichen Arbeiterbewegung ACW. Bei dieser Bank hatte die ACW den Großteil ihres Investmentvehikels Arco durch den Verkauf von Anteilen an Genossenschaftsmitglieder angelegt. Mit der Übernahme von Artesia erwarb die Dexia-Gruppe diese Finanzstruktur.

Bankrun

Zwischen 2008 und 2011 setzte die Finanzkrise der Dexia-Gruppe enorm zu. Nach einigen negativen Nachrichten kam es Anfang Oktober 2011 zu einem regelrechten Bankrun, bei dem die Kunden drohten, massenhaft ihr Geld abzuheben. Um dieses Horrorszenario abzuwenden, traf der damalige Premierminister Yves Leterme (CD&V) eine drastische Entscheidung: Am 10. Oktober trennte die belgische Regierung die Dexia Bank von der Dexia-Gruppe und wandelte sie in eine staatliche Bank um. Der belgische Föderalstaat zahlte dafür 4 Mia. €.

Um jegliche Verbindung zum Namen Dexia zu kappen, benannte sich die Bank einige Monate später in Belfius um. Seitdem ist sie ein unabhängiges Institut, das - ähnlich wie die frühere Bank Gemeindekredit - Kredite an Kommunen vergibt, aber auch Finanzdienstleistungen und Versicherungen für Privatpersonen anbietet.

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