Ein vergessenes und einzigartiges Fernsehinterview des Kunstkritikers Jan Walravens mit dem belgischen Surrealisten René Magritte (Foto) aus dem Jahr 1961 ist in den VRT-Archiven wieder aufgetaucht, sprich im Archiv unseres Hauses, dem öffentlich-rechtlichen flämischen Rundfunk VRT. Der berühmte Maler ist auch die zentrale Figur in der Fernsehserie „This is not a murder mystery“, die jetzt auf VRT 1 ausgestrahlt wird.
„Realität ohne Mysterium ist unmöglich“: Interview mit René Magritte aus dem Jahr 1961 im VRT-Archiv wiederentdeckt
„Wir müssen anerkennen, dass Realität ohne Mysterium unmöglich ist“, fasst René Magritte seine künstlerische Vision in einem Interview für den damaligen BRT (heute VRT) perfekt zusammen. Das Gespräch zwischen dem der Kunstkritiker und Schriftsteller Jan Walravens und René Magritte wurde am 7. Dezember 1961 im BRT-Kunstprogramm „Actueel“ ausgestrahlt.
Das TV-Interview mit Magritte wurde erst kürzlich im VRT-Archiv im Rahmen der Nachforschung nach Material zu einer Ausstellung über Jan Walravens entdeckt. „Soweit wir wissen, befindet sich in unserer Sammlung kein weiteres Fernsehinterview mit Magritte“, sagte Kathleen Bertrem vom VRT-Archiv: „Das Interview mit René Magritte ist all die Jahre irgendwie unter dem Radar geblieben. Wir vermuten, dass niemand danach gesucht hat. Tatsächlich scheint es das erste Mal zu sein, dass es aus der Filmdose genommen wurde. Rund 40 % der Filmsammlung von VRT sind mittlerweile digitalisiert. Dabei handelt es sich vor allem um Material aus dem Nachrichtendienst und den allgemeinen Programmen.“
Suche im „Letterenhuis“ und im VRT-Archiv
Wie haben die VRT-Archivare die Aufnahme aufgespürt? Der Hinweis lag im Archiv des Interviewers Jan Walravens, ein produktiver Schriftsteller und Kunstkenner, der in den 1950er und 1960er Jahren zu vielen Kultur-Sendungen der damaligen BRT beitrug - sowohl für das Radio als auch für das Fernsehen. Walravens‘ Archiv wird im „Letterenhuis“ in Antwerpen (das flämische Literatur- und Kulturarchiv) aufbewahrt. Katrien Vanhamel, eine niederländische Dozentin an der Sorbonne in Paris, bereitet gerade eine Ausstellung über Jan Walravens für das FeliX Art & Eco Museum in Drogenbos (Flämisch-Brabant, in der Nähe von Brüssel) vor. „Die schriftliche Vorbereitung des Interviews mit Magritte war im Archiv erhalten.“
VRT-Archivar Thomas Eyskens setzte damit seine Suche an: „In Walravens' Notizbüchern war säuberlich vermerkt, dass er Magritte am 24. November 1961 interviewt hatte, mit Sendedatum vom 7. Dezember 1961. Anhand dieser Informationen fand ich die Filmaufzeichnung und wir konnten feststellen, ob der Film noch physisch verfügbar war. Und das war er. Mir war sofort klar, dass dies eine wichtige Entdeckung war. Nach der Entdeckung durchsuchten wir auch unser Fotoarchiv und fanden dort mehrere Fotos von René Magritte und Jan Walravens.
Was sagt Magritte in dem Interview?
Im betreffenden in französischer Sprache geführten BRT-Interview in Magrittes Haus (Video oben) wechselt der Künstler zwischen konkreten Erklärungen zu seinem Werk und allgemeinen Überlegungen zum Surrealismus. „Realität ohne Mysterium ist unmöglich“, sagt Magritte: „Ich versuche, die enge Verbindung zwischen beidem darzustellen. Ohne zu wissen, ob sie den Betrachter berühren wird.“ Jan Walravens fragt ihn auch nach dem Trompe-l'œil, der optischen Täuschung, die oft in seinen Gemälden vorkommt. „Dadurch kann man einem Gemälde die Tiefe der realen Welt verleihen“, antwortet René Magritte.
Ich habe lange nach dem richtigen Titel für ein Gemälde gesucht. Er musste möglichst genau mit dem Bild übereinstimmen
René Magritte im BRT-Interview vom 7. Dezember 1961
Und dann die Titel von Magrittes Gemälden. Oft ist der Bezug zum Werk nicht offensichtlich. Siehe das Bild unten von „Der Kuss“. Suchte Magritte nach Unterschieden oder Kontrasten? „Ich suche lange und intensiv nach dem richtigen Titel. Aber nicht nach einem Kontrast. Ganz im Gegenteil. Ich suche nach einem Titel, der möglichst genau mit dem Gemälde übereinstimmt. Der Titel ist Teil des Bildes, aber dann in der Sprache.“
René Magritte äußerte sich auch zu anderen Künstlern, allerdings nicht allzu positiv: „Es gibt niemanden, der auch nur eine vage Vorstellung davon hat, frei von den Zwängen bestimmter Gewohnheiten zu malen, die mich völlig gleichgültig lassen. Außer zwei Malern: dem Italiener de Chirico und dem Deutschen Max Ernst.“
„This is not a murder mystery“
Der Künstler René Magritte tritt auch – fiktiv – in der neuen Fernsehserie „This is not a murder mystery“ auf. Der junge René Magritte reist zu einer Kunstausstellung nach England und wird in einen Kriminalfall verwickelt, als ein Mitglied seiner Begleitung tot aufgefunden wird. Die sechsteilige Serie ist ein Krimi mit vielen Anspielungen auf surrealistische Kunstwerke.
„This is not a murder mystery“ ist eine belgische, englischsprachige Produktion unter der Regie von Hans Herbots. Der diensthabende Ermittler ist der Schauspieler Stephen Tompkinson, auch bekannt als DCI Banks. Beim Prix Europa erhielt die Serie eine besondere Erwähnung der Jury (2. Platz) in der Kategorie „Videofiction-Serie“
„This is not a murder mystery“, die neue fiktive Serie über surrealistische Künstler, wird ab Sonntag, 26. Oktober 2025, auf TV1 ausgestrahlt und ist über VRT Max zu streamen.
Die Jan Walravens-Ausstellung im FeliX Art & Eco Museum in Drogenbos wird am 6. Dezember 2025 eröffnet und läuft bis zum 7. April 2026. Info: felixart.org


