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Inland
Wirtschaft

Amazon investiert 1 Milliarde in Belgien in Infrastruktur, Personal und in die Lieferung am Tag der Bestellung

Der amerikanische Online-Händler Amazon will 1 Mia. € in Belgien investieren. Das gab das Unternehmen im Rahmen der belgischen Wirtschaftsmission in Kalifornien (USA) bekannt. Ein Teil des Geldes soll in die Infrastruktur fließen. In Antwerpen hat Amazon bereits ein eigenes Logistikzentrum. Doch es soll ein weiteres Vertriebszentrum entstehen mit Hunderten neuen Arbeitsplätzen. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Bis 2027 will Amazon in Belgien rund 1 Mia. € investieren. Mit diesen Investitionen will das Unternehmen „das Kundenerlebnis verbessern”, erklärt Eva Faict von Amazon Belgien/Niederlande. Wofür wird das Geld konkret investiertAmazon will mit der Lieferung von Paketen am Tag der Bestellung beginnen. Wann genau, ist noch nicht bekannt, aber möglicherweise schon innerhalb weniger Monate. Ein weiterer Teil des Geldes fließt in die Infrastruktur.

Darüber hinaus wird der US-Online-Händler auch zusätzliches Personal für die Mechatronik-Abteilung in Hamme einstellen. Derzeit beschäftigt Amazon 400 Mitarbeiter in Belgien. Nicht zuletzt fließt Geld in die bessere Betreuung belgischer KMU, die ihre Artikel über die Amazon-Plattform weltweit anbieten können. Faict: „Sie werden über mehr Datenfunktionen verfügen können.”

Die Top-Managerin versicherte auch, dass Amazon weiterhin mit der belgischen Post, Bpost, zusammenarbeiten will. „Das ist derzeit unser wichtigster Partner und das wird auch so bleiben“, so Faict. Für die „Same Day Delivery“ sind jedoch Investitionen in die Logistikkette erforderlich. Amazon Logistics wird dies jedoch nicht alleine tun, wir werden diversifizieren.“ Konkurrent bol.com bietet diese Option bereits gegen Aufpreis an.

„Same DayDelivery“

Amazon investiert hier in den kommenden zwei Jahren in die „Lieferung am selben Tag”. Ein Paket wird also noch am Tag der Bestellung geliefert. „Das wird zum Standard werden”, erklärte der Professor für E-Commerce Roel Gevaers von der Antwerpener Universität (UAntwerpen). Aber wie will der amerikanische Internetgigant das bewerkstelligen? Und sind die Verbraucher überhaupt daran interessiert?

„In Belgien ist die Lieferung am nächsten Tag ein gewünschter Standard. In den USA, in Asien und in unseren Nachbarländern Frankreich und Deutschland ansieht, ist die Lieferung am selben Tag schon Standard”, so Gevaers (Universität Antwerpen) in der Sendung „De Ochtend” auf Radio 1. Vorteil: Das bedeutet, dass weniger logistische Aktivitäten nachts erfolgen. Nachteil: Tagsüber steht der Verkehr auf unseren Straßen ohnehin schon still. „Das ist hier ein heikles Thema”, räumt Gevaers ein.

Amazon verfügt derzeit über ein Lager in Antwerpen und arbeitet darüber hinaus mit einer Reihe von Partnern zusammen, beispielsweise in Brüssel. „Ein Netzwerk ist nicht vollständig verfügbar, insbesondere nicht für den Süden und die Randgebiete unseres Landes“, skizziert Gevaers die aktuelle Situation. Amazon verfolgt die Strategie, Lieferungen selbst durchzuführen, was in Brüssel und Antwerpen bereits der Fall ist: „Das fördert den Wettbewerb in bestimmten Bereichen: Wenn man mit mittelständischen Unternehmen zusammenarbeitet, wird Amazon auch anbieten, dass KMU Pakete ausliefern können. Damit treten sie indirekt in Konkurrenz zu Bpost oder zu PostNL.“

Werden die hiesigen KMU darunter leiden? Gevaers relativiert: „Wenn ein KMU über Amazon verkauft und Kunden sich für eine Lieferung am selben Tag entscheiden, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Lieferung von einem lokalen Händler stammt als von einem chinesischen Händler. Chinesische Unternehmen benötigen mindestens 24 Stunden, um die Waren per Flugzeug zu transportieren.“ 

Reaktionen aus der Politik

Der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) begrüßte die Investitionen von Amazon in Belgien: „Ihre Investitionen konzentrieren sich speziell auf Robotik und Mechatronik, genau die fortschrittlichen Cluster, auf die wir als flämische Regierung bereits voll und ganz setzen.“ Flämische Unternehmen erwirtschaften derzeit durchschnittlich etwa 28 % ihres Umsatzes im E-Commerce.

Auch die föderale Ministerin für Mittelstand und KMU, Eléonore Simonet (MR), hält dies für interessante Entwicklung: „Wir sehen, wie dieser Hebel lokalen Unternehmern helfen kann, ihre Marktpräsenz zu stärken und sogar über die Grenzen hinaus zu expandieren, wodurch sie Millionen von Kunden in ganz Europa und darüber hinaus erreichen können.“

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