Premierminister Bart De Wever (N-VA) besuchte am Samstag ein Konzert der Münchner Philharmoniker unter der Leitung des israelischen Dirigenten Lahav Shani in Essen. De Wever traf sich auch mit Shani (Foto), um ihm persönlich seine Wertschätzung nach der Absage des Konzerts beim „Gent Festival von Flandern“ auszudrücken.
Premierminister De Wever besucht in Essen ein Konzert des israelischen Dirigenten, der in Gent nicht willkommen war - Bundeskanzler März begrüßt diesen Schritt
De Wever postete ein Foto des Treffens auf Facebook und Instagram. Im Begleittext schreibt der Premierminister, dass Belgien alle gezielten europäischen Sanktionen zur Beendigung des Krieges in Gaza unterstützt. Aber Rassismus und Antisemitismus dürfe niemals Raum gegeben werden, heißt es darin: „Da ziehe ich die Grenze. Ich verurteile daher aufs Schärfste die kürzliche Annullierung des Münchner Philharmoniker durch das ‚Genter Festivals von Flandern‘ allein aufgrund der Herkunft des Dirigenten Lahav Shani. Ich bestand darauf, ihm diese Botschaft persönlich zu überbringen und meine Wertschätzung für seinen Beitrag zur Kraft der Musik zum Ausdruck zu bringen. "
Die Münchner Philharmoniker hätten am 18. September unter der Leitung von Shani in Gent auftreten sollen, doch die Veranstalter sagte diesen Auftritt ab. Nach Angaben der Organisation herrsche „nicht genügend Klarheit über die Haltung des Dirigenten gegenüber dem Völkermordregime“. De Wever hatte diese Entscheidung zuvor schon scharf verurteilt.
Kein Antisemitismus
Festivalleiter Jan Briers erklärte gegenüber VRT NWS, warum man diese Entscheidung getroffen habe: „Wir hatten Beweise dafür, dass das gesamte Festival durch Proteste gestört werden sollte.“ Damit schob er Sicherheitsbedenken vor.
Jan Briers stellt in diesem Zusammenhang auch klar, dass die Entscheidung, das Konzert abzusagen, keine Form von Antisemitismus sei. Sie können uns nicht als „Antisemitisten“ verklagen: „Das Israel Philharmonic Orchestra und so viele andere israelische Künstler kommen zu uns, sind zu uns gekommen und werden in Zukunft zu uns kommen. Wir haben Lahav Shani darum gebeten uns mitzuteilen - nicht als Person, sondern als Chefdirigent des israelischen Staatsorchesters, das vom Staat Israel subventioniert wird - was seine Position zur Lage im Gazastreifen ist.“
Bundeskanzler Merz lobt De Wevers Einsatz für Shani
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Premierminister Bart De Wever (CD&V) für dessen Solidarität mit Shani gelobt. Merz schrieb auf X: Ich danke dem belgischen Premierminister für sein starkes Zeichen der Solidarität, das er mit dem Besuch bei Lahav Shani und den Münchener Philharmonikern in Essen gesetzt hat.“ Premier De Wever war am Samstag gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Brüssel, Martin Kotthaus, zu dem Konzert in der Ruhrmetropole gereist.
Inzwischen hat die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Belgien die Zusammenarbeit mit dem „Gent Festival von Flandern“ beendet. Innerhalb der Koalitionen auf belgischer Bundes- und flämischer Landesebene sorgen die unterschiedlichen Ansichten zu diesem Thema inzwischen für Spannung und Gesprächsbedarf.

