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Gaza-Konflikt: Das „Gent Festival van Vlaanderen“ sagt Konzert der Münchner Philharmoniker mit dem israelischen Dirigenten Lahav Shani ab - Kritik aus Deutschland

Das „Gent Festival van Vlaanderen“ sagt das für den 18. September geplante Konzert der Münchner Philharmoniker ab. Das Orchester sollte unter der Leitung seines zukünftigen Chefdirigenten, dem Israeli Lahav Shani (Foto), im Kulturzentrum Bijloke in Gent auftreten. Dieser ist auch Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra. „Angesichts seiner Funktion können wir keine ausreichende Klarheit über seine Haltung gegenüber dem genozidalen Regime in Tel Aviv schaffen“, heißt es zur Begründung der Absage. In deutschen Medien ist in diesem Zusammenhang die Rede von einem Skandal und von Antisemitismus. Auch die Münchener Philharmoniker und die Stadt München reagieren mit deutlicher Kritik. Inzwischen nehmen auch Politiker und Politikerinnen aus Deutschland und Flandern in dieser Sache Stellung. Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) distanzierte sich von der Entscheidung der Festival-Veranstaltung.     

Andreas Kockartz
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Laut einer Erklärung des Festivals basiert die Entscheidung „auf der tiefen Überzeugung, dass Musik eine Quelle der Verbindung und Versöhnung sein muss”. Die Organisatoren verweisen auf die Rolle von Lahav Shani als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra. „Angesichts dieser Funktion können wir keine ausreichende Klarheit über seine Haltung gegenüber dem genozidalen Regime in Tel Aviv schaffen“, heißt es bei den Veranstaltern.

Das Festival betont zwar, dass Shani sich in der Vergangenheit mehrfach für Frieden und Versöhnung ausgesprochen hat, sagt aber auch, dass es den breiteren Zusammenhang nicht außer Acht lassen könne. Dabei verweisen die Organisatoren auch auf den Aufruf des flämischen Kulturministers und des Kultursektors in Gent, keine Kooperationen mit Partnern einzugehen, die sich nicht eindeutig vom israelischen Regime distanzieren.

„Angesichts der aktuellen unmenschlichen Situation, die auch in unserer Gesellschaft emotionale Reaktionen hervorruft, halten wir es nicht für wünschenswert, dieses Konzert stattfinden zu lassen“, so die Organisatoren. Mit der Absage möchten sie „die Gelassenheit des Festivals bewahren und ein Konzerterlebnis für Besucher und Musiker gewährleisten“.

Das restliche Programm des Gent Festival van Vlaanderen, das vom 12. September bis zum 2. Oktober läuft, findet wie geplant statt. Bereits gekaufte Tickets für das abgesagte Konzert werden zurückerstattet - Ticketinhaber werden persönlich kontaktiert.

Reaktionen in Deutschland

In Deutschland wird auf diese Absage mit harscher Kritik reagiert. In einigen Medien heißt es, dass dieser Vorgang ein Skandal sei, eine Schande und sogar Antisemitismus. Doch offenbar geht man dabei nicht wirklich auf die Argumentation der Veranstalter des „Gent Festival van Vlaanderen“ ein.

Ein Beitrag dazu auf der Webseite BackstageClassic trägt den Titel: „Belgiens Absage an Lahav Shani ist offener Antisemitismus“. In dem Artikel heißt es weiter: „Was für ein Fehler! Ausgerechnet Lahav Shani. Der Dirigent hat sich in den letzten Monaten immer wieder klar zum Gaza-Konflikt geäußert. Er hat sich regelmäßig für Versöhnung und Frieden positioniert und immer wieder betont, dass trotz der schwierigen politischen Lage im Nahostkonflikt eine Lösung möglich sei. Musik ist für ihn eine Möglichkeit des Dialogs.” 

In einer Stellungnahme der Stadt München und der Münchner Philharmoniker ist lediglich die Rede davon, dass man das Konzert absagt, weil „der in Tel Aviv geborene Lahav Shani auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra ist“ und weil man „unter Druck von Aktivistengruppen und der belgischen Politik“ stehe. Weiter heißt es dort: „Lahav Shani tritt in seinem ganzen Wirken als Musiker und Mensch für Verständigung, Humanismus und Dialog ein. Israelische Künstlerinnen und Künstler unter Generalverdacht zu stellen und kollektiv zu bestrafen, lehnen wir entschieden ab. Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit von der Bühne, dem Konzertsaal oder anderen öffentlichen Orten zu verbannen, ist ein Angriff auf wesentliche europäische und demokratische Werte.“

Politische Reaktionen in Deutschland

Deutsche Politiker zeigten sich entsetzt nach der Ausladung Shanis, wie die Webseite der Tagesschau meldet. Deutschlands Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sprach von einer „Schande für Europa“ und Bayerns Kulturminister Markus Blume (CSU) von einem Skandal: „Dass die Münchner Philharmoniker ausgeladen werden, weil ein Israeli am Pult steht, ist nichts anderes als grober Antisemitismus", so Blume. Es mache ihn fassungslos, „dass gerade ein Musikfestival die völkerverständigende Kraft der Musik für Hetze und Spaltung missbraucht.“

Flanderns MP Diependaele: „Unbedachte und gedankenlose Entscheidung“

Auch der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) bedauert die Entscheidung: „Kunst und Kultur haben das wesentliche Ziel, Menschen zu verbinden. Sie müssen Brücken bauen. Der Kultursektor kann nicht damit beginnen, Künstler aufgrund ihrer Nationalität oder Herkunft mit den schweren Taten bestimmter Machthaber gleichzusetzen. "

„Die Entscheidung des Festivals ist daher einfach unbedacht und gedankenlos. Dies importiert einen ausländischen Konflikt und in dieser speziellen Akte auch die Polarisierung um ihn herum. Ich verstehe noch, dass die Organisation ein Zeichen setzen wollte, aber es gibt viele andere Möglichkeiten, auf diesen Horror zu reagieren. Eine solche Reaktion oder ein solches Signal sollte niemals allein aufgrund seiner Herkunft zu Lasten einer Einzelperson gehen, in diesem Fall eines international renommierten Dirigenten. Dies ist ein Weg, den wir als demokratische und moderne Gesellschaft nicht einschlagen dürfen.“

Flanderns Kulturministerin Caroline Gennez: „Künstlerische Freiheit“

Die flämische Kulturministerin Caroline Gennez (Vooruit) unterstützt das Festival in seiner Entscheidung: „Die flämische und die belgische Regierung haben ihre Verantwortung übernommen und ein starkes Signal gegen den Schrecken im Gazastreifen gegeben. Ich habe den Kultursektor aufgefordert, dasselbe zu tun, in dem er die Funktionsweise seiner Häuser sehr konkret überprüft und nicht länger mit Partnern und Unternehmen zusammenarbeitet, die sich weigern, sich eindeutig vom Völkermordregime in Tel Aviv zu distanzieren. Wie der Kultursektor damit arbeitet, ist seine Entscheidung und seine künstlerische Freiheit“, sagt sie gegenüber VRT NWS.

Das Forum der Jüdischen Organisationen (FJO) und das Jüdische Informations- und Dokumentationszentrum (JID) in Belgien fordern jetzt die Entlassung der flämischen Kulturministerin in Zusammenhang mit dem abgesagten Konzert und ihrer Reaktion darauf.

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