Das „Gent Festival van Vlaanderen“ sagt das für den 18. September geplante Konzert der Münchner Philharmoniker ab. Das Orchester sollte unter der Leitung seines zukünftigen Chefdirigenten, dem Israeli Lahav Shani (Foto), im Kulturzentrum Bijloke in Gent auftreten. Doch die Festivalorganisatoren gaben an, aus dessen schriftlich eingeforderter Stellungnahme zum Gaza-Konflikt „keine ausreichende Klarheit über seine Haltung gegenüber dem genozidalen Regime in Tel Aviv“ gewonnen zu haben. Schon am Mittwoch distanzierte sich u.a. Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA, flämische Nationaldemokraten) von der Entscheidung der Festival-Veranstaltung.
Zahlreiche Stimmen aus der Politik in Belgien verurteilen die Ausladung der Münchener Philharmoniker mit ihrem israelischen Dirigenten
Sein Parteikollege, Belgiens Premierminister Bart De Wever, schließt sich Diependaele an. „Jemandem allein aufgrund seiner Herkunft ein Berufsverbot aufzuerlegen, ist, gelinde gesagt, dreist und unverantwortlich“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: „Es kommt auch kaum vor, dass Künstler ihre Gedanken schriftlich begründen müssen. Ich denke, das ist das Gegenteil von künstlerischer Freiheit. Dies wird den Ruf Flanderns und Belgiens schädigen. "
Auch Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei) hat Zweifel an der Entscheidung. „Wir sollten nicht verallgemeinern und denken, dass jeder Israeli oder Jude automatisch Benjamin Netanjahus Politik unterstützt“, sagte Prévot vom französischsprachigen Radiosender La Première: „Wir dürfen keine Verallgemeinerungen zwischen der jüdischen Gemeinde, dem israelischen Volk und Netanjahus Politik treffen.“
Auch in den sozialen Medien herrscht Empörung unter anderen Politikern. Ben Weyts und Annick De Ridder, N-VA-Minister in der flämischen Regierung, sprechen beide von Diskriminierung. Bundesverteidigungsminister Theo Francken, ebenfalls N-VA, bezeichnet die Entscheidung des Festivals als „reine Schande“.
Der Parlamentsabgeordnete Denis Ducarme (MR, frankophone Liberale) fragt sich auf X, ob Belgien ein antisemitisches Land ist. Sein Parteivorsitzender, Georges-Louis Bouchez bezeichnet die Absage als Schande und ist der Meinung, dass die flämische Kulturministerin Caroline Gennez (Vooruit, flämische Sozialisten) zurücktreten sollte. Sie gab an, dass sie die Entscheidung des Festivals unterstütze. Diese Unterstützung stößt bei Bouchez auf Unverständnis.
BR-Klassik: Petition von internationalen Künstlerinnen und Künstlern
Das Canceln der Münchner Philharmoniker unter Lahav Shani, die beim „Gent Festival van Vlaanderen“ am 18. September 2025 auftreten sollten, hat weitreichende Folgen, wie die Kollegen vom Bayrischen Rundfunk (BR-Klassik) melden. Prominente Künstlerinnen und Künstler wie Martha Argerich und András Schiff haben eine Petition unterzeichnet, die das Ausladen als "fundamentale Attacke auf demokratische Grundwerte" bezeichnet.
Ins Leben gerufen hat die Petition auf der Plattform change.org der Cembalist Mahan Esfahani, der über Nacht Renaud Capucon, Mischa Maisky und Emmanuel Pahud als Unterstützer der Aktion mit ins Boot holen konnte. Viele weitere internationale Stars folgten. In dem kurzen Statement wird das Festival außerdem angehalten, die Entscheidung zu überdenken und den Dialog offen zu halten.

